Leben retten Register für Überlebende von Herz-Kreislauf-Stillstand

Jedes Jahr erleiden 50.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand, nur zehn Prozent von ihnen überleben. Von ihnen wollen Mediziner lernen, wie sie allen Betroffenen besser helfen können.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand hört das Blut plötzlich auf im Körper zu zirkulieren, das Herz hört auf zu schlagen und die Atmung setzt aus. Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Mit einer Herzdruckmassage können Betroffene wiederbelebt - also reanimiert - werden. In Heidelberg werden die Daten solcher Patienten jetzt gesammelt.

Verschiedene Arten von Herz-Kreislauf-Stillstand müssen verschieden behandelt werden

Wer einen Herz-Kreislauf-Stillstand in der Versorgung durch den Rettungsdienst überlebt hat, wird im Reanimationsregister erfasst, erklärt Michael Preusch, Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg. "Wir erfassen die Basisdaten: Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen, Medikamente, die der Patient einnimmt, dann Daten zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Das heißt, wie lange lag der Patient, bevor Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen worden sind? Welche Wiederbelebungsmaßnahmen wurden ergriffen? Dann zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus: Wie sind die ersten Laborwerte?"

Denn es gibt verschiedene Formen des Herz-Kreislauf-Stillstandes, erläutert Preusch. Die müssen im Krankenhaus alle unterschiedlich behandelt werden. Doch dafür müsse man schnell die genaue Ursache herausfinden. Denn die bedinge immer die richtige Behandlung, erläutert der Mediziner. Das Reanimationsregister soll dabei helfen, die Ursache für den Herz-Kreislauf-Stillstand schneller zu finden.

Zum einen, um die Akutversorgung beim Herz-Kreislauf-Stillstand zu verbessern, aber auch um später zu klären: Was können wir in der Klinik verbessern? Was sind die Parameter, an denen wir arbeiten können, um das Überleben und vor allem auch die neurologische Funktion des Patienten nach Wiederbelebung weiter zu verbessern?

Michael Preusch, Uniklinik Heidelberg

Welche Ursache hatte der Herzstillstand?

Insgesamt sind bisher die Daten von 500 Menschen anonymisiert in dem Register eingetragen. Die Daten werden auch an das Deutsche Reanimationsregister gegeben, sagt Preusch. Doch die Heidelberger Datenbank sei noch etwas umfangreicher. Denn die Daten sollen den Forschenden verschiedene Fragen beantworten.

Kann ich anhand bestimmter Werte und Parameter früh erkennen, was ist die Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstandes, um früh entscheiden zu können: Welche Klinik mit welcher Versorgung ist für den Patienten die geeignete? Diese Datenbank soll uns ermöglichen, was wir im Rahmen der Herz-Lungen-Wiederbelebung in der Behandlung verbessern können. Schlussendlich soll uns die Datenbank helfen, möglichst früh eine Aussage zu treffen zu können, wie die neurologische oder die Gesamt-Prognose des Patienten ist.

Michael Preusch, Uniklinik Heidelberg

Bei der Herzdruckmassage kann man nichts falsch machen

Den ersten solcher Prognose-Parameter sind die Forschenden schon auf der Spur, ergänzt Preusch. Doch das Wichtigste, damit Betroffene überhaupt überleben und behandelt werden können, sei, dass so früh wie möglich reagiert werde: Wir alle müssten im Fall der Fälle sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, appelliert der Mediziner.

Angst davor, dabei Schaden anzurichten, müsse niemand haben. "Diese Sorge ist unbegründet: Je effektiver Sie drücken, desto besser ist das Überleben und die neurologische Prognose des Patienten", sagt er. Man könne bei einer Herz-Lungen-Massage gar nichts falsch machen, so Preusch. Dennoch empfiehlt er, in regelmäßigen Abständen kleine Kurse zu besuchen, um die Erste-Hilfe-Kenntnisse zu festigen.

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