Psychologie Positiv dank Power Posing? Neue Studie aus Halle zeigt Zusammenhang

Was macht Power Posing mit uns? Können Körperhaltung und Körpersprache sogar unseren Hormonhaushalt beeinflussen? Eine neue Untersuchung, an der die Uni Halle beteiligt war, gibt Antworten.

Ein kleines Mädchen mit Sonnenbrille und und in selbstbewusster Pose
Power Posing – schon ab 5 Jahren wissen auch die Kids Bescheid. Bildrechte: IMAGO / Cavan Images

Wenn Forscherinnen (und Forscher) forschen, heißt das nicht immer, dass sie wirklich selbst forschen. Manchmal erforschen sie auch nur, was andere Forschende schon längst herausbekommen haben, was aber in der bisherigen Forschung vielleicht untergegangen ist, weil der Überblick fehlte, oder die Einordnung, also das große Ganze. Das nennt man dann: Meta-Analyse!

Meta-Analysen sind probate Mittel der Wissenschaft, über die auch wir bei MDR WISSEN oft berichten, zum Beispiel über ungesunde Lebensmittel oder Insektensterben. Oder über diese Meta-Studie zum Thema Körperhaltung und Emotionen. "Unsere Effekte deuten eher darauf hin, dass eine zusammengesunkene Sitzhaltung oder ein depressives Gangmuster, negative Effekte hat. Aber dass Power Posing einen positiven Effekt hat, konnten wir nicht zeigen." Das hatte uns Professor Johannes Michalak von der Uni Witten/Herdecke damals erzählt, der die Untersuchung geleitet hat. Immerhin 70 Studien und Experimente hatte das Team damals ausgewertet.

Noch mehr Studien, noch mehr Experimente

Da geht noch mehr, dachten sich vermutlich die Forschenden der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Bamberg und der Ohio State University (Columbus, USA). Sie haben jetzt zur Körperhaltung eine neue Meta-Analyse vorgelegt. Dabei wollten sie herausbekommen, ob die Körperhaltung einen Einfluss auf Selbstwahrnehmung, Verhalten und den Hormonspiegel der Menschen hat. Ihr Daten-Input: 130 Experimente aus 88 Studien mit insgesamt 9.779 Personen, bei denen 313 Effekte untersucht wurden.

Ihre Ergebnisse:

1. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Power Posing und einer positiveren Selbstwahrnehmung. Mit den Worten der Persönlichkeitsforscherin Professorin Astrid Schütz von der Universität Bamberg: "Eine dominante Körperhaltung kann zum Beispiel dazu führen, dass man sich selbstbewusster fühlt." Die Forschenden der Uni Halle hatten das selbst schon früher untersucht. Kinder können diese Körpersprache bereits mit fünf Jahren erkennen und besonders im Schulkontext zeigt die Nutzung einen positiven Effekt.

2. Beim Verhalten fand das Team nach eigener Aussage einen ähnlichen Zusammenhang, jedoch auch Hinweise darauf, dass dieser wahrscheinlich auch auf die Gestaltung der jeweiligen Studien zurückzuführen ist.

3. Was die Hormone angeht – ältere Studien hatten behauptet, es gebe einen Zusammenhang zwischen bestimmte Posen und der Produktion von Hormonen wie Testosteron –, konnte das Team keine Bestätigung finden. "Die Befunde zu den physiologischen Effekten von Power Posing sind nicht robust, sie wurden von unabhängigen Forschungsgruppen nicht repliziert", erklärt Forscherin Schütz.

Analyse offenbarte viele Mängel

Die Analyse der großen Menge an Studien und Experimenten zeigte aber auch die Probleme der bisherigen Forschung. Meist fehlten die Kontrollgruppen, so dass die Wirkung einzelner Posen nicht überprüft werden konnte. Gleichzeitig stammen fast alle Studien aus westlich geprägten, hoch industrialisierten Gesellschaften. Ob sich das auf alle Kulturkreise übertragen lasse, sei fraglich, erklärten die Forschenden. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie über verschiedene Altersgruppen hinweg waren dagegen vergleichsweise gering.

Links/Studien

Körner, R., Röseler, L., Schütz, A., & Bushman, B. J. Dominance and prestige: Meta-analytic review of experimentally induced body position effects on behavioral, self-report, and physiological dependent variables. Psychological Bulletin (2022)

pm/gp

Symbolbild - Freizeitpark 3 min
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