Meerestiere in Gefahr Leiser bitte! Der Mensch macht zu viel Krach im Meer

In unseren Ozeanen ist es nie leise: Tiere kommunizieren miteinander, machen Geräusche beim Fressen, selbst Seetang und Korallenbänke sorgen für Geräusche. Doch diese natürliche Unterwasser-Klanglandschaft ist in Gefahr. Schuld daran ist der Mensch: Durch Bauarbeiten im Meer, die Schifffahrt und die Gas- und Ölförderung wird es in unseren Ozeanen immer lauter. Meeresbiologinnen und -biologen schlagen deshalb Alarm: Der Mensch muss unter Wasser leiser werden!

Ein Frachschiff auf dem Meer frontal am Horizont mit einer Rußwolke 3 min
Schweröl war lange Zeit der Treibstoff erster Wahl bei Schiffen. Bildrechte: imago images / Westend61

Unter Wasser herrscht eigentlich eine einzigartige Klanglandschaft: Da singen Wale, brummen Krebstiere oder rufen Robben, dass der geneigte Zuhörer sich eher an den Science-Fiction-Sound der Lichtschwerter im Star Wars-Film erinnert fühlt als an die Weddellrobbe in der Antarktis.

Doch in weiten Teilen unserer Ozeane klingt es heute kaum mehr so, denn ein lautes, monotones Brummen übertönt diese natürlichen Klänge. Und dafür ist der Mensch verantwortlich. Die Schifffahrt ist dabei die größte menschengemachte Lärmquelle in den Meeren, sagt Meeresbiologin Ilse van Opzeeland vom Alfred-Wegener-Institut.

Die Schifffahrt ist ein ganz wichtiger Faktor. Die produziert ein ständiges Geräusch über sehr viele Tonhöhen. Das ist zwar nicht sehr laut – vor allem, wenn Schiffe auf größerer Distanz zu gewissen Gebieten Fahrrouten haben – aber es ist kontinuierlich.

Dr. Ilse van Opzeeland, Alfred-Wegener-Institut

Außerdem sei das Schiffsgeräusch relativ breitbandig, erstrecke sich also über mehrere Frequenzbereiche, ergänzt die Meeresbiologin. Und dann gibt es ja zum Beispiel auch noch Sprengungen oder Rammschläge in den Meeresboden – für die Öl- und Gas-Gewinnung oder Offshore-Windparks –, die viele Kilometer weit dröhnen.

Unterwasser-Lärm Menschlicher Lärm stört Tiere in der Antarktis

Kaum ein Lebensraum bleibt vom menschlichen Einfluss unberührt: Auch im antarktischen Meer verursachen Menschen immer mehr Lärm unter Wasser. Der stört Tiere wie Robben oder Buckelwale.

Buckelwal im Südozean
Motorbrummen, Sonar oder unterirdische Bauarbeiten können im Extremfall... Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
Buckelwal im Südozean
Motorbrummen, Sonar oder unterirdische Bauarbeiten können im Extremfall... Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
Die Schwanzflosse eines Buckelwals schaut aus dem Wasser.
...das Gehör von Buckelwalen irreparabel schädigen. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
Weddell Meer Robben liegen auf dem Eis
Auch Robben sind sensibel für Lärm unter Wasser. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
Sono Vault PAM Mikrofone an Bord der Polarstern.
Mit diesen Mikrofonen für den Einsatz unter Wasser untersuchen Forscher vom Alfred-Wegener-Institut den menschengemachten Lärm im Südmeer. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
PALAOA Langzeitobservatorium 25 Kilometer entfernt von Neumayer
Das Schema erklärt den Versuchsaufbau der deutschen Forscher. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut
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Lärm schädlich für Meerestiere

Das große Problem: Dieser menschengemachte Lärm hat einen negativen Effekt auf die Wildtiere, die im Meer leben. Dieser Effekte reiche von der Beeinflussung des Verhaltens, über die Vergrämung – also Vertreibung von Tieren aus bestimmten Gebieten –, bis hin zu Hörschädigungen und physiologischen Änderungen, weil Stresshormone freigesetzt werden, erläutert Meeresbiologin van Opzeeland. Einige Studien hätten sogar gezeigt, dass auch Mortalität stattfindet. Für einige Tiere ist der Lärm also sogar tödlich.

