Rentner putzt die Windschutzscheibe seines Autos.
Klassische Rollenverteilung bei Senioren: Sie putzt drin, er draußen. Bildrechte: IMAGO

Rentnerinnen haben niemals Zeit Täglich fünf Stunden Hausarbeit

An Hausarbeiten scheiden sich in Haushalten die Geister, denn jeder hat ein individuelles Bedürfnis nach Ordnung und Reinlichkeit. Wie ist das im Alter, wer macht was und wieviel? Eine Studie hat das Haushaltsverhalten von Senioren erforscht und nach einem Zusammenhang zwischen Arbeitszeit, Wohlgefühl und Schlaf gesucht.

Rentner putzt die Windschutzscheibe seines Autos.
Klassische Rollenverteilung bei Senioren: Sie putzt drin, er draußen. Bildrechte: IMAGO

In der Seniorenwelt herrschen "klassische Muster" der Arbeitsteilung im Haushalt: Das ist ein Ergebnis einer Studie, die dem Zusamenhang zwischen Hausarbeit, Schlafdauer und persönlichem Gesundheitsempfinden von Senioren nachspürt. Demnach widmen sich Frauen im Schnitt fast 220 Minuten täglich den Klassikern wie Kochen, Einkaufen und Putzen - Männer dagegen nur knapp 90 Minuten. Bei Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten war es umgekehrt - hier sind Männer fast 70 Minuten täglich aktiv, Frauen nur knapp 40 Minuten. Im Schnitt summierten Frauen insgesamt fünf Stunden Hausarbeit pro Tag, die Männer drei.

Was wurde wie gemessen?

Für die Studie wurden Daten aus mehreren westlichen Industrienationen ausgewertet, von knapp 36.000 Personen, die 65 Jahre und älter waren: 15.333 Frauen und 20.907 Männer aus Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA führten über ihren Tagesablauf Tagebuch, an zwei bis vier aufeinander folgenden Tagen. Sie notierten dazu jeweils die Zeit, die sie im Haushalt für drei Kategorien von Arbeiten aufwendeten: Kochen, Waschen, Einkaufen - Arbeiten an Haus und Garten sowie Kinderbetreuung. Außerdem vermerkten sie, wie oft und lange sie schliefen und gaben auf einer Skala ihren gefühlten Gesundheitszustand an.

Hausarbeit in Maßen hält auch im Alter sozial gesund

Nicht abhängig vom Geschlecht ist offenbar, dass Frauen und Männer, die täglich mehr als zwei Stunden Hausarbeit verrichteten, sich körperlich wohler fühlten als die, die gar keine Hausarbeit verrichteten. Hausarbeit spielt eine wichtige soziale Rolle für das Leben im Alter, oder wie Studienautor Dr. Tilman Brand vom Leibniz-Institut für Präventionsforschungund Epidemiologie im Gespräch mit MDR Wissen auf einen Teufelskreislauf im Alter hinweist. Bei vereinsamten Senioren stoße man auf

deutlich weniger saubere Haushalte, das deutet auf wenig Teilnahme an sozialen Leben. Bin ich dagegen sozial eingebunden, empfange Besuch, lebe in einer intakten Beziehung, achte ich auch mehr auf meine Wohnung. Soziales Bewegen hat auch seinen Niederschlag im Haushalt.

Dr. Tilman Brand

Viel Arbeit, wenig Schlaf - schlecht fürs Gemüt

Die Daten zeigten auch, dass sich Frauen weniger gesund fühlten, je mehr Zeit sie dem Haushalt widmeten und zu viel oder zu wenig schliefen. Die optimale Schlafdauer, bei der sich Senioren, Männer wie Frauen, der Studie zufolge am wohlsten fühlen, liegt bei sieben bis acht Stunden.  

Spannende, ungeklärte Fragen

Nicht ablesen lässt sich aus den Daten, ob Frauen und Männer aus Mehrpersonenhaushalten gleichviel Zeit mit Hausarbeit verbringen, wie wenn sie als Single lebten. Brand zufolge spielt eine wichtige Rolle, dass sich Senioren nicht mehr in einem strikten Zeitkorsett bewegten, wie jemand der im Beruf steht. Das erkläre die vermeintlich hohe Stundenanzahl der täglichen Hausarbeiten: "Ob einkaufen gehen, kochen, Garten und Haushalt in Ordnung halten - das summiert sich. Im Alter hat man weniger Zeitrestriktionen und den ganzen Tag für solche Tätigkeiten."

Aus den Studiendaten lässt sich Brand zufolge nicht ableiten, ob Männer Haushaltsarbeiten schneller "abfrühstücken" als Frauen, zum Beispiel weil sie schneller putzen oder statt zu kochen einfach eine Dosensuppe aufwärmen. Spannend für künftige Studien (und Generationen) ist, ob diese Art der Hausarbeitsverteilung ein Generationen-unabhängiger Effekt ist.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 17:21 Uhr