Schlafprobleme Hilft Selbstbefriedigung wirklich beim Einschlafen?

Am 21. Juni ist Tag des Schlafes. Dass soll uns daran erinnern, auf einen gesunden zu Schlaf zu achten. Und der beginnt mit dem Einschlafen, bei dem viele schon Probleme haben. Masturbation kann helfen, empfahl eine Krankenkasse 2019? Doch so einfach wie es klingt, ist es nicht, sagen Experten.

Eine Frau schläft im Bett.
Schläft man nach Sex und Selbstbefriedigung wirklich besser ein? Bildrechte: Colourbox.de

Über den Zusammenhang von Sex oder Masturbation und Schlaf wurden in der Wissenschaft schon viele Aussagen getroffen, teils auch widersprüchliche. Einer britischen Studie von 2005 zufolge fühlten sich etwa 80 Prozent der Männer nach einem Orgasmus so entspannt, dass sie sofort einschlafen konnten. Aber nur knapp 50 Prozent aller Frauen ging es ähnlich.

Australische Studie: Auch Frauen schlafen besser

Keine zehn Jahre später behaupteten Wissenschaftler der Central Queensland University herausgefunden zu haben, dass ein Orgasmus auch Frauen beim Einschlafen helfen kann. Dieselbe Universität hat jetzt nochmal genauer nachgefragt. In einer Online-Umfrage wollten Michele Lastella, Jessica Louise Paterson, Cathy O'Mullan und Amy C. Reynolds von Männern und Frauen wissen, welchen Effekt Sex auf den Schlaf hat - und zwar unabhängig ob mit Partner oder allein, und ob mit oder ohne Orgasmus. Das Ergebnis: In allen Fällen machte sich ein positiver Effekt auf den Schlaf bemerkbar. Dieses Ergebnis bringt die Wissenschaftler zu folgender Empfehlung:

Die Förderung einer sicheren sexuellen Aktivität vor dem Schlafengehen bietet möglicherweise eine neuartige Verhaltensstrategie zur Förderung des Schlafs.

Central Queensland University

Nix für Leute mit Schlafproblemen

Diese Idee sei allerdings nicht empfehlenswert für Menschen mit regelmäßigen Schlafproblemen, sagt der Schlafmediziner und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin, Professor Peter Young: "Dadurch würde ein gewisser Druck entstehen, dass eine Form der ritualisierten Handlung durchgeführt wird, um einzuschlafen. Das mögen wir in der Schlafmedizin gar nicht. Weil das eher eine Form der Fokussierung auf das möglicherweise schlechte Einschlafen als solches bringt und damit häufig zu einer Verschlechterung des Einschlafens führt."

 

Umfassender Hormoncocktail

Dass Sex - allein oder zu zweit - einen positiven Effekt auf den Schlaf haben kann, liegt an dem umfassenden Hormoncocktail, der dabei ausgeschüttet wird. Der Abbau von Adrenalin und Noradrenalin und die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin oder auch Oxytocin haben laut Young den entscheidenden Effekt auf unseren Körper: "Wir wissen, dass der Orgasmus mit einer Muskelentspannung einhergeht. Eine Muskelentspannung und auch geistige Entspannung ist ein Zustand, der natürlich schlaffördernd ist."

Allerdings ist das nicht bei allen Menschen so. Bei manchen kann auch ein Anstieg der Stresshormone Adrenalin und Nordadrenalin beobachtet werden. Und das macht dann wach. Den Sex selbst macht es allerdings nicht schlechter. Und so bleibt die wichtigste Motivation für die Selbstbefriedigung in verschiedenen Umfragen die "direkte sexuelle Befriedigung".

Das zeigt auch die Abschlussarbeit einer Absolventin der Hochschule Fresenius. Die nicht-repräsentative Online-Umfrage, die der Arbeit zugrunde liegt, deutet aber an, dass "Entspannungshilfe" schon die zweithäufigste Motivation ist. Wie gut die Selbstliebe dann allerdings in diesen Fällen beim Einschlafen geholfen hat, darüber gibt die Arbeit keine Auskunft.  

Dieses Thema im Programm: Das Erste - Brisant | 26. Juli 2019 | 17:35 Uhr

Mehr zum Thema