Ein Pärchen beim Sex
Wissenschaftlich bewiesen: Körperliche Nähe erhöht das Wohlbefinden. Bildrechte: Colourbox.de

Studie Wie Sex glücklich macht

Sex macht glücklicher und steigert unser Wohlbefinden. Da dürften sich die Wissenschaft und die Alltags-Erfahrung ziemlich einig sein. Schweizer Psychologen der Universitäten Lausanne und Fribourg wollten es aber genau wissen, was eigentlich die Ursache für dieses wohlige Gefühl ist. Das Ergebnis: Es ist nicht nur der Sexualakt an sich, sondern vor allem das "Danach" - also das Kuscheln und die Gespräche, die die Zuneigung von Paaren verstärken.

Ein Pärchen beim Sex
Wissenschaftlich bewiesen: Körperliche Nähe erhöht das Wohlbefinden. Bildrechte: Colourbox.de

Die Schweizer Wissenschaftler wollten es ganz genau wissen: Die Studie "More Than Just Sex" vereint eigentlich vier verschiedene Untersuchungen. Zunächst untersuchten sie mithilfe von Online-Umfragen mit Probanden aus den USA, ob es wirklich einen Zusammenhang zwischen dem individuellen Glücksgefühl und dem Geschlechtsverkehr gibt. Das ist tatsächlich der Fall, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Dieser Effekt sei besonders bei Paaren zu sehen. Die Studienleiterin und klinische Psychologin an der Universität Lausanne, Anik Debrot, sagte dem ORF: "Es geht nicht nur um die sexuelle Leistung oder um eine bestimmte Position. Um sich wohlzufühlen ist der Austausch mit dem Partner zentral."

"Hatten Sie seit gestern Sex?"

Doch was genau sorgt für das Glücksgefühl durch Sex? Diese Frage klärte das Team um Debrot im zweiten Teil ihrer Untersuchung. Dazu statteten die Wissenschaftler 106 Paare mit mindestens einem gemeinsamen Kind in deutschsprachigen Orten rund um Frijbourg im Schweizer Mittelland mit Smartphones aus. Zwischen April 2009 und März 2011 beantworteten die Probanden darauf Fragen: Vier Mal am Tag hieß es "Wie fühlen Sie sich in diesem Moment?" und ein Mal auch "Hatten Sie seit gestern Sex oder erotische Momente mit Ihrem Partner?" Die Paare mussten außerdem ein Tagebuch führen über ihre "erotischen Aktivitäten" - Frau und Mann strikt getrennt, Absprachen waren verboten.

Glückliche haben nicht mehr Sex

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass Menschen sich in den Stunden nachdem sie Sex gehabt haben besonders wohl fühlen, so Studienleiterin Debrot. Die Wissenschaftler hätten eine Wirkungskette nachgewiesen: "Wenn sie innerhalb der letzten 24 Stunden mit ihrem Partner geschlafen haben, sind sie zufriedener und ausgeglichener. Wenn sie sich hingegen bereits glücklich und optimistisch fühlen, erhöht das nicht die Wahrscheinlichkeit von Sex mit ihrem Partner." Demnach haben nicht glückliche Menschen mehr Sex, sondern der Sex macht Menschen glücklicher.

Nach unseren Ergebnissen scheint es so zu sein, dass es der Sex ist, der positive Gefühle fördert, und nicht umgekehrt.

Anik Debrot, Studienleiterin

Dieser Zusammenhang gelte für alle: Für frisch Verliebte wie für Paare, die schon lange zusammen sind - egal ob hetero- oder homosexuell. Auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren in der Untersuchung eher gering. Und schließlich ändern auch das Alter und der soziale Status nichts am Zusammenspiel von Sex und Glück, so die Psychologinnen.

Das "Danach" ist wichtig

Paar im Bett - Kuss
Kuscheln und Reden steigern das Wohlbefinden. Bildrechte: colourbox.com

Doch dieses wohlige Glücksgefühl kommt nicht nur vom Sex allein: Das größte Glücksgefühl beschert uns das "Danach" - also die körperlich-seelische Zuneigung eines Partners. "Unsere insgesamt vier Studien zeigen, dass Sex den Kontakt zum Partner verstärkt. Die Paare verspüren nach dem Geschlechtsverkehr mehr Zuneigung füreinander. Sie tauschen mehr Zärtlichkeiten aus, sie umarmen einander mehr, sie kuscheln und küssen mehr", sagt die Psychologin. Zusätzlich führten viele Paare auch gute, intensive Gespräche nach dem Sex. Es seien also vor allem diese Beziehungsaspekte, die Begleiterscheinungen von Sexualität, die erklärten, warum Sex glücklich mache.

Im Umkehrschluss liefern die Forschungsergebnisse der Schweizer Psychologinnen auch eine Erklärung dafür, warum Sex ohne eine Partnerschaft womöglich nicht wirklich glücklicher macht: Zum einen haben Singles eben seltener Sex und zum anderen bietet auch der beste Sexualakt nicht die erforderliche körperlich-seelische Nähe zum Sexualpartner. Dasselbe gilt für die Masturbation: Sex ohne Partner wirkt sich nicht positiv auf das Glücksempfinden aus.

Glücksgrenze: Einmal pro Woche ist ideal

Wer sein Wohlbefinden mithilfe von Sex steigern will, sollte im Optimalfall einmal pro Woche Geschlechtsverkehr mit dem Partner oder der Partnerin haben. Das hatte eine der Co-Autorinnen der Studie bereits in einer früheren Untersuchungen nachgewiesen. Bis zu dieser Häufigkeit stieg demnach das Wohlbefinden an. Einmal pro Woche ist aber offenbar eine Art "Glücksgrenze": Wer öfter Sex hat, wird nicht glücklicher - unglücklicher macht es allerdings auch nicht.

Über dieses Thema berichtet MDR SPUTNIK im Radio | 03.04.2017 | ab 12:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 15:00 Uhr