Tabletten und Beipackzettel
Der weltweite Verbrauch von antibiotika ist enorm gestiegen, haben US-Forscher errechnet. Bildrechte: IMAGO

Gefahr durch resistente Erreger wächst Antiobiotika-Verbrauch weltweit enorm gestiegen

Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern werden seit 2000 immer mehr Antibiotika verbraucht. Die bessere Verfügbarkeit der Medikamente birgt eine Gefahr: Experten befürchten mehr resistente Keime.

Tabletten und Beipackzettel
Der weltweite Verbrauch von antibiotika ist enorm gestiegen, haben US-Forscher errechnet. Bildrechte: IMAGO

Vielen Entwicklungsländern geht es wirtschaftlich immer besser, dadurch können sich auch mehr und mehr Menschen Medikamente leisten. Was zunächst positiv klingt hat eine Kehrseite: Der weltweite Verbraucht von Antibiotika ist zwischen 2000 und 2015 um rund 65 Prozent gestiegen, besonders in sogenannten Schwellenländern sei die Zunahme mitunter dramatisch. Das berichtet ein Forscherteam um Eili Klein vom Zentrum für Krankheitsdynamik, Wirtschaft und Politik CDDEP in den USA. Dadurch steige die Gefahr weiter, dass immer mehr Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln.

Türkei überholt Frankreich

Im Fachjournal "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften rechnen die Wissenschaftler vor, dass 2015 weltweit insgesamt 34,8 Milliarden definierte Tagesdosen Antibiotika verbraucht wurden. Im Jahr 2000 waren es noch 21,1 Milliarden. In den ärmeren und aufstrebenden Ländern stieg der Gesamtverbrauch sogar um 114 Prozent. Dabei geht die Zunahme nicht allein darauf zurück, dass Antibiotika nun überhaupt verfügbar sind. Auch im absoluten Verbrauch sind heute andere Länder Hauptnachfrager, als noch vor 15 Jahren.

Lagen 2000 im mittleren Verbrauch pro 1.000 Einwohner noch Frankreich, Neuseeland, Spanien und Hongkong vorne, sind es heute die Türkei, Tunesien, Algerien und Rumänien. In den reichen Industrieländern stieg der Gesamtverbrauch zwar auch, aber nur um sechs Prozent. Gerechnet auf 1000 Einwohner nahm der tägliche Verbrauch in den USA, in Kanada und Frankreich sogar um 4 Prozent ab. Für Deutschland wurde allerdings ein leichter Zuwachs festgestellt.

Auch Ersatzwirkstoffe betroffen

Die Zunahme betrifft nicht nur gängige Antibiotika wie Penizillin, sondern auch Reservewirkstoffe wie Linezolid und Carbapeneme. Dadurch steigt die Gefahr, dass gegen mehr und mehr Bakterien keines der Mittel mehr hilft. In Europa seien schon heute viele Erreger resistent gegen Carbapeneme, heißt es. Bis 2030 rechnen die Wissenschaftler mit einer weiteren Zunahme des Gesamtverbrauchs um 200 Prozent.

"Wir müssen entschlossen handeln und wir müssen jetzt handeln, umfassend, um die Effektivität von Antibiotika zu bewahren", sagte CDDEP-Direktor Ramanan Laxminarayan, Mitautor der Studie. "Das beinhaltet Lösungen zur Senkung des Verbrauchs wie Impfungen oder Verbesserungen der Infrastruktur, besonders in Entwicklungsländern."

(ens)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. März 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 10:25 Uhr