Natur- und Kulturschutz Stapel"WUT" - Die Steintürme auf Teneriffa sollen weg

Etwas Mystisches und Geheimnisvolles! Zeichen einer sagenumwobenen und nebelhaften Vergangenheit. Letzte Zeugen einer längst ausgestorbenen Zivilisation, voller geheimer Botschaften... All das sind die meisten Steintürmchen, die es überall zu bestaunen gibt, wo man schön wandern kann: NICHT.

Steinpyramiden im Fluss.
Steintürme sind mittlerweile ein globales Phänomen. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Denn wer ein solches Werk erblickt – und, wie jede/r Wandersfrau/mann weiß, passiert das oft – kann davon ausgehen, dass es höchstwahrscheinlich erst kürzlich von einem anderen Touristen errichtet wurde.

Auf den Kanarischen Inseln spricht man inzwischen sogar von einer echten Plage. Im Juli trommelte eine Umweltorganisation auf Teneriffa 150 freiwillige Helfer zusammen, um die Steintürmchen an einem Strand abzubauen. Ein Video dieser Aktion zeigt, dass man den Strand vor lauter Steintürmchen nicht mehr erkennen konnte.

Auf dem youtube-Kanal der Kampagne #pasasinhuella, was soviel bedeutet wie: "Hinterlasse keine Spur" zeigen die Umweltschützer, warum es so wichtig sei, die Natur als Wanderfreund möglichst unberührt und unverändert zu hinterlassen.

Denn die emsigen Türmchenbauer nehmen zum Beispiel Tierarten wie Reptilien und Insekten ihre Rückzugsorte. Viele dieser Tiere leben unter Steinen, die von den bauwilligen Touristen weggeschleppt und aufgestapelt werden. Außerdem ein Problem: Durch das exzessive Stapeln werden Pflanzenwurzeln freigelegt. Das macht den Strand auf Dauer anfälliger für Erosion. Die Turmlandschaften, die so an einigen Stränden entstanden sind, haben ein bizarres Ausmaß angenommen, wie Twitter-Nutzer unter dem #pasasinhuella zeigen.

Die großangelegte Aufräum-Aktion hatte allerdings nicht die erwünschte Wirkung, wie einheimische Medien berichteten. Schon kurze Zeit später bauten Touristen die Türmchen wieder auf. Deshalb wird auf den Kanarischen Inseln derzeit über ein gesetzliches Verbot der Steintürme nachgedacht.

Umweltaktivisten wollen bis zur Durchsetzung auf umfassende Information der Touristen setzen. Am Wichtigsten ist ihnen die Botschaft: "Hinterlasse keine Spur".

Plage auf der ganzen Welt

Auch in anderen Regionen der Erde ist das Steinestapeln zur Plage geworden. Norwegische Medien berichten zum Beispiel, dass Touristen Steine von Kulturdenkmälern entwenden und so unter anderem Jahrhunderte alte Mauern von Rentierzüchtern zerstörten. Teilweise hätten die Touristen sogar Kulturdenkmäler auseinandergenommen, bevor diese registriert und erforscht werden konnten.  

Auf Island beklagt man die Stapelwut schon seit Längerem. Im Nationalpark Þingvellir sind die Steinhaufen selbst Kulturdenkmäler. Das Problem hier: Touristen stapeln neue Steine auf alte Haufen und zerstören so die Denkmäler, die ursprünglich als Wegweiser dienten.