Spinnen-Konfrontationstherapie an der TU Dresden Spinnen-Konfrontationstherapie an der TU Dresden

Angst vor Spinnen ist eine der menschlichen Urängste. Bei manchen wird sie sogar zur krankhaften Phobie. Dagegen möchten Dresdner Forscher etwas unternehmen - mit Konfrontationstherapie.

Lustige Spielzeugspinnen aus Pfeifenreinigern.
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Schon Babys haben Angst vor Spinnen. Offenbar ist das in den Millionen Jahren der Menschwerdung in unseren Genen abgespeichert worden – wie Neurologen aus Leipzig erst vor kurzem herausfanden. Bei manchen aber ist Angst vor Spinnen eine echte Krankheit. Arachnophobie, so der lateinische Name. Kann man diese Krankheit heilen? Wissenschaftler der TU Dresden wollen das für eine Studie untersuchen.

Woher kommt die Angst vor Spinnen?

Warum haben wir Angst vor Spinnen? Auf diese Frage hat die Wissenschaft noch keine Antwort. Weil es in unserer Evolutionsgeschichte viele gefährliche Spinnen gab? Oder ist es ihre lautlose Fortbewegung, die Art, wie sie krabbeln und klettern? Vielleicht ein Mix daraus. Bei einigen Menschen wächst sich das zu einer echten Krankheit aus, die ihren Alltag einschränkt. Die Spinne unter dem Schreibtisch führt zu einer Panikattacke, der Gang in den Keller wird zur Bewährungsprobe, die manche nicht mehr meistern. Psychologen und Computerexperten der TU Dresden suchen genau solche Menschen. Im Rahmen einer Studie wollen sie den Betroffenen helfen, ihre Ängste zu überwinden.

Was machen die Wissenschaftler mit den Spinnenangst-Menschen?

In einem klinischen Interview bestimmen die Wissenschaftler den Grad der Spinnenangst, so Esther Seidl von der TU Dresden. Danach folgen Computerexperimente mit Fragebögen und anschließend MRT-Messungen. Wer an Spinnenangst leidet, dem bieten die Wissenschaftler eine dreistündige kostenlose Therapiesitzung. "Die Teilnehmer werden mit einem Smartphone ausgestattet, damit sie ihren Alltag dokumentieren können", so Psychologin Esther Seidl. Danach folgt eine weitere Runde mit Befragung und MRT-Messung.

Die Therapie basiert auf der Idee der Konfrontation. Dabei, so die Forscher, bestimmen die Probanden das Tempo und die Schritte. Das Prinzip der Therapie besteht darin, die PatientInnen mit dem auslösenden Reiz zu konfrontieren. Das bedeutet im Fall der Spinnenangst, dass mit lebenden Spinnen gearbeitet wird. Nur in ganz extremen Fällen der Phobie würden vorher nur Bilder eingesetzt, so Seidl.

Da die Forscher wissen, dass diese Entscheidung manchen vielleicht nicht ganz leicht fällt, bieten sie neben der Therapiesitzung sogar noch eine Aufwandsentschädigung und jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin bekommt ein MRT-Bild des Gehirns. Hier können Sie sich bewerben. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2019 vorliegen. Die Wissenschaftler hoffen, dann mehr über die Ursachen und mögliche Therapien der Angst sagen zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN Radio | 28. Februar 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2018, 11:16 Uhr