Evolutionsbiologie Viele Kinder, kurzes Leben

Da beißt die Maus keinen Faden ab: In Sachen Nachwuchs haben Winzlinge gegenüber den Riesen im Tierreich eindeutig die Nase vorn. Mäuse sind sechs Wochen nach der Geburt geschlechtsreif und vermehren sich mehrmals im Jahr, Elefanten dagegen sind monatelang schwanger und bekommen höchstens zehn Nachfahren. Dafür werden die grauen Riesen aber auch 80 Jahre alt. Wie hängen Nachwuchsmenge und Lebensalter zusammen?

Viele Kinder, kurzes Leben: Eine knackige Formel, mit der Forscher des Max Planck Instituts für Evolutionsbiologie in Plön beschreiben, wie Fortpflanzung und Lebensdauer miteinander zusammenhängen.

Flinke Fliegen und flotte Mäuse

Die Evolutionsbiologen Stefano Giaimo und Arne Traulsen haben für ihr mathematisches Modell Mäuse und Fruchtfliegen unter die Lupe genommen: Beide Arten leben nur kurz, sodass sich Veränderungen im Altern und in der Lebenszeit zwischen Generationen leicht beobachten lassen. Bei einem Lebensalter von Elefanten mit bis 80 Jahren würden derartige Forschungen sogar mehrere Forschergenerationen überdauern.

Neugeborene Hausmäuse
Ein Wurf Mäusejunge - nach wenigen Wochen sind sie selbst geschlechtsreif. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Mäuse dagegen leben nur etwa zwei Jahre, sind wenige Wochen nach der Geburt geschlechtsreif und werfen zwischen drei und acht Junge - bis zu acht Mal im Jahr. Fruchtfliegen sind noch flinker: Sie schlüpfen nach viertägiger Verpuppung, können sich 24 Stunden später paaren und legen gleich hunderte Eier ab. Elefanten dagegen können 80 Jahre alt werden. Elefantenkühe bringen höchstens zehn Nachkommen zur Welt - ihre Tragzeit dauert 22 bis 24 Monate und geschlechtsreif sind sie mit 12 Jahren.

Was wiegt schwerer?

In der Evolution scheint es den Wissenschaftlern zufolge eine Art Kompromiss zwischen Langlebigkeit und Fruchtbarkeit zu geben. Das kann man sich vorstellen wie auf einer Waage - in der einen Waagschale die Lebensdauer, in der anderen die Fruchtbarkeit. Je nachdem, in welcher Schale mehr "liegt", wiegt das eine oder andere schwerer. Oder andersherum ausgedrückt: Lebt ein Organismus länger, sinkt seine Fruchtbarkeit. Die Forscher haben Folgendes errechnet: Würde die Überlebenszeit einer Maus, deren Generationszeit 2,5 Monate beträgt, in einem Monat um vier Prozent erhöht, würde ihre monatliche Fruchtbarkeit um bis zu zehn Prozent abnehmen. Ob und wie sich eine höhere oder kürzere Lebensdauer auf die Fortpflanzungsrate beim Menschen auswirken würde, ist unklar.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | ETC | 24. Mai 2019 | 19:50 Uhr