Studie Riskant oder nützlich: Sport trotz Herzinfarkt?

Sport trotz Herzinfarkt oder doch lieber schonen und ruhig verhalten auf der Couch? Schwedische Forscher haben das Verhalten von mehr als 22.000 Herzinfarktpatienten untersucht und kommen zu einer klaren Forderung.

Nahaufnahme der Sportschuhe einer Joggerin im Wald
Bildrechte: Colourbox.de

Sport trotz Herzinfarkt? Unbedingt!, sagen schwedische Forscher und weisen darauf hin, dass sich das Risiko in den ersten den vier Jahren nach einem Infarkt zu sterben halbiert, wenn man in der Zeit danach Sport treibt.
Forscher hatten dazu das Sportverhalten von Menschen erfasst und verglichen, die zwischen 2005 und 2013 einen Herzinfarkt erlitten hatten. Das Ergebnis verblüfft selbst die Wissenschaftler. Dr. Örjan Ekblom an der Schwedischen Sport- und Gesundheitsakademie Göteborg sagte beim internationalen Kardiologen-Kongress in Ljubljana:

Wir wussten zwar schon lange, dass das Infarktrisiko bei körperlich aktiven Menschen niedriger ist. Wie sich aber Sport nach einem Anfall auswirkt, wussten wir bisher nicht.

Dr. Örjan Ekblom

Für die Studie war die sportliche Aktivität von 22.227 Menschen nach einem Herzinfarkt erfasst worden – einmal im Zeitraum sechs bis zehn Wochen nach einem Infarkt, sowie ein Jahr danach. Der Unterschied zwischen den Antworten in beiden Zeiträumen wurde dabei als Indikator gewertet für ein verändertes sportliches Verhalten im Jahr nach dem Herzinfarkt. In beiden Befragungszeitpunkten wurden die Patienten gefragt, wie oft sie auf sieben Tage gesehen 30 Minuten und länger sportlich aktiv waren. Dabei wurde in vier Kategorien unterschieden - die nicht-sportlich-Aktiven, die mit abgeschwächter Sportaktivität, sowie die mit gesteigerter oder konstanter Sportaktivität. Die Auswertung zeigte, dass sich das Risiko in allen drei Gruppen mit sportlicher Aktivität um 37%, 51%, and 59% minimierte, in den vier Jahren nach dem Infarkt zu sterben, verglichen mit den totalen Sport-Abstinenten.

Sport muss in die Patienten-Empfehlung

Als Reaktion auf die Forschungsergebnissen forderte Ekblom, dass zu den üblichen Empfehlungen für alle Infarktpatienten - Zigarettenkonsum einstellen, Ernährung umstellen und Stress reduzieren – standardmäßig auch Hinweise zu körperlicher Aktivität gehören sollten: zwei oder mehr Sporteinheiten pro Woche. Nicht erfragt und erforscht ist allerdings, welche sportliche Aktivitäten dafür besonders effektiv oder geeignet sind.

Eine Joggerin trinkt während einer Pause Wasser aus einer Flasche.
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 15. März 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2018, 19:00 Uhr