Der Airport Heraklion Kazantzakis International Airport, Innenaufnahme in der antiquierten und lieblos gestalteten Check-In Halle. EIne Familie mit Kindern wartet auf den Koffern sitzend auf ihre Abfertigung.
Bildrechte: imago/MiS

Studie belegt: Fernurlaub ist ein Klimakiller

von Anne Sailer

Der Airport Heraklion Kazantzakis International Airport, Innenaufnahme in der antiquierten und lieblos gestalteten Check-In Halle. EIne Familie mit Kindern wartet auf den Koffern sitzend auf ihre Abfertigung.
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Noch stecken viele sicher in der Urlaubsplanung, buchen Flüge und Hotels, bereiten sich auf längere Reisen vor. Den Rang der Reiseweltmeister haben die Chinesen inzwischen den "Altmeistern" Deutschland und den USA abgelaufen. Die Reiselust hat unabhängig von der Nationalität der Touristen aber eins gemeinsam: Der CO2-Fußabdruck, also die ökologische Bilanz, die ein Urlaub hinterlässt ist, ist in fast jedem Fall verheerend - und viel schlimmer als bisher angenommen.

Einmal Kreuzfahrt = ein Jahr lang Autofahren

Wer ein Kreuzfahrtschiff besteigt und damit eine Woche rumschippert, könnte stattdessen auch ein Jahr lang Auto fahren. Das ist die Pro-Kopf-Ökobilanz dieser schwimmenden Kleinstädte. Ein Trip mit dem Flugzeug nach New York ist sogar vergleichbar mit zwei Jahren Auto fahren. Eine neue australische Studie, die gerade in "Nature" veröffentlicht wurde, bringt diese erschreckenden Zahlen auf den Punkt: Statt mit angenommenen drei Prozent, davon ging eine Studie aus dem Jahr 2010 aus, schlägt die Ökobilanz des weltweiten Tourismus mit acht bis zehn Prozent zu Buche – so groß ist der Aussstoß von Treibhausgasen durch Tourismus. Das haben Wissenschaftler die University of Sydney berechnet. Aber woher kommt dieser enorme Anstieg? Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln erklärt den Ansatz der australischen Wissenschaftler, die erstmals das Thema Ernährung in die Urlaubsbilanz eingerechnet haben. Und die, so Höhne, sei direkt und indirekt für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Nahrungsmittel an sich haben einen sehr hohen CO2-Abdruck. In dieser Studie wurde jetzt die gesamte Nahrungsaufnahme während des Urlaubs mit hinzugerechnet. Da kann man sich drüber streiten, denn zu Hause hätte man ja sicher auch gegessen, insofern ist das eine sehr weite Annahme. Aber das Wichtige aus meiner Sicht ist, dass man darauf aufmerksam  macht, welche Aktivitäten man macht, wie man reist und wie man isst.

Niklas Höhne

Urlaub schmälert nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern schädigt die Umwelt, so die nüchterne Bilanz der Studie. Nun mag nicht jeder auf die Erholung am schattigen Strand oder den Roadtrip verzichten. Aber müssen es denn die Seychellen oder Neuseeland sein? An seiner Ökobilanz als Tourist kann man arbeiten, meint Experte Niklas Höhne. Allerdings kann das auf Kosten des Komforts gehen.

Es gibt Fluggesellschaften, die lassen sehr viel Platz und andere Fluggesellschaften setzen die Passagiere enger. Das bedeutet, dass die Emissionen pro Passagier runtergehen. Es gibt da auch Rankings, im Internet kann man das nachschauen.

Niklas Höhne

Wer nicht verzichten will, kann sich laut Höhne auch "freikaufen", den ökologischen Schaden zumindest kompensieren. Das gehe zum Beispiel, indem man Projekte unterstützt, die zur Reduzierung von Treibhausgasemmissionen führen. Das sei zwar auch nicht ideal, beruhige aber das Urlauberherz. Das sind zum Beispiel Spenden gegen die Abholzung von Wäldern oder in Projekte, die energieeffizientes Bauen von Häusern fördern. Zwei Tonnen CO2 jährlich, so der Weltklimarat, daran gilt es sich zu orientieren, wenn wir die Umwelt nicht weiter nachhaltig schädigen wollen. Derzeit verursacht in Deutschland jeder Mensch jährlich rund neun Tonnen, so die Zahlen der Internationalen Energie Agentur.

Palme am Strand
Teure Umweltvergnügen - Trips an exotische Strände Bildrechte: IMAGO

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 07. Mai 2018 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2018, 17:29 Uhr