Alternative Verkehrsmittel Verunfallte eScooter-Fahrer: Männlich, betrunken, kein Helm

Eine US-Studie untersucht, wer nach einem Unfall mit einem eScooter im Krankenhaus behandelt wird. Die Zahlen zeigen: Meist sind es Männer ohne Helm unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

eScooter Lime Fahrer
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Über die potenziellen Gefahren wird viel gesprochen: Seit Frühjahr sind die sogenannten eScooter in Deutschland als Verkehrsmittel zugelassen. Begleitet wurde die Einführung von zahlreichen Berichten über Unfallrisiken für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer. In den USA gibt es bereits seit zwei Jahren Erfahrungen mit den Batterie-betriebenen Rollern. Eine Studie von dort zeigt jetzt, dass die Unfallopfer vor allem Männer waren, die ohne Helm fuhren und oft mit Alkohol und Drogen im Blut unterwegs waren.

Auch in den USA umstritten

Im September 2017 erschienen die eScooter plötzlich in den ersten Städten in Kalifornien. Auch in den USA wurde die Einführung von heftigen Debatten begleitet. Einige Städte, darunter Nashville, Santa Monica, Denver, San Francisco und San Diego haben die Roller nach der Einführung wieder verboten. In mehr als 65 Städten kann man sie allerdings mieten und die Investoren erwarten hohe Gewinne.

Auf Druck der Branche kippte der Bundesstaat Kalifornien die Helmpflicht für über 18-jährige eScooter-Fahrer. Die Roller dürfen mit über 50 Kilometern (35 Meilen) pro Stunde über kalifornische Straßen gelenkt werden. Ein Team von Gesundheitswissenschaftlern um den Mediziner Leslie Kobayashi von der Universität in San Diego, Kalifornien, hat jetzt untersucht, wer eigentlich die Opfer bei Unfällen mit eScootern sind.

Fast niemand trug Helm

Grundlage der Untersuchung sind die Zahlen dreier großer Unfallkliniken und zwar aus dem ersten Jahr nach der Einführung. In den drei Krankenhäusern seien zwischen November 2017 und Oktober 2018 insgesamt 103 Verletze eingeliefert worden. Das berichtet das Team im Journal "Trauma Surgery & Acute Care Open".

Die Forscher erstaunte, wie viel die Unfallfahrer gemeinsam hatten: Etwa zwei Drittel (65 Prozent) von ihnen waren Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Praktisch niemand von ihnen trug einen Helm (98 Prozent). Rund 80 Prozent wurden auf Alkohol, etwa 60 Prozent auf illegale Drogen getestet. Dabei zeigte sich: 48 Prozent der Getesteten hatten mehr als die erlaubte Menge Alkohol im Blut. Bei 32 Prozent war der Test auf den Cannabis-Wirkstoff THC positiv, 18 Prozent hatten Crystal-Meth oder andere Amphetamine konsumiert.

Schwere Verletzungen

42 Prozent der Unfallfahrer wurden mit schweren Verletzungen in die Kliniken eingeliefert. Der Großteil der Verletzungen betraf Beine, Knöchel oder Gelenke (auch 42 Prozent). Mehr als die Hälfte der Patienten mit solchen Verletzungen (53 Prozent) musste operiert werden.

Die Forscher vermuten, dass vor allem Menschen mit Neigung zu gefährlichen Verhaltensweisen das Fahren mit eScootern attraktiv finden. Schon Studien auch China hätten gezeigt, dass sich eScooter-Fahrer dort riskanter verhielten als Radfahrer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. August 2019 | 07:00 Uhr