Für Viezucht abgeholzter und verbrannter Regenwald in Barsilien
Für die Viehzucht abgeholzter und verbrannter Regenwald in Brasilien. Bildrechte: imago/epd

Bericht zur Weltbiodiversität Mensch zerstört Artenvielfalt und bedroht sich selbst

Die Menschheit sorgt in rasantem Tempo dafür, dass immer mehr Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Das geht aus einem aktuellen UN-Bericht hervor. Die Folgen sind so dramatisch, dass sie den Menschen selbst bedrohen.

Für Viezucht abgeholzter und verbrannter Regenwald in Barsilien
Für die Viehzucht abgeholzter und verbrannter Regenwald in Brasilien. Bildrechte: imago/epd

Rund eine Million der acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht +++ 20 Prozent aller Arten seit Anfang des 20. Jahrhunderts unwiederbringlich verschwunden. +++ 70 Prozent mehr invasive Arten, die das ökologische Gleichgewicht in allen Weltregionen verändern.

Die Fakten des Global Assessment Report, den der Weltbiodiversitätsrat IPBES am Montag (6. Mai 2019) in Paris präsentiert hat, zeichnen ein beängstigendes Bild vom Zustand unserer Erde.

"Erodieren unsere eigene Basis"

IPBES-Präsident Robert Watson
IPBES-Präsident Watson: Weltgemeinschaft muss Weg vom Ziel des Wachstums. Bildrechte: imago/Agencia EFE

"Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität", warnt IPBES-Präsident Robert Watson. Die Weltgemeinschaft müsse sich dringend abwenden von wirtschaftlichem Wachstum als zentralem Ziel, hin zu nachhaltigeren Systemen.

Tatsächlich war das Ausmaß des Artensterbens in der Geschichte der Menschheit noch nie so groß wie heute. Und das große Sterben geht weiter. Drei Viertel der Naturräume auf allen Kontinenten wurden vom Menschen bereits erheblich verändert, in den Meeren sind es zwei Drittel.

20 Prozent weniger Arten

Nördliches Breitmaulnashorn unter einem Busch im Ziwa Rhino Sanctuary in Uganda
So gut wie ausgestorben: Das Nördliche Breitmaulnashorn. Bildrechte: IMAGO

In den meisten Lebensräumen auf dem Land schwand die Zahl der natürlich vorkommenden Arten laut dem Global Assessment Report im Schnitt um mindestens 20 Prozent. Die meisten davon starben seit 1990 aus. Mehr als 40 Prozent der Amphibienarten, fast 33 Prozent der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller Meeressäuger sind bedroht. Aber auch bei Nutztierrassen schwindet die Vielfalt unaufhörlich: So starben bis 2016 mehr als neun Prozent der zur Nutzung als Fleischlieferant oder Arbeitstier domestizierten Säugetierrassen aus.

Mehrere Faktoren

Die Autoren der IPBES-Studie gewichteten die Hauptursachen für den verheerenden Wandel wie folgt: Den größten Einfluss hat demnach die veränderte Nutzung von Land und Meer, gefolgt von der direkten Ausbeutung von Tieren und Pflanzen. An dritter Stelle steht der Klimawandel. Danach folgen Umweltverschmutzung und die Verbreitung von fremden, also invasiven Arten.

Hauptproblem Bevölkerungswachstum

Prognose der Vereinten Nationen zur Entwicklung der Weltbevölkerung
Laut einer Prognose der UN wächst die Weltbevölkerung rasant weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zahlreiche dieser Entwicklungen hängen dem Bericht zufolge vor allem mit dem rasanten Wachstum der Weltbevölkerung zusammen. So hätten sich die landwirtschaftlichen Ernteerträge seit 1970 verdreifacht und der Holzeinschlag sogar nahezu verdoppelt. Zudem würden jährlich fast 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe und Ressourcen abgebaut. Das seien fast doppelt so viele wie 1980. Die mit Städten bebaute Gesamtfläche sei inzwischen mehr als doppelt so groß wie noch 1992. Gar verzehnfacht habe sich seit 1980 die Verschmutzung mit Plastikmüll.

Mensch bedroht sich selbst

Der damit einhergehende Verlust an Artenvielfalt geht dem Global Assessment Report zufolge mittlerweile soweit, dass er den Menschen selbst bedroht. Aufzuhalten und umzukehren sind die negativen Entwicklungen nach Ansicht der Autoren des Berichts nur, wenn auf allen Ebenen unverzüglich und konsequent gegengesteuert werde.

Dabei betonen sie, dass der Verlust an Biodiversität kein reines Umweltthema ist. Entwicklung, Wirtschaft politische Stabilität und soziale Bewegungen wie etwa Flüchtlingsströme hingen direkt damit zusammen.

Noch sei es aber nicht zu spät für Gegenmaßnahmen, erklärte IPBES-Chef Watson, "aber nur, wenn wir sofort auf allen lokalen bis globalen Ebenen damit beginnen".

Global Assessment Report Am aktuellen Global Assessment Report arbeiteten arbeiteten drei Jahre lang 150 Experten aus 50 Ländern. 15.000 wissenschaftliche Arbeiten und verlässliche Quellen wurden für den Bericht ausgewertet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. Mai 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 15:09 Uhr

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