UNO macht Hoffnung AIDS: 2030 soll der Spuk vorbei sein

2030 soll AIDS ausgerottet sein. Das ist zumindest das ehrgeizige Ziel der Vereinten Nationen. Das Kinderhilfswerk Unicef warnt allerdings vor einer Zunahme von Neuinfektionen bei Jugendlichen. Aber der wissenschaftliche Fortschritt lässt doch hoffen.

Computerdarstellung eines HI-Virus
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Genschere gegen Aids

Deutsche Forscher haben nach eigenen Angaben einen Gentherapie-Ansatz gegen Aids-Erreger erfolgreich im Labor getestet. Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut und Frank Buchholz von der Technischen Universität Dresden haben eine Genschere entwickelt, mit der sie das Erbgut von HI-Viren aus infizierten Zellen von Patienten herausschnitten. Dies könnte die Therapie möglicherweise in einigen Jahren bereichern.

"Diese Forschung ist schon verheißungsvoll", sagte Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe. Mit Blick auf angedachte Studien am Menschen gibt er zu bedenken: "Die Frage ist: Wen nimmt man da? Man braucht Menschen, die auch gewillt sind, für die Forschung Risiken einzugehen." Bei Eingriffen ins Erbgut bestehe immer die Befürchtung, dass das mittel- oder langfristig zu einer Krebserkrankung führen könne. "Und selbst wenn es driekt am erkrankten Patienten gelingt, das Erbgut der HIV-Viren zielgerichtet heraus zu trennen, heißt das noch nicht, dass die Patienten kein HIV mehr haben." Ganz abgesehen davon, dass eine Versuchsreihe am Menschen mindestens fünf bis zehn Jahre dauern würde.

Das ist zwar noch Grundlagenforschung, aber es wurde präklinisch an den besten verfügbaren Modellen getestet.

Prof. Boris Fehse, Universitätsklinikum Eppendorf

Aids-Pille Truvada wirkt

In Südafrika verteilen Aids-Berater in mobilen Kliniken das Medikament "Truvada" an Prostituierte. Es enthält zwei Wirkstoffe, die die Virusvermehrung in den Zellen hemmen. Damit kann verhindert werden, dass sich Viren überhaupt einnisten. Gelingt das, wird eine Infektion verhindert. Einer Studie zufolge geschieht das in 86 Prozent der Fälle, selbst bei Menschen mit sehr hohem Risiko, wie eben Prostituierten. Voraussetzung ist, dass "Truvada" regelmäßig eingenommen wird.

Dennoch stellen Kritiker die Wirkung des Medikamentes zur Vorsorge in Frage, weil unklar sei, ob alle Teilnehmer wirklich im gleichen Maße ansteckungsgefährdet gewesen seien. Dabei spielen die Häufigkeit der sexuellen Kontakte ebenso eine Rolle wie die Häufigkeit des Partnerwechsels. Darüber hinaus wird befürchtet, das Mittel könne zu Sorglosigkeit im Umgang mit HIV und auch anderen sexuell übertragenen Erkrankungen führen.

Wirksamkeit hin oder her - Truvada ist teuer, soviel ist sicher. 30 Tabletten, also eine Monatsdosis, kosten in den USA mehr als 1.250 Euro.

Trotz des medizinischen Fortschritts bleibt die Zahl der Neuinfektionen konstant

Aids-Medikamente unterdrücken das HI-Virus heute so effektiv, dass Infizierte selbst kaum noch ansteckend sind. "Dieser positive Effekt und die bisherigen Präventionsanstrengungen haben aber bislang nicht ausgereicht, die Zahl der Neuinfektionen zu verringern", erklärte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler.

Rund 3.200 Menschen haben sich 2014 in Deutschland mit HIV infiziert. Das waren ebenso viele wie im Jahr zuvor, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Seit 2006 sind die Neuinfektionszahlen in Deutschland damit weitgehend stabil.

