Umschau Quicktipp Was tun gegen Mundgeruch?

Mundgeruch wird oft auf ein Magen- oder Darmproblem zurückgeführt. Das ist aber falsch. In bis zu 90 Prozent der Fälle entsteht Mundgeruch tatsächlich im Mund. Er ist nur beim Ausatmen und Sprechen zu riechen. Neben Alkohol, Zigaretten und Knoblauch sind vor allem Bakterien in der Mundhöhle für den schlechten Atem verantwortlich, die meisten davon im Zungenbelag. Auch Zahnfleischtaschen und kaputte Zähne können Herde sein. Die Bakterien leben von Essensresten, abgestorbenen Zellen und Blut. Ihre Abfallprodukte sind schwefelhaltig, und eben dieser Schwefel ist für den fauligen Geruch verantwortlich. Aber auch Medikamente, Entzündungen, Pilze und Erkältungen können für Mundgeruch sorgen. Maximal 15 Prozent der Mundgeruchsfälle lassen sich auf eine ernsthafte Erkrankung des Magen-Darmtraktes, ein Krebsleiden oder eine Stoffwechselstörung zurückführen. Hierbei kommt der Geruch übrigens auch aus der Nase, ist also auch bei geschlossenem Mund zu riechen.

Selbstversuch und Notfall

Ob man selbst Mundgeruch hat, lässt sich ganz leicht herausfinden: Dafür leckt man mit der Zunge ein paar Mal am Handgelenk und wartet, bis der Speichel getrocknet ist. Wenn es dann an der Stelle unangenehm riecht, hat man Mundgeruch und sollte ihn behandeln. Wichtig: Sollte Mundgeruch plötzlich und ganz untypisch auftreten, kann dahinter einen ernsthafte Krankheit, wie etwa Nierenversagen oder auch eine Vergiftung stecken. Ein Arztbesuch ist dann unumgänglich, wenn sich schlechter Atem nicht durch gründliche Mundhygiene bekämpfen lässt.

Das hilft kurzfristig

Kaugummi
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  • Geruch übertünchen: Pfefferminz-Bonbons, Ingwer oder Petersilie lutschen bzw. kauen, helfen ebenso kurzfristig wie Atemsprays und Mundduschen. Aber: Der muffige Geruch wird  nur überdeckt. Die Ursache für den schlechten Atem ist damit nicht behoben.
  • Viel trinken: Wasser spült einen Teil der übel riechenden Schwefelverbindungen weg.
  • Kaugummis ohne Zucker: Sie entfernen einen Teil des weichen Zahnbelags und regen den Speichelfluss an. Die Spucke desinfiziert und hält die Bakterien im Zaum.

Das hilft länger anhaltend

Zahnbelag lässt sich nur durch regelmäßiges Zähneputzen entfernen. Das verhindert, dass sich Bakterien im Mund einnisten, die für den unangenehmen Geruch verantwortlich sind. Am besten zweimal täglich putzen und die Mindestdauer von zwei Minuten einhalten.  

Die Zahnzwischenräume sollten wenigstens zweimal pro Woche gründlich gereinigt werden, denn mit einer normalen Zahnbürste erreicht man nicht den ganzen Zahn. Die Zahnzwischenräume sind daher eine Brutstätte für schlechten Atem. Interdentalbürsten und Zahnseide eignen sich dafür am besten. Für empfindliches Zahnfleisch empfehlen Experten die Verwendung von Zahnfloss, einem flauschigen Faden, mit dem das Zahnfleisch meist nicht verletzt wird.

Zahnarztpraxis, junges Mädchen beim Zahnarzt, Arzt erklärt den richtigen Gebrauch der Zahnbürste,
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Eine professionelle Zahnreinigung kann die Mundhygiene unterstützen. Mit speziellen Geräten werden die Zähne nicht nur gereinigt, auch Verfärbungen wie durch Kaffee oder Nikotin werden entfernt. Weil die Zahnoberflächen bei der Reinigung beim Zahnarzt auch geglättet werden, können sich Bakterien nicht festsetzen. Die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung variieren stark und werden nicht von jeder Krankenkasse übernommen. 

Die Zunge sollte am besten täglich mit einer speziellen Bürste oder einem  Schaber gereinigt werden. Die normale Zahnbürste geht auch. So entfernt man unangenehmen Zungenbelag, der die Hauptursache für Mundgeruch ist.

Mundspüllösungen können das Bakterienwachstum hemmen, Plaque reduzieren und damit den Mundgeruch beseitigen. Einige Spülungen beseitigen aber Mikro-Organismen, die zu einer normalen Mundflora gehören. Deshalb sollte vor Benutzung mit einem Zahnarzt darüber gesprochen werden.

Wenn die Krone wackelt

Auch schlecht sitzende Implantate, lockere Zahnfüllungen oder Zahnfleischtaschen können Platz für Speisereste bieten. Dort können sich Bakterien vermehren und  für Entzündungen und Geruch sorgen. Das gilt selbstverständlich auch für Zähne, die durch Karies angegriffen wurden. Beim jährlichen Gang zum Zahnarzt kann das kontrolliert werden.

Auch an den Zahnersatz denken

Hier siedeln sich genauso Bakterien an wie an normalen Zähnen auch. Gerade weil Zahnersatz auch mitunter außerhalb des Mundes aufbewahrt wird, sollte hierbei besonders auf die entsprechende Säuberung und Hygiene geachtet werden.

Wenn man allein nicht weiterkommt

Parodontose oder kaputte Zähne können mit keinem Hausmittel behandelt werden. Dann ist es wichtig, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen. Liegt der Grund für den Mundgeruch im Magen, der Nasennebenhöhle oder Ähnlichem, bleibt nur der Gang zum Facharzt.

Fazit

Gegen Mundgeruch hilft meist schon eine gründliche Reinigung der Zähne und Zahnzwischenräume. Kurzfristig helfen auch immer Pastillen. Liegt die Ursache nicht im Mundbereich, sondern zum Beispiel im Magen oder den Nasennebenhöhlen, kann nur ein Facharzt helfen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 12. Dezember 2019 | 10:45 Uhr