Ältere Menschen im Fitnessstudio beim Spinning
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Auf dem Weg Richtung Unsterblichkeit Würden Sie gern 1.000 Jahre leben?

Wissenschaftler glauben, dass wir in Zukunft mehrere hundert Jahre alt werden könnten. Deshalb beschäftigen sich jetzt schon Menschen mit der Frage, was wäre denn, wenn es wirklich so kommt?

von Karsten Möbius

Ältere Menschen im Fitnessstudio beim Spinning
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Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen 500 Jahre alten Vorgesetzten, der jede Ausrede schon mal gehört hat und sie müssten noch 400 Jahre warten, bis der Posten frei wird. Oder stellen wir uns vor, Sie studieren mit 700 zum 20. mal oder lernen Ihren 18. Beruf. Oder was könnte ein Wissenschaftler leisten, wenn er sich mehrere 100 Jahre mit einem Thema befassen würde? Stellen wir uns also vor, es wird kaum noch gestorben und das Renteneintrittsalter wäre 875. Wie würden unsere Sozialsysteme aussehen?

Antworten auf solche Fragen sucht Zoe Rheinsberg. Sie ist Medizinerin am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin in Tübingen und beschäftigt sich damit, wie es wäre, wenn wir alle 1.000 Jahre alt werden.

Baby mit Smartphone
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Einige Forscher sagen: Wenn wir alle Mittel in die Forschung setzen würden, dann wäre die erste Generation der Menschen schon geboren, die 1.000 Jahre alt werden könnte.

Zoe Rheinsberg, Uni Tübingen

Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn der Nachwuchs begrenzt ist und mehrere hundert Jahre alte Menschen die Mehrheit stellen? Zoe Rheinsberg glaubt, dass ältere Menschen sich durchsetzen würden und die Vorherrschaft erlangten. Die richtig Alten von Morgen würden sich die Gesellschaft so gestalten, wie es ihnen gefällt und auf die Interessen der wenigen Jüngeren keine Rücksicht nehmen.

Mediziner gehen davon aus, dass der Großteil dieses Lebens auch gesund und aktiv wäre und nur eine kurze Lebensphase von Leid und Krankheit geprägt sein würde. Fragt sich aber, auf welchem Niveau. Wie werden wir mit 900 Jahren aussehen? Wie ist es mit den Zähnen und wie mit dem Sex? Verschiebt sich auch die Menopause der Frauen um das 10-fache oder bleibt die Entwicklung bei höchstens 50 Lebensjahren stehen?

Endlichkeit könnte sinnstiftend sein

Zu diesen praktischen Fragen kommen noch die Grundsätzlichen: Was würde diese scheinbare Unendlichkeit mit unserem Leben machen? Welche Bedeutung hat die Lebenszeit, wenn sie nicht absehbar begrenzt ist? "Bei einer tausendjährigen Lebensspanne kann die Sterblichkeit natürlich ganz vom Horizont verschwinden. Da stellt sich dann die Frage, ob für das Individuum diese Erfahrungen eben nicht notwendig und sinnstiftend sind", sagt Zoe Rheinsberg.

Insgesamt scheint die Aussicht auf ein tausendjähriges Leben nicht rosig zu sein. Aber das sei ja auch das Spannende an ethischen Fragestellungen, meint die Tübinger Wissenschaftlerin: "Am Ende kann sich jeder eine Meinung bilden, ob es gut oder schlecht ist, wenn es so käme."

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2017, 16:04 Uhr