Studie: Dicke Väter - dicke Kinder

Eine eindrucksvolle Studie aus Shanghai: Mediziner weisen nach, wie sich die körperliche Verfassung von Vätern bei heranwachsenden Kindern schon im Mutterleib spiegelt. Sie beeinflusst die weitere Entwicklung der Babys.

Schwangere Frau sitzt an einen Baum gelehnt im park und streichelt ihren Bauch.
Wie sich Föten im Mutterleib entwicklen ist kein Schicksal, sondern wird von vielen Faktoren bestimmt. Ein wichtiger Faktor: Der BMI des Vaters. Bildrechte: imago/imagebroker

Neun Monate lang rätseln werdende Eltern darüber, wie der Nachwuchs wohl aussehen wird, hoffen, dass er sich gut entwickelt. Schwierig wird es, wenn die Kinder im Mutterleib prächtiger gedeihen, als es für die Gesundheit von Mutter und Kind gut ist. Medizinisch ist dann von Makrosomie die Rede.

Makrosomie - damit beschreibt die Medizin die übergroße Entwicklung eines Fötus' im Muttterleib, sowohl was die Organe als auch die Körper an sich angeht. Das kann unter anderem zu Problemen bei natürlichen Geburten führen oder einen Kaiserschnitt unausweichlich machen. Nur, wie kommt es dazu, dass der eine Säugling im Mutterleib regelrecht "explodiert", während der andere gemächlich vor sich hin wächst?

Dicke Väter, übergroße Föten

Eine Aktie an jeder dieser Entwicklungsgeschichten hat der Body-Mass-Index des Vaters. Das legt eine Studie aus China nahe, die das Fachmagazin "Fertiliy and Sterility" veröffentlicht hat. Das Forschungsteam an der JiaoTong-Universität in Shanghai aus der Abteilung Reproduktionsmedizin weist anhand der Daten von 7.908 Kindern und ihren Vätern nach, dass 9,5 Prozent der Kinder dicker Väter Anzeichen von Makrosomie im Mutterleib zeigten. Zum Vergleich: Bei Säuglingen, deren Väter kein Übergewicht hatten, zeigten sich keine Anzeichen für Makrosomie.

Die Kinder wurden auf der Grundlage des väterlichen Body-Mass-Indexes in vier Gruppen unterteilt: solche mit väterlichem Unter- oder Normalgewicht, sowie mit väterlichem Übergewicht bzw. Fettleibigkeit. Die Mütter waren Frauen mit normalem BMI.

Gesundheit der Väter beeinflusst Gesundheit der Kinder

Übergewichtiger Vater schiebt einen Babyjogger
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Die Forscher sagen zwar in ihrer Arbeit, dass sich der Bodymass-Index des Vaters nicht 1:1 auf das Geburtsgewicht des Kindes auswirkt. Aber sie sagen auch: Der väterliche BMI hängt offensichtlich zusammen mit dem späteren Body-Mass-Index des Kindes. Bei übergewichtigen und fettleibigen Vätern war der Studie zufolge nicht nur das Säuglings-Geburtsgewicht signifikant höher als bei Vätern mit Normalgewicht. Schon im Mutterleib waren um die zwanzig Prozent der Kinder dicker Männer in den einzelnen Schwangerschaftsetappen schwerer und größer als bei normal- oder untergewichtigen Männern.

Diese Erkenntnisse aus Shanghai bestätigen eine Studie aus England, die ebenfalls wissen wollte, welche Rolle die Gesundheit der Väter für die Gesundheit der Kinder spielt: Sie hatte nachgewiesen, dass bei fettleibigen Männern, die Väter werden wollen, die Spermienqualität sinkt und das Risiko für ihre Kinder, chronische Erkrankungen zu entwickeln, steigt.

Von wegen, "einfach nur ein Wonneproppen"

Wer dennoch denkt, "Ach, so ein Wonneproppen, der Babyspeck wächst sich schon aus", macht es sich zu leicht. Übergroße Proportionen bei Säuglingen bringen das perfekt austarierte Zusammenspiel der Natur aus dem Gleichgewicht. Sie gefährden bei der Geburt Gesundheit von Mutter und Kind, das fängt an bei verlängerter Wehen-Dauer und geht weiter mit Dystokien. Den Begriff kennt man so eher nicht, er beschreibt den Effekt, wenn der Kindskopf aus dem Geburtskanal kommt, die Schulter sich aber verkeilt. Das wiederum kann zum Geburtsstillstand führen und dann zu ungeplanten operativen Eingriffen, oder zu schmerzhaften Rissen im Genitalbereich; ganz abgesehen von möglichen langfristigen körperlichen, sowie seelischen Folgen nach einem Kaiserschnitt.

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