Ammoniak-Studie Feinstaub: Wie unsere Haut das Raumklima verändert

Unser größtes Organ ist ein Wunderwerk der Natur. Forscher haben nun herausgefunden, dass die Haut auch viel Ammoniak abgibt. Damit verändert sie das Raumklima - und trägt gleichzeitig zur Feinstaubbildung bei.

Ein nackter Rücken einer Frau
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Die Wissenschaftler vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC), der Technischen Universität Dänemark und der US-Universität Rutgers setzten für ihre Studie Probanden für mehrere Stunden in einen speziell isolierten Raum. Dabei wurde ständig die Luft um sie herum gemessen und dazu die chemische Zusammensetzung ihres Atems über eine Maske, in die sie atmen mussten. Die Temperatur in der Kammer wurde genauso geändert wie die Kleidung der Teilnehmer - ihre Haut war so mal mehr und mal weniger bedeckt.

Versauerung durch CO2 komplett neutralisiert

Das Ergebnis: Die menschliche Haut gibt viel mehr Ammoniak ab, als bisher angenommen. Diese Emissionen stiegen weiter an, je wärmer der Raum war und je weniger Kleidung die Personen trugen. Letztlich konnte in dem Experiment die Versauerung durch das CO2, das über die Atmung abgeben wird, komplett neutralisiert werden - nur durch die Emission von Ammoniak über die Haut.

Die Experimente fanden in einer speziellen isolierten Kammer an der Technischen Universität von Dänemark statt.
Die Experimente fanden in einer speziellen isolierten Kammer an der Technischen Universität von Dänemark statt. Bildrechte: Mikal Schlosser

Ist das nun positiv? "Das ist schwierig zu sagen", antwortet der MPIC-Studienleiter Jonathan Williams auf MDR-Wissen-Anfrage. Am Ende komme es dabei auf die konkrete Beschaffenheit der Innenräume an, so der Experte. Bisher wisse man nur, dass sich chemische Reaktionen an Oberflächen in den Räumen durch die Ammoniak-Emissionen verändern - wie genau, muss weiter erforscht werden.

Feinstaubbildung über die menschliche Haut

Eine weitere Erkenntnis des Experiments besteht in der gewachsenen Rolle von Ammoniak für die Feinstaubbildung - und damit auch für die Luftqualität.

Wir denken normalerweise, dass die Außenluft die Innenluft beeinflusst. Unsere Messungen lassen jedoch vermuten, dass in einer heißen, feuchten und dicht besiedelten Großstadt menschliche Ammoniakemissionen in Innenräumen auch die Partikelproduktion in der Außenluft beeinflussen könnten.

Jonathan Williams, Studienleiter am MPIC

Feinstaub, den wir selber indirekt mit der Haut produzieren? Das wäre eine interessante Volte in der Diskussion um die hohen Feinstaubwerte in der Luft. Aber auch hier ist noch weitere Forschung notwendig.

Was ist Ammoniak?

Ammoniak (NH3) ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff. Es ist ein stark stechend riechendes, farbloses und giftiges Gas, das nach Umwandlung in Ammonium Land- und Wasserökosysteme erheblich durch Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) schädigen kann. Im menschlichen Körper stammt es hauptsächlich aus dem bakteriellen Abbau von Proteinen in Zellen und im Darm. Es wird über das Blut in die Leber transportiert, wo es in Harnstoff umgewandelt und schließlich mit dem Urin ausgeschieden wird. Im Blut verbleibendes Ammoniak kann über die Haut, den Schweiß oder den Atem abgegeben werden.
Quellen: chemie.de, Umweltbundesamt

cdi

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Dr. Carsten Lekutat 7 min
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