Virologie Mers-Virus – die nächste Pandemie?

Der Virologe Christian Drosten will sich um ein neues Virus kümmern. Im Blick hat er das Mers-Virus. Das sei schließlich der nächste Kandidat für eine Pandemie. Das sagte er der Zeitschrift "Capital". Was ist das für ein Virus und wie gefährlich ist es?

Computerdarstellung Virus 2 min
Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Schwindel, Schwäche, ein bisschen Husten, Fieber und Luftnot, manchmal auch Übelkeit. Wenn Till Koch vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung vom Mers-Virus erzählt und was das mit uns Menschen macht, dann weckt er damit nur allzu aktuelle Assoziationen: "Die Symptome, die man am Anfang hat, sind eigentlich kaum von einer gewöhnlichen Erkältung zu unterscheiden oder auch nicht von einer echten Grippe oder auch von der Sars-CoV-2-Infektion. Bei Mers ist aber das Besondere, dass es bei einem gar nicht so geringen Teil von Patientinnen dann fortschreitet und dann andere Organe in einer noch schlimmeren Weise betrifft."

Dr. Till Koch
Bildrechte: Till Koch/ Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Und dann wird's gefährlich: Lungenentzündung bis hin zu Lungenversagen oder Nierenversagen. "Im Gegensatz zu der Infektion von Sars-CoV2 ist die Letalität eben deutlich erhöht. Die liegt ungefähr bei 35 Prozent, also ungefähr ein Drittel der Leute stirbt daran", so Till Koch.

Mers ist nicht sonderlich "erfolgreich"

Diese Zahl muss man aber mit Vorsicht genießen, rät der Infektiologe. Mers sei schließlich noch nicht gut erforscht. Und auch wenn das Virus tödlich sein kann, so ist es doch wenigstens nicht sonderlich erfolgreich. 2012 hatte man es das erste Mal nachgewiesen – auf der arabischen Halbinsel, daher auch der Name: Middle East Respiratory Syndrome (dt.: Nahöstliches Atemwegssyndrom), kurz Mers. Beschrieben wurde das erstmals von Dr. Ali Mohamed Zaki in Jeddah, Saudi Arabien. In den acht Jahren ist der Schaden von Mers aber überschaubar gewesen, sagt der Virologe Uwe Liebert, bis dieses Jahr Direktor des Instituts für Virologie der Universität Leipzig:

FAKT IST!-Gast: Prof. Uwe Liebert, Virologe Universitätsklinikum Leipzig
Bildrechte: Stefan Straube/Universitätsklinikum Leipzig

Seit dieser Zeit sind einige wenige Tausende Menschen infiziert worden. Es ist also nicht so, dass sich das Virus gleich weltweit und mit hoher Übertragbarkeit auf die Menschen ausgebreitet hätte.

Uwe Liebert Virologe

Um für den Menschen gefährlicher zu werden, müsste Mers mutieren und ansteckender werden. Und klar, das kann passieren. Mers ist schließlich auch ein Coronavirus und die sind dafür bekannt, pandemisch werden zu können. Auch die WHO hat Mers auf einer Liste für mögliche Pandemien. Aber so schnell wird das nicht passieren, beruhigt Till Koch: "Man hat in der letzten Zeit wissenschaftlich keine großen Hinweise gesehen, dass diese Viren sich irgendwie so anpassen, dass sie im Menschen deutlich besser übertragbar wären. Also ich glaube nicht, dass man das sagen kann, dass das Mers-Coronavirus in wenigen Monaten die nächste Pandemie auslösen wird."

Noch keine Medikamente, Impfstoff in Entwicklung

Trotzdem ist es sinnvoll, mehr über das Virus herauszufinden. Die Forschung stecke schließlich noch in den Kinderschuhen, sagt Till Koch. Es gibt zum Beispiel noch keine Medikamente. Drei Impfstoffkandidaten gegen das Mers-Coronavirus stehen bereit, sind aber noch nicht fertig. Bisher hatte die Welt solchen exotischen Viren eben kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Bis jetzt.

An der Entwicklung eines Impfstoffes war Till Koch selbst beteiligt, der am Zentrum für Infektionsforschung neu auftretende Viruserkrankungen erforscht. Dazu veröffentlicht er mit seinem Team auch regelmäßig einen Podcast.

kd

Korrektur

In einer ersten Fassung hatten wir geschrieben, dass Prof. Christian Drosten das MERS-Virus zuerst beschrieben hatte.

MDR AKTUELL

2 Kommentare

MDR-Team vor 23 Wochen

Hallo @Kritische, okay, Ihre Meinung. Bei der Überschrift handelt es sich um eine offene Frage. In der Wissenschaft ist dies ein ganz normales - nicht reißerisches - Vorgehen und soll auf eine Auseinandersetzung mit einem Thema hinführen. In diesem Fall mit dem MERS-CoV aus der Familie der Coronaviren. Der Begriff "Pandemie" ist dabei auch nicht "angstschürend" sondern ebenfalls wissenschaftlich: "Eine Pandemie bezeichnet eine weltweite Epidemie. [...] Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass auch ein pandemisches Virus, das bei gesunden Menschen überwiegend vergleichsweise milde Symptome verursacht, durch die hohe Zahl von Erkrankten in einem begrenzten Zeitraum die Gesundheitssysteme eines Staates überlasten könne, insbesondere in Entwicklungsländern." (Quelle: Robert Koch-Institut)

Liebe Grüße

Kritische vor 23 Wochen

Die Überschrift ist reißerisch und fahrlässig. Wir alle sind genervt, gestresst und lesen nur noch Warnungen, Verbote und Horrorszenarien. Es ist kein Ende in Sicht. Aus psychologischer Sicht unverantwortlich von Journalisten, dieses Klima auch noch anzuheizen.

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