Eine Katze
Katzen und ihr Kot sind die häufigsten Überträger für Toxoplasmose. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Forschung Toxoplasmose verändert Nervenzellen im Gehirn

Toxoplasmose zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die Erreger lauern in Katzen-Kot, können sich aber auch auf ungewaschenem Obst und Gemüse tummeln. Magdeburger Forscher haben ihre Wirkung entschlüsselt.

Eine Katze
Katzen und ihr Kot sind die häufigsten Überträger für Toxoplasmose. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Toxoplasma gondii, ein einzelliger Parasit, löst eine der häufigsten Infektionskrankheiten aus: die Toxoplasmose. Sie befällt Vögel und Säugetiere – und damit auch den Menschen. Lange Zeit galt die erstmalige Infektion vor allem für schwangere Frauen als besonders gefährlich, da die Erreger auf den Fötus übergehen und zu Schädigungen bis hin zur Fehlgeburt führen können. Forscher konnten jetzt nachweisen, dass sich der Parasit auch auf die Signalverarbeitung im Gehirn negativ auswirken kann.

Risiko nicht nur für Schwangere

Wissenschaftler vom Institut für Inflammation und Neurodegeneration der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) Magdeburg und vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) – ebenfalls in Magdeburg - konnten in einer Studie nachweisen, dass der einzellige Parasit die molekulare Zusammensetzung von Synapsen im Gehirn verändert.

Toxoplasma gondii wird vom Menschen über die Verdauung aufgenommen, gelangt in den Blutkreislauf und wandert auch ins Gehirn, um sich dort lebenslang in Nervenzellen einzunisten.

Dr. Karl-Heinz Smalla, LIN

In früheren Tierversuchen konnten die Magdeburger Forscher nachweisen, dass es bei infizierten Mäusen zu starken Verhaltensänderungen kam. So zeigten Mäuse nach einer Toxoplasmose deutlich weniger Angst –zum Beispiel vor Katzen. Um dafür eine Erklärung zu finden, wurden Synapsen in Mäusegehirnen näher untersucht. Sie sind verantwortlich für die Signalübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle.

Drei Toxoplasmose-Forscher im Labor.
Von links: Prof. Dr. Ildiko Rita Dunay, Dr. Karl-Heinz Smalla und Daniel Lang (vorn). Bildrechte: Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg

Häufiger als gedacht

Schätzungen zufolge kommen 30 bis 50 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens mit Toxoplasmen in Berührung. Oft merken die Betroffenen nichts davon, denn die Infektion verläuft meistens eher unauffällig. Kurzzeitige Erkältungssymptome wie Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen können die Folge sein, so Ildiko Rita Dunay, die das  Institut für Inflammation und Neurodegeneration an de OvGU leitet. Für Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem dagegen kann eine solche Infektion gefährlich werden.

Es gibt noch keine Therapie, um den Parasiten wieder loszuwerden, wenn sie das Gehirn befallen. Wer also einmal infiziert ist, bleibt das ein Leben lang.

Prof. Dr. Ildiko Rita Dunay, OvGU

Vermutungen legen jetzt nahe, dass eine Toxoplasmose-Infektion im Gehirn sogar ein Risikofaktor für neuropsychische Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie oder Autismus sein könnte. 

Schutz vor Infektion

Die häufigste Quelle für eine Übertragung ist Katzen-Kot, denn Katzen sind besonders häufig mit Toxoplasmen infiziert. Schon das Reinigen des Katzen-Klos kann ausreichen.

Auch über Fleisch, das nicht ausreichend erhitzt wurde, können die Parasiten in den Körper gelangen, deshalb sollte es immer gut gegart werden. Rohes Obst oder Gemüse sollte immer gründlich gewaschen werden. In feuchter Erde überleben Toxoplasmen über mehrere Monate. Deshalb kann man sich auch bei der Gartenarbeit mit dem Erreger infizieren.

Hier finden sie die Studie in der National Library of Medizine.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01. Oktober 2018 | 10:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 15:22 Uhr