Gesundheit Wieviel Wunder steckt wirklich in der Aroniabeere?

Aroniabeere - Wunderbeere? Sie soll helfen gegen Diabetes, Bluthochdruck, Heuschnupfen und sogar Krebs. Seit Jahren gibt es einen regelrechten Hype für die Superfrucht, allein in Mitteldeutschland gibt es inzwischen riesiege Anbauflächen. Doch wieviel Heilkraft steckt wirklich drin? Daran scheiden sich offenbar noch immer die Geister. Aronia-Verfechter pochen auf gefühlte Besserung, Wissenschaftler weisen darauf hin, das nichts davon klinisch Bewiesen ist. Ist das das aus für die Aronia?  

Frisch geerntete Aroniabeeren im Korb 3 min
Bildrechte: Aronia-ORIGINAL

Die Aroniabeere haben vor allem gesundheitsbewusste Verbraucher für sich entdeckt und die Nachfrage kräftig angekurbelt. Auch bei Aronia Original in Dresden. Das Unternehmen bewirtschaftet eines der größten deutschen Aronia-Anbaugebiete. Maria Frenkel ist dort die Bereichsleiterin Forschung und Entwicklung und setzt stark auf die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Sie beruft sich auf 122 Humanstudien, also Studien am Menschen, die von verschiedenen Universitäten, Vereinigungen und aus verschiedenen Ländern veröffentlicht wurden. Außerdem sei die Aroniabeere 1959 vom russischen Gesundheitsministerium als Heilmittel gegen Hypertonie, Atheriosklerose und Gastritis zugelassen wurde. Und sie ist überzeugt:

Was heilt, hat Recht. Und jeder kann die Wirkung bei sich selber erfahren.

Maria Frenkel Aronia Original

Vor allem die vielen Antioxidantien in der Aroniabeere sollen gesund sein. Diese chemischen Verbindungen verhindern oder verlangsamen kritische Prozesse im Körper und schützen die Zellen. Manche sehen deshalb in der erbsengroßen, dunkel-violetten Strauchfrucht schon ein Wundermittel.

Vorsicht vor zu großen Heilsversprechen

2 Gläser Joghurt
Aronia auf Joghurt. Bildrechte: imago/Westend61

Doch welche wissenschaftlich fundierten Gesundheitsaussagen lassen sich wirklich ableiten? Prof. Dr. Timo Niedermeyer forscht am Institut Pharmazeutische Biologie an der Universität Halle-Wittenberg und empfiehlt ein gesundes Mißtrauen, wenn auffällig viele Versprechen gemacht werden. Wenn Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel gegen eine breite Palette an Krankheiten angepriesen würden, sei Vorsicht geboten.

Diabetes, Bluthochdruck, Heuschnupfen, Krebs, Infektionen - das sind alles so unterschiedliche Erkrankungen, dass es gar kein Mittel geben kann, das gegen das alles wirkt. Da liegt der Verdacht nahe, dass es gegen gar nichts wirkt.

Prof. Dr. Timo Niedermeyer MLU Halle

Dabei stellt die Wissenschaft die Vorzüge der Aroniabeere gar nicht in Abrede. Die Wirkung der Antioxidantien zum Beispiel ist hinreichend nachgewiesen. Die Frucht kann deshalb jeden Speiseplan bereichern. Auf andere Lebensmittel trifft das aber genauso zu, betont Angelika Vollmar, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität München. Auch wenn man viel Brokkoli, viel Gemüse generell oder Zitrusfrüchte isst, ist das gesund.

Man darf nur nicht annehmen, dass man mit der Aroniabeere Diabetes in irgendeiner Weise heilen oder beeinflussen kann.

Angelika Vollmar Uni München

Aronia Partnerplantage
Aronia-Anbau in Sachsen. Bildrechte: Aronia-ORIGINAL

Jedenfalls gibt es dazu bislang keine belastbaren Aussagen. Um die Wirkung der Aroniabeere als Arzneimittel beurteilen zu können und damit den medizinischen Wert, bräuchte es klinische Studien. Doch die sind aufwändig, zeitintensiv und sehr komplex, erklärt die Expertin.

In der Aroniabeere sind auf jeden Fall pharmakologisch aktive Substanzen vorhanden. Doch die müssen ersteinmal identifiziert werden. Dann ist natürlich die Frage, kommen die Substanzen dort an, wo sie wirken sollen? Das sind also sehr viele Unbekannte, die man untersuchen müsste, wenn die Aronia als Arzneimittel gelten soll.

Angelika Vollmar

So weit ist es längst noch nicht. Bei Aronia Original in Sachsen aber ist man auf alles vorbereitet. Auf eine weiter steigende Nachfrage durch die Verbraucher und auf Kooperationen mit der Wissenschaft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. März 2019 | 09:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2019, 05:00 Uhr