Wer schlechter kooperiert, verdient weniger Psychopathische Manager haben weniger Erfolg

Wer besonders skrupellos agiert, Gefühlskalt und mitleidlos ist, kommt schneller an das große Geld. So lautet ein landläufiges Vorurteil. Eine neue Studie aus den USA zeigt jetzt das Gegenteil: Psychopathische Finanzmanager haben weniger Erfolg.

Silhouette eines Mannes vor blauem Licht, der sich ein Bündel Geldscheine in das Sakko steckt.
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An den Börsen und Kapitalmärkten gelten Hedge-Fonds oft als besonders aggressive Investoren, die noch mehr Geld verdienen wollen, als gewöhnliche Banken. Sie sind daher meist auf Märkten mit hohen Risiken unterwegs und spekulieren mit komplexen Finanzproduktion wie Derivaten. Es gibt viele Hinweise darauf, dass dieser Sektor Psychopathen besonders anzieht.

Kein Wunder glauben viele Menschen: Wer eiskalt berechnend agiert, andere Menschen zu seinem Vorteil rücksichtslos ausnutzt und seine Ziele mitleidlos verfolgt, der steht finanziell bald besser da, als derjenige, der sich mit einem Gewissen herumschlagen muss. Eine aktuelle Studie aus den USA legt jetzt allerdings nahe, dass das Gegenteil richtig ist: Firmen mit psychopathischen Chefs verdienen weniger Geld, als solche Fonds mit nicht-psychopathischer Führung.

Psychopathische Finanzmanager

Ein Team rund um die Psychologin Leanne ten Brinke von der Universität Denver untersuchte Video-Interviews mit 101 Chefs verschiedener Hegde-Fonds. Die samt und sonders männlichen Manager hatten sie anfertigen lassen, um damit Werbung für ihre Firmen zu machen. Potenziellen Kunden und Anlegern erklärten sie die Strategie ihres jeweiligen Fonds und erläuterten, wie sie mit Risiken oder der aktuellen Marktlage umgehen.

Anhand ihrer verbalen und nonverbalen Äußerungen identifizierten die Forscher diejenigen, die psychopathische, machiavellistische oder narzisstische Eigenschaften hatten und überprüften dann die finanzielle Performance der jeweiligen Fonds. Die überraschenden Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Bulletin".

Narzissten und Psychopathen verdienten weniger

Als Psychopath gilt, wer sich nicht einfühlen kann, ein schlechtes Sozialverhalten hat oder häufig impulsiv reagiert. Manager, die psychopathische Züge zeigten, sich etwa über den Schaden von anderen freuten oder versuchten, auf gekünstelte Art und Weise charmant zu sein, hatten zwischen 2005 und 2015 jedes Jahr etwa einen Prozent weniger verdient, als ihre Kollegen ohne psychopathische Eigenschaften. Bei einer Investition von einer Millionen US Dollar wären damit rund 160.000 Dollar Gewinn entgangen.

Narzissten dagegen halten sich oft für grandios und glauben, sie wären anderen überlegen. Manager mit solchen Tendenzen zeigten in der Untersuchung einen schlechten Umgang mit Risiken. Rechneten die Forscher die eingegangenen Risiken aus der Gewinnen heraus – verglichen die Profite beispielsweise mit den Ergebnissen von wenig riskanten Anlagemöglichkeiten – dann schnitten die Narzissten schlechter ab, als ihre nicht narzisstischen Kollegen. Nur Anteile einer machiavellistischen Persönlichkeit, also ein ausgeprägter Anspruch auf eine Führungsposition und ein generell eher negatives Denken über andere Menschen, hatte in der Untersuchung keinen Einfluss auf die Performance des jeweiligen Fonds.

Kooperation ist besser

Die untersuchten Fonds verwalteten im Schnitt ein Anlagevermögen von rund 4,64 Milliarden Dollar. Um andere Erklärungen für die Ergebnisse ausschließen zu können, bezogen die Forscher auch die gewählten Strategien der Fonds, ihre Größe und die Berufserfahrung ihrer Chefs in die Auswertung ein. Die persönlichen Merkmale der Manager stellten sich dabei als die wichtigeren Faktoren heraus.

Die Vermutung der Wissenschaftler: Menschen, die sich manipulativer oder strukturell gewalttätiger Mittel bedienen, kommen vielleicht schneller in höhere Positionen. Dort neigen sie aber dazu, Untergebene zu mobben oder sich am Arbeitsplatz daneben zu benehmen. Das wiederum torpediert die Zusammenarbeit mit Kollegen. Dagegen entwickeln Teams, die vertrauensvoll kooperieren, komplexere Strategien, sind innovativer und denken vielschichtiger.

Verhalten bleibt stabil

Die Forscher räumen allerdings ein, dass der Einfluss der Finanzkrise von 2009 die Ergebnisse beeinflusst haben könnte und die Psychopathen während anderer Perioden möglicherweise besser abgeschnitten hätten. Den umgekehrten Schluss, dass schlechte Resultate durch die Krise die Manager möglicherweise zu psychopathischeren Verhaltensweisen verlockt haben könnten, halten sie dagegen für unwahrscheinlich. Das beobachtete Verhalten der Manager auf den Videos erwies sich als sehr stabil, ungeachtet guter oder schlechter Jahresergebnisse.

Über dieses Thema berichtete MDR Fernsehen: LexiTV | 24.08.2016 | 15:00 Uhr