Hauptbetroffene mit geschätzten 53.800 Infizierten sind offenbar nach wie vor Männer, die Sex mit Männern haben. Die Zahl der Neuinfektionen in dieser Gruppe ist in den vergangenen zehn Jahren nur ganz leicht zurückgegangen

Dass sich die Zahl aller Infizierten insgesamt mit 3.400 dennoch leicht erhöht hat, liegt daran, dass die Lebenserwartung mit der Krankheit enorm gestiegen ist. Dank immer besserer Therapiemöglichkeiten leben Infizierte und Erkrankte heute deutlich länger und das auch in einer erheblich besseren Qualität. 480 Menschen starben dennoch im vergangenen Jahr an AIDS.

Bessere Perspektiven durch frühere Diagnose

Laut der Deutschen Aids-Stifung wissen geschätzte 13.200 der 83.400 Menschen mit HIV/Aids noch nichts von ihrer Infektion. Doch je früher eine Infektion erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und natürlich auch die Chancen, weitere Ansteckungen zu vermeiden. Deshalb soll die medizinische Beratung intensiviert werden. Ärzte sollen Patienten, die Symptome ähnlich einer HIV-Infektion zeigen, HIV-Tests offensiv anbieten.

Millionen Menschen mit AIDS bekommen immer noch keine lebensrettende Behandlung.

Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO

Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganistation WHO bekommen derzeit mehr als 18 Millionen HIV-infizierte Menschen medikamentöse Behandlung. Fast ebensoviele bekommen diese nicht, weil sie gar nicht wissen, dass sie sich angesteckt haben.

Ein HIV Selbsttest dürfte der Schlüssel für diese Menschen werden, um über Ihren Status Bescheid zu wissen und den Weg zur Behandlung einschlagen zu können

Dr. Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO

Mit diesem kann man selbständig die Mundschleimhaut oder das Blut untersuchen. Innerhalb von 20 Minuten liegt das Testergebnis vor. Fällt es positiv aus, sollten sich Betroffene das in einer medizinischen Einrichtung bestätigen lassen. Dort können dann gegebenenfalls auch erste Behandlung durchgeführt werden.

Auf diesem Wege ließe sich die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infizierten verringern und es könnte umgehend mit der Behandlung begonnen werden, noch bevor die Krankheit eigentlich ausbricht. Mit einer Informationskampagne will die WHO die Nachfrage an solchen HIV Selbstests weiter vergrößern. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass dieser Weg schnelle statistische Erfolge ermöglicht.

Zwischen 2010 und 2015 ist so die Zahl der Betroffenen, die tatsächlich wussten, dass sie AIDS haben, von 12 auf rund 60 Prozent gestiegen. Diesem Anstieg ist es zu verdanken, dass mittlerweile über 80 Prozent der HIV-Patienten mit Diagnose eine effektive medikamentöse Behandlung bekommen.

Unicef warnt vor Neuinfektionen bei Jugendlichen

Trotz aller positiven Meldungen warnt das UN-Kinderhilfswerk Unicef vor einem Anstieg neuer HIV-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. "Die Welt hat enorme Fortschritte in den globalen Bemühungen gemacht, Aids zu beenden, aber der Kampf ist noch lang nicht vorbei, besonders für Kinder und Jugendliche", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake bei der Vorstellung eines Berichts des Hilfswerkes am heutigen Welt-Aids-Tag.

Grund sind vor allem fehlende Finanzen. Seit 2014 seien die Zahlungen rückläufig, so Lake, was verheerende Folgen für den Kampf gegen die tödliche Immunschwächekrankheit haben könne. Der neue Unicef-Bericht fordert unter anderem mehr Investitionen, einen besseren Datenaustausch und ein Ende der Stigmatisierung, die mit der Krankheit verbunden ist. Allein 2015 forderte Aids demnach das Leben von 41.000 Jugendlichen und ist damit bis heute eine der häufigsten Todesursachen unter Teenagern.