Zwei übergewichtige Männer an einem Strand.
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Britische Forschung Übergewicht bei Vätern schadet Kindern

"Du bist, was du isst", sagt der Volksmund. Britische Forscher ergänzen: "Du bist, was Deine Eltern aßen". Wer sich als Mann in Sachen Ernährung und Kindswohl außen vor sah - Jungs, zu früh gefreut.

Zwei übergewichtige Männer an einem Strand.
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Schwanger? Schluss mit Alkohol und Zigaretten, das kennt jede Schwangere oder sollte sie. Gemeinhin gelten Schwangere als allein verantwortlich für die Gesundheit des Nachwuchses; bestenfalls werden noch die angezählt, die in Gegenwart schwangerer Frauen rauchen.

Ein Wissenschaftsteam der Universität London hat jetzt Studien und Untersuchungen in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten aus verschiedenen Staaten daraufhin abgeklopft, welche Rolle die Ernährung von Eltern auf die Schwangerschaft bzw. für die Gesundheit des Nachwuchses spielt und welche Spätwirkungen sie hat.

Die Forscher haben dem Fachjournal "The Lancet" zufolge ihren Blick auf Schwangerschaften neu fokussiert: Demnach beginnt eine optimale Schwangerschaftsvorbereitung lange vor der eigentlichen Befruchtung - bestenfalls sogar schon im Jugendalter, wenn noch keine(r) ans Kinderkriegen denkt.  

Schwangerschaftsvorbereitung in der Jugend

Nach Auswertung verschiedener Studien und Zahlen u.a. aus England, Malawi, China und Australien, fordern die Forscher um Judith Stephenson, Gesundheitsprofessorin am University College London (UCL), ein Umdenken in der Gesellschaft: Bisher gilt als Standard, dass der Lebenswandel der Frauen für Wohl und Wehe des Kindes im Bauch verantwortlich ist und dessen gesundheitliche Entwicklung nach der Geburt. Von jeder Verantwortung ausgenommen waren bisher die Väter.

Ein Mann mit dickem Bauch steht auf einer Waage.
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Die Auswertung der Studien weist aber darauf hin, dass bei fettleibigen Männern, die Väter werden wollen, nicht nur die Spermienqualität sinkt, sondern auch das Risiko für ihre Kinder, chronische Erkrankungen zu entwickeln, steigt. Die Zahl der übergewichtigen Väter hat global gesehen demnach zwischen 1975 und 2014 von 3 Prozent auf 14 Prozent zugenommen. Das gleiche gilt für Frauen. Zwischen 1975 und 2014 ist global gesehen die Zahl der übergewichtigen Schwangeren auf 50 Prozent gestiegen. Allerdings werden andere gesundheitliche Folgen mit dem Übergewicht der Mütter in Verbindung gebracht - Empfängnisunfähigkeit, Schwangerschaftsdiabetes, Geburtsstillstand oder unlösbare Stillprobleme.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Essgewohnheiten

Der Grundstein für die Gesundheit eines Kindes wird nicht erst im Mutterleib gelegt, sondern viel früher: In der Jugend. Zu diesem Schluss kommt das Londoner Wissenschaftsteam und fordert ein gesellschaftliches Umdenken: Ob eine Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, ein Kind ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten entwickelt - dafür legen Männer wie Frauen breits im adoleszenten Alter die Grundsteine, auch wenn sie noch lange nicht ans Kinderkriegen denken. Allein kurzfristige Ernährungsumstellungen mit viel Obst, Gemüsen, Nüssen und Fisch wirken sich nicht langfristig auf die Gesundheit des Kindes aus – lang angewöhnte falsche Ernährungsgewohnheiten adipöser Erwachsener und deren gesundheitliche Probleme werden sonst von Generation zu Generation weitergegeben.

Neben der langfristigen Ernährung spielen allerdings auch Gewohnheiten in der Schwangerschaft eine Rolle für das werdende Kind. Für alle, die sich fragen, warum ihre Kinder ganz besondere Vorlieben für Süßes oder Saures entwickeln, haben unsere Kollegen vom WDR die Erklärung in diesem kleinen Facebook-Video geliefert.

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 12:23 Uhr