Tag der Milch Wie geht es eigentlich den Kühen?

Heute ist der Tag der Milch. Ein sehr wichtiger Tag, denn seit tausenden Jahren trinkt der Mensch Milch. Ein Phänomen. Kein anderes Lebewesen ernährt sich noch im Erwachsenen-Alter von Säuglingsnahrung. Wir müssten demzufolge ein sehr enges Verhältnis zu dem Tier haben. Ist das so? Annegret Faber hat nachgefragt.

Milchkühe im Stall.
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Die Inder haben es kapiert: Sie verehren die Kuh als Mutter des Lebens. Und wahrscheinlich hat sie uns tatsächlich beim Überleben geholfen. Denn was wären wir ohne die Kuh und ohne ihre Milch? "Da kann man nur spekulieren“, so Dr. Cristeta Brause von der Tierschutzorganisation Tasso.

Zweifelsohne ist es so, dass die letzten Jahrtausende die Kühe sehr, sehr intensiv durch die Menschen genutzt wurden auf vielfältige Art und Weise und dass das unser Leben und unsere ganze Menschheitsentwicklung stark beeinflusst hat.

Cristeta Brause, Tasso e.V.

Der Mensch domestizierte den eurasischen Auerochsen vor rund 10.000 Jahren. Experten gehen davon aus, dass der Mensch in diesem Zeitraum auch anfing, die Milch der Kuh zu trinken. Und damit hat er nie aufgehört.

Wir haben uns ans Euter gehangen.

Cristeta Brause
Laktoseintoleranz
Die Ergebnisse der Ernährungsstudie der TK zeigen, dass die Laktoseintoleranz in den vergangegen Jahren zugenommen hat. Gründe sind für die Krankenlkasse v.a. die erhöhte Wahrnehmung des Themas und verbesserte Testmethoden. Bildrechte: Statissta/TK

Somit wurde der Mensch zur einzigen Art, die noch im Erwachsenenalter die Babynahrung eines anderen Lebewesens zu sich nimmt - als Milch, Käse, Quark, Butter. Vor allem Europäer begannen zunehmend auch im Alter Milch verdauen zu können. 85 Prozent der Deutschen haben keine Probleme mit Milch und Milchprodukten. In Afrika und Asien ist das genau umgekehrt. Hier leiden die meisten unter Laktoseintoleranz.

Die Kuh hat den Menschen verändert und die Geschichte der beiden ist nicht mehr voneinander zu trennen. Und der Mensch hat auch die Kuh verändert, so Cristeta Brause. "Also eine Milchkuh liefert ja heute etwa 9.000 Liter im Jahr, wogegen sie in den 1960er-Jahren 2.000 Liter Jahresleistung hatte. Die Kuh wird also sehr intensiv hochgezüchtet, zu einer Turbokuh."

Und dafür zahlt die Kuh mit ihrer Gesundheit. Statt 20 Jahre wird sie nur noch fünf bis sechs Jahre alt. Kraftfutter, Dauerschwangerschaft, Dauerstehen im Stall. Kann es der Kuh da gutgehen? Ja, sagt Tobias Kockert, Vizepräsident vom Sächsischen Bauernverband. Er hat selbst drei Kuhställe mit insgesamt 800 Tieren. Und die leben artgerecht. Massentierhaltung? Was ist ein Kuhstall gegen eine Großstadt?

Das Pendant zu Massentierhaltung ist Massenmenschenhaltung.

Tobias Kockert, Sächsischer Bauernverband

Was Kockert damit meint? Ganz klar, die Millionenstädte. "Da wohnen so viele Leute und die suchen sich das auch freiwillig aus und da kommt niemand auf die Idee zu sagen, das wäre Massenmenschenhaltung.“

Das Verhältnis des Menschen zur Kuh sei sehr gut. Auch wenn es da vor allem um eines gehe, die Produktion. Und dabei steht das Menschenwohl über dem Tierwohl, so Kockert. "Das heißt, wir sollten erstmal gucken, wie sind die Arbeitsbedingungen, die wir unseren Landwirten oktroyieren und  wo wir sagen: Was können wir überhaupt leisten?“

Die Kuh werde nicht als Lebewesen wahrgenommen, sondern als Produktionsmittel, beklagt dagegen Tierschützerin Cristeta Brause.

Die Gesellschaft hat ein sehr entfremdetes Verhältnis zur Kuh. Viele Menschen machen sich keine Gedanken darüber, wo Milch und Milchprodukte herkommen.

Cristeta Brause

Und wenn man sich ansehe, was wir aus der Kuh gemacht haben, so Brause, dann ist es ein sehr schlechtes Verhältnis zum Nachteil der Kuh und das Ganze sei so nicht mehr tragbar.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN Das radio | 01. Juni 2018 | 12:17 Uhr