Variabler Feiertag Warum ist Ostern dieses Jahr am 12. April?

Für Karnevalsnarren und Faschingfans ist am Aschermittwoch alles vorbei, für Christen beginnt heute die 40-tägige Fastenzeit bis Gründonnerstag, den Donerstag vor Ostern. Der astronomische Frühlingsanfang ist am 20. März, der erste Frühlingsvollmond am 21. März: Demzufolge müsste der 24. März Ostersonntag sein, schreibt uns ein MDR Wissen-Nutzer. Und warum wird dieses Jahr erst am 12. April gefeiert?

Kalender mit den Ostersonntag am 12. April 2020
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Frage, warum Ostern – also Jesus' Kreuzigung und Auferstehung - nicht an einem festen Datum gefeiert wird, ist ganz einfach zu beantworten, sagt der Superintendent der evangelischen Kirche in Halle/Saalekreis Hans Jürgen Kant. "Wir feiern Ostern Sonntag nach dem Passah-Fest oder man sagt eben, wir feiern Ostern am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond." Da der Mond unregelmäßig um die Erde eiert, kriegen es die Kalender nicht hin, dass Ostern immer am gleichen Tag ist. So einfach ist das. Was soll man da noch drüber reden, sagt Superintendent Hans Jürgen Kant am Telefon und lässt sich trotzdem auf ein Interview ein. Und das beginnt so.

Lächelnder Mann
Hans-Jürgen Kant, Superintendent der ev. Kirche Halle-Saalkreis. Bildrechte: Landeskirchenamt der EKM

Also ich musste mich auch nochmal belesen und dachte: Das ist ja kompliziert.

Jürgen Kant, Superintendent der evangelischen Kirche Halle/Saalekreis

Zum einen ist das mit dem Mond kompliziert, an dem sich der jüdische Kalender und somit das Passah-Fest orientiert. Der Mond läuft so unregelmäßig, dass das Osterdatum nach dem Frühlingsanfang um über einen Monat variieren kann, erklärt Rene Schlesier, Vorsitzender der Gesellschaft für Astronomische Bildung in Sachsen Anhalt.

Dr. Rene Schlesier, Vorsitzender der Gesellschaft für astronomische Bildung, Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Der 22. März ist der frühestmögliche Zeitpunkt für Ostern. Das ist laut Statistik einmal in 200 Jahren der Fall. Der späteste Zeitpunkt, der 25. April, das ist nur einmal alle 100 Jahre.

Rene Schlesier, Vorsitzender der Gesellschaft für Astronomische Bildung in Sachsen Anhalt

Da fragt man sich, warum man mit dem astronomischen Wissen von heute nicht einfach einen fixen Ostertermin ausrechnet, der sich an geschichtlichen Quellen orientiert. Da hätte man doch ein festes Datum, oder? "Ja, hätte man", sagt Rene Schlesier, "aber stellen Sie sich das nicht so einfach vor." Denn neben der Erde zerren die anderen Planeten und die Sonne noch an unserem Mond herum und lassen ihn mal schneller, mal langsamer werden. Das sind extrem komplexe Prozesse mit feinsten Veränderungen:

Es ist eine große mathematische Leistung über Jahrhunderte im Voraus zu berechnen, wann Ostern ist.

Rene Schlesier

Über Jahrhunderte geht das noch, meint Schlesier, ist sich aber nicht sicher, ob man mit Gewissheit das Osterdatum von vor 2.000 Jahren ermitteln könnte. Als ob das mit dem Mond nicht schon kompliziert genug wäre. Wir Menschen setzen noch eins drauf. Um sich vom jüdischen Passah-Fest abzugrenzen, beschloss die Kirche im Jahr 325, Ostern auf den Sonntag nach dem Passah zu verschieben.

Es hat auch einen leicht judenfeindlichen Touch gehabt, würde man heute sagen. Weil, selbst wenn der Vollmond auf den Sonntag fällt, wäre rein theoretisch eine Übereinstimmung zwischen dem Passah-Fest und dem christlichen Osterfest. Da hat man gesagt: 'Nein, dann verschieben wir Ostern nochmal eine Woche nach hinten.

Hans Jürgen Kant

Astronomische Osterformel: Frühlingsanfang + Vollmond + Sonntag

So kam noch eine Variable in die ohnehin schon komplizierte Konstellation, fasst Rene Schlesier von der Astronomischen Gesellschaft zusammen: "Wir brauchen den Frühlingsanfang. Das ist der 21. März. Dann brauchen wir den Vollmond nach diesem Frühlingsanfang und dann noch einen Sonntag." Superintendent Kant findet die astronomische und religiöse Konstellation zwar auch kompliziert, begrüßt trotz der Abgrenzung die nach wie vor existierende Nähe und Bindung an das Passah-Fest als Verbindung zu den jüdischen Glaubensgeschwistern.

Eine Frage ist offen: Wann feiern alle Christen gemeinsam Ostern? Darauf haben sich die orthodoxen, katholishen und evangelischen Christen noch nicht geeinigt. Die einen orientieren sich am julianischen und die anderen am gregorianischen Kalender. 2018 fielen die Osterfeiertage ausnahmsweise zusammen, was extrem selten der Fall ist - im 21. Jahrhundert insgesamt nur 31 Mal.

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