Biologin van Opzeeland hat in einem internationalen Team eine Meta-Analyse zum menschengemachten Ozean-Lärm gemacht. Dafür haben sie rund 500 Studien zum Thema analysiert. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Tonhöhen des Meereslärms zum Großteil genau in dem Bereich liegen, in dem Meerestiere miteinander kommunizieren. Sie können sich dann nicht mehr verständigen, erklärt die Meeresbiologin. Außerdem seien weit mehr Tiere betroffen als nur die marinen Säugetiere. Die Analyse zeige jetzt das tastsächliche Ausmaß des Problems.

Aber jetzt zeigen wir wirklich anhand von dieser Synthese, dass es Effekte gibt und über die ganze Breite von marinen Tierarten, die es gibt. Also dass auch Muscheltiere, Krebstiere oder Copepoden (Ruderfußkrebse Anm.d.R.) betroffen sind.

Eine Infografik stellt die menschengemachten Lärmquellen unter Wasser dar und mit welchen Maßnahmen der Lärmpegel gesenkt werden könnte.
Die Infografik zeigt das Problem des menschengemachten Unterwasser-Lärms und wie es gelöst werden könnte. Von oben – fast unberührte Meere, über die Gegenwart (das Anthropozän), bis zu einer besser oder schlechten gemanagten Zukunft. Bildrechte: Science / XAVIER PITA/KAUST

Konkrete Vorschläge für weniger Lärm

Die Forschenden rechnen damit, dass der Meereslärm in den kommenden Jahren noch zunehmen könnte. Deshalb fordern sie die internationale Gemeinschaft auf zu handeln: Es müsse mehr Aufmerksamkeit für das Problem da sein. Und die Forschenden bieten konkrete Lösungsvorschläge an: zum Beispiel sogenannte Blasenschleier, um den Schall aufzufangen. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen Schlauch, erklärt Meeresbiologin van Opzeeland.

Bei Rammarbeiten wird dieser Schlauch um die Rammstelle ausgebracht. In diesen Schlauch wird Luft gepumpt und die sprudelt einfach hoch. Das produziert sozusagen einen Blasenring um diese Lärmstelle.

Solche technischen Lösungen könnten einiges verbessern, sagt die Meeresbiologin. Noch mehr Potential gibt es aber vor allem bei den Container-Schiffen: Würden die allein zwei Knoten langsamer fahren, würde das den Schiffslärm schon halbieren.

2 Kommentare

MDR-Team am 09.02.2021

Hallo @part, war ja klar, dass der MDR - wie üblich - eine Studie veröffentlich und darüber berichtet. Liebe/r/s "part", wir sind eine Redaktion und nicht Studiengeber, -erfüller und -auswerter. In dieser Studie wird nun einmal explizit auf die im Artikel genannten Dinge eingegangen. Anthrophonie (Geräusche, die durch menschliche Aktivitäten erzeugt werden), Biophonie (Geräusche biologischen Ursprungs) sowie Geophonie (abiotische, natürliche Klänge). Der Link zur Studie ist im Artikel eingebettet. Der vom Menschen gemachte Lärm - unabhängig durch was dieser verursacht wird - ist dabei das Hauptthema. Natürlich könnte man die Liste weiter führen. Anthrophonie bleibt dennoch Anthrophonie - Und wir übrigens immer Berichterstatter und nicht Auftraggeber solcher Studien. Liebe Grüße

part am 09.02.2021

War ja klar, völlig ausgeblendet wurde vom MDR wieder mal die unnötige militärische Verunstaltung des Meeresbodens mittels Sonarbojen durch die USA und NATO, die somit jeder U- Bootbewegung in der Tiefe orten möchten. Dabei sind gerade diese Lärmquellen in den letzten Jahren besonders in die Kritik geraten, weil angenommen wird, das sie bei Walen wichtige Organe schädigen können, die dann zu Anladungen von ganzen Herden an den Stränden führen.