Eine Frau grübelt
Nicht "Ich muss das ändern", sondern "Maja muss das endlich mal hinkriegen". Bildrechte: colourbox.com

Regeln für Selbstgespräche Sprechen Sie mit sich in der dritten Person

Führen Sie Selbstgespräche? Das ist gut so, denn Selbstgespräche helfen Probleme zu lösen, sagen Psychologen. Allerdings sollten Sie dabei folgendes beachten. Sprechen Sie immer mit sich in der 3. Person.

von Annegret Faber

Eine Frau grübelt
Nicht "Ich muss das ändern", sondern "Maja muss das endlich mal hinkriegen". Bildrechte: colourbox.com

Selbstgespräche machen Sinn. Niemand redet dazwischen und das Ziel ist klar: Eine Lösung für ein Problem muss her. “Die allermeisten Menschen machen solche Selbstgespräche, oder Selbstinstruktionen, ja automatisch“, sagt der Psychologe Prof. Andreas Beelmann von Friedrich-Schiller-Universität in  Jena.

Denken sie nur daran, wenn sie vor einem neuen Problem stehen. Sie müssen etwas zusammen bauen, was sie gekauft haben. Dann fangen sie auch an, jedenfalls die meisten Menschen, ohne darüber nachzudenken, sich selbst Instruktionen zu geben... jetzt musst du das machen, jetzt musst du jenes machen.

Prof. Andreas Beelmann, FSU Jena
EEG Tests zum Thema Selbstgespräche an der Michigan State University
US-Forscher schauten ihren Probanden bei den Selbstgesprächen ins Gehirn - hier mit Elektroenzephalografen - EEG. Bildrechte: MSU/G.L. Kohuth

Selbstkontrolle, nennt der Psychologe das. Sich selbst darüber klar werden, was man tun muss. Und von Natur aus würden die meisten derlei Selbstgespräche in der dritten Person führen, sagt Beelmann. "Das sind alles Kompetenzen, die ein gesunder Mensch im Laufe seiner Entwicklung sowieso lernt und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit damit zu tun, dass wir uns in solchen Selbstgesprächen ein Stück weit distanzieren und damit Probleme besser lösen und bewältigen können."

Dass Selbstgespräche in der dritten Person wirkungsvoller sind, haben jetzt Forscher der Michigan State University und der University of Michigan in den USA mit Hilfe von EEG und MRT bestätigt. Nicht Fragen der Forscher und Antworten der Probanden bestimmten die Ergebnisse, sondern der direkte Blick ins Gehirn, während Menschen Selbstgespräche führen.

An diesen Ergebnissen relativ neu ist, dass wir in so genannten Bildgebenden Verfahren zeigen können, dass in der Tat die neurologische Aktivität im zentralen Nervensystem, also im Gehirn, eine andere ist, wenn wir das in der dritten Person machen. Und insbesondere zeigt die Studie, dass es einen geringeren, kognitiven Aufwand bedeutet, das heißt, es ist nicht so anstrengend, um mit negativen Emotionen umzugehen, wie etwa Angst oder auch Aggressionen.

Prof. Andreas Beelmann

Selbstgespräche in der dritten Person sind nun also nachweislich wirkungsvoller und kosten weniger Energie. Vor allem Menschen, die wirklich Probleme haben, soll diese Erkenntnis weiter helfen. Jene, die unter Angst, Aggressionen oder Zwängen leiden und dieselben Denkmuster im Kopf kreisen lassen.

Und Sie können sich ja vorstellen, wenn man Angst vor etwas hat, das ständig da ist und das man nicht regulieren kann, dann führt das zu erheblichen Einschränkungen in meinem Leben insgesamt und das ist natürlich kognitiv sehr anstrengend und kostet Energie.

Prof. Andreas Beelmann

Statt sich selbst in Gedanken immer und immer wieder mit denselben Vorwürfen oder Gedankenmustern zu malträtieren, raten die Forscher einen Schritt nach außen zu tun. Sich selbst als eine andere Person zu sehen und vor allem anzusprechen. 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 03.08.2017 | 17:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 16:20 Uhr