Sexualität Warum gibt es den weiblichen Orgasmus?

Er ist nicht nur für die Männerwelt ein Mysterium: der weibliche Orgasmus. Auch die Wissenschaft rätselt immer noch über seinen biologischen Nutzen. Nun gibt es eine neue Spur: US-amerikanische Forscher hatten die Theorie aufgestellt, dass der Orgasmus früher nötig war, um einen Eisprung auszulösen - und dafür nun neue Beweise vorgelegt.

Ein Paar beim Liebesspiel
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Dafür ließen die Wissenschaftler Kaninchen, Katzen und Frettchen aufeinander los. Bei diesen Tieren liegt die Klitoris im Inneren der Vagina. Ihre Vermutung war, dass der Orgasmus bei den Weibchen den Eisprung auslöst - und darum die Klitoris direkt stimuliert werden muss.

Günter Wagner
Günter Wagner, Evolutionsbiologe. Bildrechte: Yale School of Medicine

Dazu gaben die Forscher um Günter Wagner und Mihaela Pavlicev den Tieren das Anti-Depressivum Fluoxetin, das bei Frauen die Fähigkeit zum Höhepunkt reduziert.

Die Theorie: Wenn tatsächlich der Eisprung vom Orgasmus abhängt, müssten die Versuchskaninchen seltener eine Ovulation haben. Die Studie, die nun in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlich wurde, belegt: Die behandelten Tiere hatten wirklich weniger Eisprünge.

Frage geht zurück bis Aristoteles

Laut früheren Vermutungen hat der weibliche Orgasmus den physiologischen Nutzen, dass die Chance auf eine Befruchtung durch die Kontraktionen der Vagina erhöht. Siegmund Freud meinte, dass Frauen, die selten oder nie kommen, psychologisch unreif seien. "Die Frage, wie man die Existenz des weiblichen Orgasmus erklären kann, geht zurück bis zu Aristoteles", sagte Wagner den "YaleNews".

Wenn unsere Theorie korrekt ist, sind die älteren Erklärungsversuche für den weiblichen Orgasmus nicht mehr gültig.

Günter Wagner YaleNews

Die Forscher von den Universitäten Yale und Ohio hatten ihre Theorie bereits 2016 im Fachmagazin "JEZ-Molecular an Developmental Evolution" vorgestellt. Jetzt haben sie dafür weitere Beweise vorgelegt. "Es ist eine gute Hypothese, die viel Unterstützung erhielt", sagte Pavlicev dem US-Sender CBC, "aber wir wollten sie irgendwie überprüfen."

cdi

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Brisant | 26. Juli 2019 | 18:05 Uhr

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