Eine rote Ampel
Egal ob kurze oder lange Strecke: Laut IAB pendeln die meisten Deutschen mit dem Auto. Bildrechte: imago/Future Image

Trend zur längeren Pendeldistanz Pendler fahren immer häufiger längere Strecken

Morgens einfach mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit? Für viele Deutsche ist das immer seltener möglich. Denn sie müssen über so weite Strecken pendeln, dass sie zwingend auf das Auto oder die Bahn angewiesen sind. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) zeigt jetzt, dass der Trend in den vergangenen Jahren zur längeren Pendelstrecke geht. Arbeitnehmer mit hohem Bildungsabschluss und komplexen Tätigkeiten pendeln demnach am weitesten.

Eine rote Ampel
Egal ob kurze oder lange Strecke: Laut IAB pendeln die meisten Deutschen mit dem Auto. Bildrechte: imago/Future Image

Die Arbeitswelt in Deuschland ist im Wandel. Das spiegeln auch die Ergebnisse der Berufspendler-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) wieder. Demnach ist der Anteil von Pendlern, die zu ihrem Arbeitsplatz weniger als zehn Kilometer zurücklegen, rückläufig. Immer mehr Arbeitnehmer fahren hingegen Strecken zwischen 10 und 50 Kilometer, schreiben die IAB-Forscher Wolfgang Dauth und Peter Haller.

Ein Grund hierfür ist, dass vermehrt nicht nur vom Land in die Stadt, sondern auch zwischen städtischen Regionen gependelt wird.

Dementsprechend hat sich auch die mittlere Pendeldistanz - also der Durchschnitt aller Pendler zusammengenommen - von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach oben verschoben: Im Zeitraum von 2000 bis 2014 ist sie dem IAB zufolge von 8,7 auf 10,5 Kilometer gestiegen. Das entspreche immerhin einer Steigerung um 21 Prozent.

Höher Qualifizierte pendeln weiter - Ingenieure am weitesten

Die IAB-Arbeitsmarktforscher stellen in ihrer Untersuchung ebenfalls fest, dass Arbeitnehmer mit einem Hochschulabschluss am weitesten pendeln. Im Mittel legen sie zu ihrem Job 14,5 Kilometer zurück. Bei Beschäftigten mit Berufsabschluss sind es 10,5 Kilometer und bei Personen ohne Berufsabschluss fällt die Strecke mit 8,8 Kilometern noch einmal kürzer aus.

Auf einer Grafik ist visualisiert, dass mehr Pendler im Laufe der Jahre längere Strecken zurückgelegt haben.
Bildrechte: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Allerdings bemerken die Forscher auch bei diesen beiden Gruppen einen deutlichen Wandel: Bei den Pendlern mit Berufsabschluss sind die zurückgelegten Strecken im Untersuchungszeitraum von 2000 bis 2014 um 22 Prozent gestiegen, bei denen ohne Berufsabschluss um 18 Prozent. Bei den Hochqualifizierte dagegen sind die Distanzen nur um sieben Prozent gestiegen, schreiben die Forscher.

Offenbar ist auch für Personen mit niedrigerem formalem Bildungsniveau (mehr und mehr) eine höhere regionale Flexibilität erforderlich. Gerade in Großstädten sind die Mieten sehr stark gestiegen, sodass diese Beschäftigten eher in Vororten wohnen und in das Zentrum fahren müssen.

Das Leben der Langstrecken-Pendler

Schuften in der Fremde. 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Junger Mann am Lenkrad eines Lasters bitte alle Größen. 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese unterschiedlichen Pendelstrecken je nach Bildungsniveau zeigten sich den IAB-Arbeitsmarktforschern auch, als sie die Pendler nach ihren Berufen aufgeschlüsselt haben. Das heißt also, Jobs, für die ein hoher Bildungsabschluss Voraussetzung ist, sind eher mit längeren Pendelstrecken verbunden. Einfachere Berufe erforderten oft kürzere Strecken zur Arbeitsstelle und mit steigendem Anforderungsprofil erhöhe sich die Entfernung zum Arbeitsplatz. Dabei sei die Pendelstrecke von Ingenieurinnen und Ingenieuren am auffälligsten: Sie pendeln durchschnittlich mehr als 18 Kilometer und damit am weitesten.

Auf einer Grafik ist visualisiert, dass mehr Pendler im Laufe der Jahre längere Strecken zurückgelegt haben.
Bildrechte: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Und noch eine weitere Unterscheidung ist den Forschern zufolge signifikant: Männer pendeln längere Strecken als Frauen. Demnach liegt die mittlere Pendelstrecke von Männern bei 12,5 Kilometern, die von Frauen dagegen bei 8,8 Kilometern. Dieser Wert ist in den untersuchten Jahren mit 26 Prozent aber deutlich stärker angestiegen als bei den Männern mit 18 Prozent.

Aber woran liegt es, dass wir immer weiter zur Arbeit pendeln? Auf diese Frage haben die IAB-Forscher zwar keine Antwort, wollen ihr aber auf die Spur kommen. Dazu haben sie die Pendelverflechtungen von Metropolen und ihrem Umland an drei Beispielen veranschaulicht: Berlin, München und die Rhein-Ruhr-Region um Düsseldorf, Essen und Dortmund. Das Ergebnis: Während im Umland von Großstädten wie Berlin und München zahlreiche Beschäftigte leben und dadurch einen langen Weg zum Arbeitsplatz haben, sind die Pendelstrecken im dicht besiedelten Ballungsgebiet in der Rhein-Ruhr-Region deutlich kürzer.

Neues Analyseverfahren

Für ihre Studie haben die IAB-Forscher erstmals ein ganz neues Analyseverfahren genutzt, das ihnen viele genauere Aussagen über die Pendlerbewegungen ermöglicht als bisherige Untersuchungen. Denn die Definition, wer statistisch überhaupt als Pendler gezählt wird, schreiben die Forscher, sorgte bisher immer für Verzerrungen.

Passagiere auf einem Bahnsteig
Pendeln mit dem Fernzug: Die Deutschen fahren immer weiter zur Arbeit. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Nach dem Verständnis des Bundesamts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist jeder, der regelmäßig zwischen Wohn- und Arbeitsort hin- und herfährt und dabei die Grenze der Gemeinde oder Stadt überschreitet, in der er wohnt, ein Pendler. Doch damit ist noch keine Aussage über tatsächlich zurückgelegte Wegstrecken getroffen, so die Forscher. Ein Beispiel: Wer etwa aus Offenbach am Main in die Frankfurter City pendelt, legt eine kürzere Wegstrecke zurück als ein Arbeitnehmer, der weit im Norden von Frankfurt am Main wohnt. Nach gängiger Definition wird der erste Arbeitnehmer als Pendler gezählt, der zweite aber nicht.

Um solche Verzerrungen zu vermeiden, hat das IAB bei der vorliegenden Studie die genauen Geodaten von Wohn- und Arbeitsort ihrer untersuchten Stichprobe von Arbeitnehmern zugrunde gelegt, um die tatsächlich zurückgelegten Entfernungen zu bestimmen. Das erlaube, Aussagen über Pendelbewegungen innerhalb und zwischen Metropolregionen, Städten und Gemeinden zu treffen, die bisher nicht möglich gewesen seien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. April 2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 15:40 Uhr