Pilotprojekt liefert wichtige Erkenntnisse

Baden-Württemberg hat die Regeln bereits für ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt gelockert: Hier ist die Erstdiagnose per Telemedizin für Privatpatienten seit Anfang des Jahres möglich; mittlerweile gibt es auch ein Testangebot für gesetzlich Versicherte. Der Zugang ist denkbar einfach: Kassenpatienten rufen bei "docdirect" an, geben ihre Versicherungsdaten an – und dann kann es schon losgehen.

Erstmal nimmt eine Art digitale Sprechstundenhilfe mit medizinischem Training die Anfrage auf und leitet sie an einen geeigneten Arzt oder Ärztin weiter. Er oder sie meldet sich dann möglichst bald in der gewünschten Form beim Patienten. 250 Ärzte aus insgesamt 30 Fachrichtungen arbeitet mittlerweile im Pilotprojekt und auch die Patientenzahlen steigen – mehr als 2000 nutzen das Angebot bereits. Der medizinische Leiter Dr. Reinhard Meier hat also jeden Grund, zufrieden zu sein.

Teleclinic-Gründer: Von links: Dr. Reinhardt Meier,  Katharina Juenger, Patrick Palacin
Teleclinic-Gründer: Von links: Dr. Reinhardt Meier, Katharina Juenger, Patrick Palacin Bildrechte: Teleclinic

Es wird von Patienten wie auch von Ärzten sehr gut angenommen. Die Patienten profitieren da über eine direkte Beratung über Telefon und App und zwar von überall aus, jederzeit und ohne lange Wartezeiten. Und die Ärzte profitieren dadurch, dass sie dem digitalen Bedarf der Patienten entgegen kommen und auch etwas anbieten, was die Patienten sich im digitalen Zeitalter wünschen.

Die häufigsten Fragen kommen vor allem aus dem Bereichen der Allgemeinmedizin, Kindermedizin, aber auch aus der Dermatologie, Orthopädie und Augenheilkunde. 40% der Patienten können abschließend online beraten und auch fernbehandelt werden. Mehr als die Hälfte wird jedoch an einen Arzt vor Ort oder, bei akuten Fällen, in die Notaufnahme weitergeleitet.

Überlaufene Praxen und Notfallaufnahmen in Ballungszentren könnten entlastet werden, auch der drohende Ärztemangel auf dem Land könnte gelindert werden, so dass der Patient die Vorteile einer schnellen Kommunikation ohne Anreise und lange Wartezeiten hätte.

Zudem ist Telemedizin für Dr. Reinhard Meier ein sehr guter Weg, um Einsparungen im Gesundheitsbereich mit effizienteren Modellen und einer besseren Verteilung der ärztlichen Ressourcen entgegen zu treten. Dazu wäre seiner Meinung nach jedoch auch die elektronische Patientenakte nötig, um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und alle Daten jederzeit und überall verfügbar zu haben. Außerdem müssten Videosprechstunden für Ärzte lukrativer werden – für das Pilotprojekt "docdirect" gab es spezielle Absprachen mit den Krankenkassen.