Warum es verspielte Menschen leichter haben

Sie sind gut im Beobachten, nehmen leicht neue Perspektiven ein und gestalten auch monotone Aufgaben für sich interessant? Dann gelten Sie als verspielte Person - und haben Vorteile gegenüber anderen Menschen.

Bei Kindern ist das gut erforscht, bei Erwachsenen eher Neuland. Bei Verspieltheit, wie Dr. René Proyer von der Uni Halle sie versteht, geht um den Blick auf die Welt. Darum, ob jemand eher ein Haus mit drei Fenstern sieht. Oder ob daraus in der Phantasie des Betrachters ein Gesicht wird. „Man macht eine Beobachtung (...) und kann sich dann drüber amüsieren,“ sagt Renè Proyer.

In den vergangenen Jahren hat René Proyer die Verspieltheit Erwachsener wissenschaftlich untersucht. Dabei unterscheidet er vier Grundtypen.

Typologie der Verspieltheit

Typ 1 albert gerne mit Freunden und Bekannten herum - die Verspieltheit richtet sich auf soziale Interaktion.
Typ 2 begreift das ganze Leben als Spiel – das ist der ‚leichtherzig verspielte‘ Mensch.
Typ 3 entwickelt viele Ideen mit oder konstruiert Alternativen – das sind die intellektuell Verspielten.
Typ 4 ist die Realität zu langweilig. Sie oder er überzeichnet, interessiert sich für das Groteske: Das sind die Extravaganten.

Proyer hat auch den Begriff Verspieltheit selbst analysiert. Dabei ist ihm eines klar geworden: Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff „Verspieltheit“ eher negativ besetzt: „Wenn Sie an Sätze denken wie: Jemand hat Haus und Hof verspielt oder ein Fußballer, der den Ball verspielt. Da schwingt so eine Fahrlässigkeit mit – und dass man eben nicht seriös ist.“

Vater spielt mit Sohn
Verspielte Menschen gelten landläufig als unseriös. Dabei kann Verspieltheit im Beruf helfen, nicht nur in der eigenen Familie. Bildrechte: Colourbox.de

Verspieltheit ist nicht unseriös

Dabei hilft es aus seiner Sicht auch Menschen in eigentlich seriösen Berufen, wenn sie verspielt ans Werk gehen. Das gilt für Proyer selbst bei einer Hirn-Operation. Die Verspieltheit des OP-Teams kann den Stress senken und helfen, die Konzentration zu halten. Außerdem falle es verspielten Menschen leichter, komplexe Probleme zu lösen, sagt Proyer.

„Wenn in meinem Gehirn irgendwas operiert werden muss, dann wird nicht gespielt – hoffentlich. Aber in der Art und Weise, wie die miteinander umgehen oder kommunizieren: Da darf Verspieltheit sein. Und da ist mir auch egal, was für Witze untereinander gerissen werden oder ob die sich necken.“

Verspielte Menschen hätten die Gabe, Probleme eher aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, Dinge zu durchdenken, verschiedenen Sichtweisen einzunehmen. Das hätte etwas sehr Spielerisches - mit einer sehr starken intellektuellen Komponente, meint René Proyer.

Hilft Verspieltheit auch bei der Partnerwahl?

Als nächsten will der Psychologe erforschen, wie Verspieltheit die Partnerwahl lenkt. Dabei nutzt er eine Theorie, die ein Forscherkollege entwickelt hat: „Die Idee ist, dass Verspieltheit ein Indikator ist für geringe Aggressivität ist". Das sei für Frauen attraktiv und guter Predikator für eine gelungen Beziehung. Männer dagegen hielten Frauen, die verspielt sind, für aktiver und lebendiger. Die Forscher sehen darin auch einen möglichen Grund, warum Menschen überhaupt verspielt sind. Es bringt ihnen Punkte bei der Partnersuche.

Über das Thema berichtete MDR Aktuell Im Radio | 06.01.2017 | 06:50