Studie: Sport ist ansteckend Ich kriege dich!

Wissenschaftler haben in einer aufwendigen Studie gezeigt, dass Sport sozial ansteckend ist. Wenig aktive Läufer laufen mehr, wenn sie Kontakt zu aktiveren Läufern haben. Umgekehrt funktioniert das allerdings nicht.

Die Wissenschaftler Sinan Aral und Christos Nicolaides von der MIT Sloan School of Management in Cambridge/Massachusetts haben das Verhalten von über einer Million Läufern untersucht, indem sie die Daten ihrer Fitmess-Tracker fünf Jahre beobachteten. Insgesamt sind die Läufer in dieser Zeit über 350 Millionen Kilometer gelaufen. Über diese Millionen Verbindungen wurde der soziale Einfluss zwischen den Läufern wirksam und messbar.
Lief ein befreundeter Sportler einen Kilometer weiter, absolvierte ein Läufer auch einen Drittelkilometer mehr. Ein höheres Tempo, eine längere Laufdauer und ein höherer Kalorienverbrauch hatten eine vergleichbare Wirkung.

Das Spannende an der Studie ist, dass sie aufzeigt, wie der Einfluß von Freunden und Bekannten das Verhalten von Menschen positiv beeinflusst. Für uns selbst treffen wir tendenziell Entscheidungen, die unter dem Niveau unserer Überzeugungen liegen. Durch vorbildliche soziale Kontakte lassen wir uns jedoch messbar zu einer Verhaltenänderung motivieren.

Männer lassen sich von Frauen beeinflussen - Frauen aber nicht von Männern

Dabei konnten sie auch die Grenzen des sozialen Einflusses auf unser Verhalten aufzeigen. Aktive Läufer beeinflussen allein durch Ihr Verhalten faulere Läufer und bringen sie dazu, längere Strecken und öfter zu laufen. Aber faulere Läufer stecken offenbar keine aktiven Sportler an, sagen die Forscher.
Bemerkenswert ist auch, dass sich Männer in Ihrem Verhalten positiv von Männern aber auch von Frauen anstecken lassen. Frauen werden aber der Studie zur Folge nur von Frauen beeinflusst. Männer sind offenbar kein Maßstab für Frauen.

Ein bisschen besser ist ansteckend - viel besser nicht

Insgesamt zeigt die Studie, dass die Ansteckung effektiver ist, wenn der Freund nur wenig besser ist, seine Leistung also in Reichweite scheint. Wenn Freunde viel besser sind, lässt die Ansteckung merklich nach und ist nur in wenigen Fällen messbar. Dieser Zusammenhang könnte auch erklären, warum Frauen sich weniger an Männern orientieren. Die physischen Vorraussetzung sind zu unterschiedlich.
Die Arbeit der Wissenschaftler zeigt, dass Sport ansteckend sein kann und legt nahe, dass sich dieses Phänomen auf verschiedene Aspekte des Lebens anwenden lässt. Themen wie die Ernährung, die Gesundheit oder auch unser Freizeitverhalten dürften ähnliche Effekte aufweisen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 20.04.2017 | 16:31 Uhr
im Radio | 07.04.2017 | 05:25 Uhr