Denkste! Warum Sonnencreme besser nicht so heißen sollte

Von wegen, Sonnencreme! Wer meint, dass Sonnencreme zu einer schönen Hautbräune verhilft, ist auf dem Holzweg. Und auch, wer meint, dass ein Klacks auf die Nase und die Ohren als Schutz für den Tag reicht.

Eine junge Frau, cremt einen jungen Mann, das Gesicht ein.
Bildrechte: IMAGO

Wer meint, dass Sonnencreme zu einer schönen Hautbräune verhilft, ist auf einem gefährlichen Holzweg. Wobei die Deutschen übrigens nicht allein dem Begriff der Werbeindustrie aufsitzen - auch in anderen Ländern gibt es das verführerische Bild von der bräunenden Wirkung der "Sonnencreme" - in Spanien zum Beispiel als "crema bronceadora" oder in Frankreich als "crème solaire".

Wie funktioniert "Sonnencreme" theoretisch?

Die Creme soll allerdings die Haut nicht bräunen, sondern vor Schäden durch zu starke UV-Strahlung schützen. Dazu muss die Creme nicht zu knapp und vor allen Dingen gründlich auf die Haut. Wichtig: Die Inhaltsstoffe müssen nicht einmassiert, sondern aufgetragen werden, damit die Creme das tun kann, was sie soll: wie ein Schutzschild die schädlichen Strahlen reflektieren, damit sie nicht in die Haut eindringen und Zellen schädigen können. In England wird daher auch der Name "Sunscreen" genutzt.  

…und praktisch? Klotzen statt Kleckern mit der Creme. Macht bloß keiner.

In der Wissenschaft ist man skeptisch, was die Wirkung von solchen Cremes angeht. Des Pudels Kern liegt in der korrekten Dosierung, wie Dr. Rüdiger Greinert von der Deutschen Krebsgesellschaft erklärt: "Die Leute machen sich einen Klacks Creme auf die Nase, ein Klacks auf die Ohren und denken dann, sie sind geschützt für den ganzen Tag." Damit Sonnencreme schützen kann, müsste sich zum Beispiel ein Mann in Badehose mittags am Strand ungefähr eine Dreiviertelflasche Creme auftragen - "und das macht keiner,“ ist sich Greinert sicher. Effektive Sonnenschutz-Strategien sind dem Dermatologen Greinert zufolge: Mittagssonne meiden, im Haus bleiben; wenn draußen, dann bekleidet, mit Sonnenbrille und Sonnenhut und den Rest des Körpers, der nicht bedeckt werden kann, eincremen.

Wo Creme stört statt schützt

Neben falscher Dosierung spielen weitere Faktoren für die (Un-)Wirksamkeit eine Rolle – jeder Hauttyp reagiert anders auf Sonnenstrahlung, die UV-Intensität, die sich am Tag ändert und je nach Urlaubsort variiert. Überall gleich ist aber das Problem, das der eingecremte Urlauber beim Sprung ins natürliche Gewässer verursacht: Die Wasserverschmutzung, sichtbar als schimmernder, hauchdünner Fettfilm auf der Oberfläche. Die Südseeinsel Hawaii hat kürzlich Sonnencremes mit Oxybenzon und Octinoxat verboten – beide Stoffe schädigen die Korallen und andere Meeresorganismen. In Deutschland gibt es bislang kein flächendeckendes Gewässermonitoring, das das Vorkommen von UV-Filter aus Sonnencremes im Wasser untersucht. Forscher arbeiten aber bereits an Cremes, die den Seen und Meeren nicht mehr schaden sollen.

Eincremen mit Sonnencreme
Wer Sonnencreme nutzt, sollte nicht geizen. Bildrechte: Colourbox.de

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Dieses Thema im Programm: MDR aktull | Radio | 29. April 2018 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 13:47 Uhr