05.12.2019 | 14:45 Uhr Studie: Ein Viertel der sächsischen Schüler sind psychisch auffällig

Auslöser für eine Depression können vielfältig sein. Kinder und Jugendliche stehen unter Leistungsdruck und erleben Stress in der Familie, Schule oder anderswo. Die Folgen können schwerwiegend sein.

Schüler kommen zu einem Gymnasium
Bildrechte: dpa

Jeder vierte sächsische Schüler ist laut einer Studie psychisch auffällig. Dominierend sind dabei Sprach- und Sprechstörungen. Verhaltens- und emotionale Störungen sind am zweithäufigsten. "1,6 Prozent aller Jungen und Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren leiden an einer diagnostizierten Depression und 2,2 Prozent unter einer Angststörung. Hochgerechnet sind insgesamt knapp 10.000 Schulkinder in Sachsen betroffen", gab die DAK-Gesundheit am Donnerstag in Dresden bekannt.

Viele Kinder leiden im Stillen

Mädchen seien dreimal so oft von Depressionen und fast doppelt so häufig von Angststörungen betroffen wie Jungen. Mitunter tritt beides parallel auf. Die sächsische DAK-Chefin Christine Enenkel erklärte:

Wir wollen das Tabu brechen, das psychische Erkrankungen noch immer umgibt.

Christine Enenkel DAK Chefin Sachsen

Die betroffenen Kinder würden oft für sich im Stillen leiden, bevor sie sich jemandem anvertrauen und eine passende Diagnose bekommen: "Wir müssen aufmerksamer werden - ob in der Familie, in der Schule oder im Sportverein - und nachhaltig helfen."

Spazierende Jugendliche mit hängendem Kopf
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kinder fallen auch durch Sprach- und Sprechstörungen auf

Die DAK kündigte ein neues Angebot der Versorgung an, bei dem depressive Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 für drei Jahre eine vernetzte ambulante Nachsorge und Versorgung bekommen. Jüngere Schulkinder fielen am häufigsten durch Entwicklungsstörungen auf, zu denen auch Sprach- und Sprechstörungen gehören, hieß es. Auch Verhaltensstörungen wie etwa ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung ) seien weit verbreitet.

Kinder in Städten haben öfters Depressionen

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17, die in Städten leben, haben öfter eine Depression als Gleichaltrige vom Land. "Die Gründe für die beobachteten Zusammenhänge können an den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen liegen. Für Stadtkinder existiert aber auch ein dichteres Angebotsnetz an niedergelassenen Fachärzten", betonte Enenkel. Chronische Krankheiten steigern das Risiko für Depressionen.

Krankheiten der Eltern können Kinder belasten

Betroffene im Jugendalter besitzen den Angaben nach ein bis zu 4,5-fach erhöhtes Risiko für eine Depression. Das familiäre Umfeld könne für die Entwicklung eines Seelenleidens ebenfalls ein Faktor sein, hieß es. "Erkrankungen der Eltern können für Kinder und Jugendliche eine große seelische Belastung sein", erklärte Veit Roessner, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Dresdner Uniklinikums.

Vier Jugendliche mit Smartphones.
Bildrechte: allOver-MEV

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation sind Depressionen und Angststörungen besonders gravierend.

Depressionen sind gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessenverlust. Bei schweren depressiven Episoden haben die jungen Patienten Schwierigkeiten, ihre alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen. Sie ziehen sich stark zurück, schaffen es kaum noch, in die Schule zu gehen."

DAK-Report

Bei Angststörungen sei der natürliche Angstmechanismus aus den Fugen geraten. Betroffene zeigten Reaktionen, die der jeweiligen Lage nicht angemessen seien und losgelöst von einer realen Gefährdung abliefen.

Service Im Auftrag der DAK-Gesundheit hatte die Universität Bielefeld die Gesundheits- und Versorgungssituation von Jungen und Mädchen in Sachsen untersucht. Die repräsentative Studie mit Abrechnungsdaten aus 2016 und 2017 nahm insbesondere die seelische Gesundheit von Jungen und Mädchen in den Fokus. In den Report gingen anonymisierte Daten von mehr als 20.000 Kindern bis einschließlich 17 Jahren ein.

Hilfe • Info-Telefon Depression: 0800/33 44 533 (werktags je 4 Stunden erreichbar)
rund um die Uhr bei der
• Telefonseelsorge (kostenlos) 0800/ 111 0 111 oder 0800/ 111 0 222
• ein Selbsttest, Wissen und Adressen rund um das Thema Depression auf www.deutsche-depressionshilfe.de
• Sozialpsychiatrische Dienste bei den Gesundheitsämtern
• im akuten Notfall im Krankenhaus vorstellen oder den Notarzt rufen
• Der Verein AGUS unterstützt Angehörige nach Suizid durch Beratung, Betreuung und Vermittlung von Kontakten Betroffener www.agus.de

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.12.2019 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten.

Mehr aus Sachsen

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch. Bildrechte: MDR/Enrico Chodor