Rosenwurz (Rhodiola rosea)
Die positive Wirkung von Rosenwurz auf das Gedächtnis ist schon lange bekannt. Nun wurde auch der konkrete Wirkstoff nachgewiesen. Bildrechte: imago/imagebroker

Medizinische Studie Rhodiola-Wirkstoff verbessert Gedächtnis im Alter

Forschern in Magdeburg und Halle ist es erstmals gelungen, den Wirkstoff der Rosenwurzelpflanze zu identifizieren und dessen gedächtnisförderne Wirkung nachzuweisen. Auch in der Demenz-Forschung soll der Rhodiola-Ester eingesetzt werden.

Rosenwurz (Rhodiola rosea)
Die positive Wirkung von Rosenwurz auf das Gedächtnis ist schon lange bekannt. Nun wurde auch der konkrete Wirkstoff nachgewiesen. Bildrechte: imago/imagebroker

Altersbedingte Gedächtnisstörungen werden in einer älter werdenden Gesellschaft für immer mehr Menschen zum Problem. Neben viel Bewegung kennt die traditionelle Medizin eine Reihe von Pflanzen-Präparaten, die dem Gedächtnisverlust im Alter vorbeugen sollen. Die Wirkstoffe oder deren Konzentrationen sind allerdings nicht immer genau geklärt, was durchaus problematisch sein kann.

Rosenwurzelpflanze lange bekannt

Eine dieser Pflanzen, deren förderliche Wirkung auf die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen schon länger bekannt ist, ist die Rosenwurzelpflanze - Rhodiola rosea. Allerdings scheiterte die Nutzung der Rhodiola zur medizinischen Behandlung von Gedächtnisstörungen oder Demenzerkrankungen bisher daran, dass ihr Wirkstoff noch nicht identifiziert war. Eine gezielte Pflanzenzucht, Qualitätskontrolle, Dosierung und Medikamenten-Entwicklung waren somit nicht möglich.

Erstmals Rhodiola-Wirkstoff identifiziert

Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie IPB in Halle
Biochemiker des IPB Halle konnten den Pflanzen-Ester FAE-20 isolieren. Bildrechte: imago/Felix Abraham

In einer Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern der Leibniz-Institute für Neurobiologie (LIN) in Magdeburg und für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle gelang es nun erstmals, den konkreten natürlichen Wirkstoff der Rhodiola rosea zu identifizieren und dessen gedächtnisfördernde Wirkung in Tierexperimenten nachzuweisen. Der Stoff, den dabei zunächst die Biochemiker des IPB Halle in einem langwierigen Verfahren aus dem Pflanzenextrakt isolierten, heißt Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20).

Positive Wirkung bei Fruchtfliegen

Essigfliege mit Safttropfen auf einer Pflaume.
Fruchtfliegen-Senioren, die FAE-20 schluckten, verbesserten ihre Gedächtnisleistung gegenüber unbehandelten Artgenossen um ein Drittel. Bildrechte: imago/blickwinkel

Nachdem der pflanzliche Wirkstoff FAE-20 bekannt war, ging es darum, dessen Wirkung auf die Gedächtnisleistung älterer Tiere nachzuweisen. Die Neurobiologen des LIN in Magdeburg gaben dabei den pflanzlichen Ester dem Futter von Fluchtfliegen bei. Und siehe da: Die Gedächtnisleistung der mit FAE-20 behandelten Fluchtfliegen-Senioren war um ein Drittel besser als die ihrer nicht behandelten Artgenossen. Dabei konnten die Wissenschaftler auch nachweisen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert.

Auch bei Mäusen schlägt FAE-20 an

Wissenschaftler der Leibniz-Institute für Neurobiologie LIN Magdeburg und für Pflanzenbiochemie IPB Halle
Das erfolgreiche Forscherteam der Leibniz-Institute in Magdeburg und Halle. Bildrechte: Leibniz-Institut für Neurobiologie

Da man als Fruchtfliege jedoch schon mit 14 Tagen zum alten Eisen gehört, war es nach Angaben von Prof. Dr. Bertram Gerber vom LIN Magdeburg wichtig, auch die positive Wirkung des Rhodiola-Wirkstoffes FAE-20 auf andere Lebewesen nachzuweisen. Das konnte laut Gerber in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg bei zwei Jahre alten Mäusen auch tatsächlich bestätigt werden.

Hoffnung für Demenz-Forschung

Die Leibniz-Wissenschaftler aus Halle und Magdeburg hoffen nun, ihre Erkenntnisse über den Rhodiola-Wirkstoff auch für die medizinische Demenz-Forschung nutzbar zu machen. Da die Pflanze aber bereits mit Erfolg von Menschen angewandt wird, ist das Forscherteam diesbezüglich recht zuversichtlich: "Von unseren Ergebnissen mit FAE-20 bei Tieren ist die Übertragbarkeit zurück auf den Menschen daher wahrscheinlich." Eine Patentanmeldung zur Anwendung von FAE-20 liege bereits vor.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Brisant | 21. September 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 16:54 Uhr

Gedächtnis, Demenz, Alzheimer