Tierforschung mit Barack Obama und Emma Watson Schafe können sich Gesichter merken

Was haben Schafe mit Ex-US-Präsident Barack Obama oder Schauspielerin Emma Watson zu tun? Alle drei sind Teil der Forschung an der britischen Cambridge Universität. Die Wissenschaftler dort wollten herausfinden, ob Schafe sich menschliche Gesichter merken können. Und die Antwort lautet: Ja, mit ziemlich guter Trefferquote.

Schafe und Promis
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Wie schlau sind Schafe? Fragen Sie einen Schäfer und er wir es ihnen erklären. Selbst den Weg von Neudorf nach Oberwiesental mitten im Erzgebirge finden sie alleine, sagt Schäfer Uwe Silze.

Mir ist mal die Herde durchgegangen, weil der Hund nicht richtig agierte. Und sie sind die ganzen zehn Kilometer in die Waldschneisen richtig abgebogen und standen am Ende in Oberwiesental auf der Weide - nur der Schäfer fehlte.

Uwe Silze, Schäfer in Sachsen
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Wege können sich die Tiere also merken. Und was ist mit Gesichtern? Wissenschaftler der Universität Cambridge haben die Gedächtnisleistung der Tiere jetzt wissenschaftlich untersucht und fanden heraus: Schafe erkennen Gesichter auf Fotos mit hoher Trefferquote wieder. Sogar, wenn die Bilder aus ungewohnten Blickwinkeln aufgenommen wurden, lagen die Schafe noch in zwei Dritteln der Fälle richtig. Das berichten die Forscher im "Open Journal“ der Royal Society.

Unsere Studie zeigt, dass Schafe fortgeschrittene Fähigkeiten zur Gesichtserkennung haben, vergleichbar mit denen von Menschen und Affen.

Jennifer Morton, Studienleiterin

Bilderraten im Trainingsstall

Emma Watson
Emma Watson - für die Forschungsschafe in Cambridge jetzt keine Unbekannte mehr. Bildrechte: IMAGO

Zuerst mussten die Forscher den Tieren die Gesichter - darunter Barack Obama und Emma Watson - bekannt machen. Dazu nutzten sie einen Trainingsstall, in dem sie die Tiere einzeln vor ihre Computerbildschirme bringen konnten. Dort mussten diese zwischen zwei Bildern wählen. Beim richtigen mit dem Promi gab es ein Leckerli, beim falschen - schwarzer Bildschirm, Stalllaterne usw. - nichts.

Dann kam der Test: Die Schafe mussten zwischen zwei Gesichtern auswählen. Ergebnis: In acht von zehn Fällen entschieden die Schafe bei der Frontalansicht richtig. In 66 Prozent der Testläufe erkannten sie Emma, Barack und Co. sogar, wenn diese im zuvor unbekannten Halbprofil abgebildet waren. Außerdem wählten die Tiere, unter zwei Alternativen erfolgreich das Foto eines Betreuers aus, den sie zuvor nur live gesehen hatten.

Ernster Hintergrund

Die Forscher hatten für ihre Tests Welsh Mountain Schafe ausgewählt, die normalerweise wenig Kontakt mit Menschen haben und selbständig im Gelände klar kommen. Und sie hatten auf Tests aufgebaut, die bereits 2001 auf die Fähigkeiten der Gesichtserkennung hingewiesen hatten. Jetzt sollen die Forschungen noch erweitert werden. Denn es geht bei den Versuchen mit den Schafen auch um neue Erkenntnisse zur Huntington-Krankheit. Diese neurodegenerative Erkrankung geht bei Menschen unter anderem mit dem Verlust der Fähigkeit einher, Gesichter wiederzuerkennen.

Über dieses Thema berichtete MDR Fernsehen: LexiTV | 19.06.2017 | 15:00 Uhr