Voller Kleiderschrank
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Waschen für die Wissenschaft So verbreiten wir Mikroplastik über unsere Kleidung

Mikroplastik ist ein großes Umweltproblem. Was viele nicht wissen: es steckt auch in Textilien. Ein neues Forschungsprojekt des Institutes für Wasserchemie der TU Dresden untersucht jetzt, wie viel Mikroplastik aus unserer Kleidung in die Umwelt gelangt und welche Kleidungsstücke besonders problematisch sind.

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Es ist eines der großen weltweiten Umweltprobleme: Mikroplastik. Winzige, unsichtbare Plastikteilchen, die durch alle Filter rutschen und sich überall verteilen – in Flüssen, Meeren, im Boden und in der Luft. 

Wir verteilen täglich Mikroplastik

Was viele nicht wissen: Auch mit unserer Kleidung bringen wir täglich Mikroplastik in die Umwelt. Denn die Kleinstpartikel stecken auch in Textilien. Ein neues Forschungsprojekt der TU Dresden untersucht, wie viel Mikroplastik in unserer Kleidung ist und welche Kleidungsstücke besonders problematisch sind. Die Forschung zu Mikroplastik in Textilien steht erst am Anfang. Fest steht aber, dass sich kleine Teil von der Kleidung lösen.

Die Kleidung schrumpft

Versuchsreaktor zur Bestimmung der biologischen Abbaubarkeit
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Die Forscher fanden heraus, dass die Kleidung durch das Tragen und Waschen im Laufe der Zeit fünf bis 20 Prozent ihres Gewichtes verliert. Nun wollen sie auch wissen, wie Mikroplastik sich aus der Kleidung löst und wie hoch der Anteil der ganz kleinen Teile ist, die durch alle Filter hindurch bis in unsere Umwelt gelangen.

Das passiert über eine riesige Filteranlage, eine sogenannte Filtrationskaskade. In den daraus entnommenen Proben werden Plastikrückstände aus Textilien aufgespürt. Professor Stefan Stolte vom Institut für Wasserchemie leitet das Projekt.

Stellen Sie sich vor, was aus dem Waschmaschinenabfluss kommt. Eine fusselige, flaumige Probe, die wir nochmal auseinandernehmen und filtrieren. Dann trennen wir diesen Filterrückstand auf, um Fasern oder Partikel unterschiedlicher Größe zu haben.

Stefan Stolte

Ein Trend, welche Textilien besonders viele Partikel verlieren, zeichnet sich schon ab. Stolte sagt, dass es entscheidend sein kann, welche Oberflächenbeschaffenheit ein Stoff hat. Vor allem sehr flauschige Materialien, wie zum Beispiel Vlies, haben ein größeres Potenzial, Fasern und somit auch Mikroplastik an die Umwelt abzugeben.

Wir alle nehmen Plastik in uns auf

Mikroskopische Bilder von textiler Mikroplastik
Bildrechte: TU Dresden

Von den Rückständen, die in die Umwelt gelangen und oft über Jahrhunderte bestehen bleiben können, sind nicht nur Tiere und Pflanzen betroffen. Gerade Mikroplastik aus Textilien trifft auch direkt uns Menschen. Die freigesetzten Fasern können eingeatmet werden und wir können sie über das Trinkwasser und unsere Nahrung aufnehmen, sagt Stefan Stolte. Und Mikroplastik aus unseren Abwässern, die auch Kläranlagen nicht herausfiltern, landet möglicherweise mit der Gülle auf unseren Feldern.

Dass überhaupt Mikroplastik über unsere Kleidung in die Umwelt gelangt, liegt am Hauptmaterial, das heute verwendet wird: Kunstofffasern, allen voran Polyester. Über 50 Millionen Tonnen werden weltweit jedes Jahr hergestellt. Kunstfasern sind praktisch, tragen sich gut, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie sind biologisch nicht abbaubar.

Back to Baumwolle?

Eine Rückkehr zu Baumwolltextilien ohne alle Chemiefasern hält Stolte trotzdem für unrealistisch. Dafür gibt es zu viele Menschen auf der Welt – und auch ökologisch wäre der enorme Wasserverbrauch beim Anbau nicht vertretbar. Eine Lösung können biologisch abbaubare Kunstfasern auf Basis von Zellulose und Stärke sein. Aber Prof. Stolte rät zur Vorsicht:

Biologische Abbaubarkeit ist nicht gleich biologische Abbaubarkeit. Zum Beispiel herrschen im Komposter ganz andere Bedingungen als im Meerwasser, was Temperatur und Mikroorganismen angeht. Das heißt, nicht alles ist auch wirklich im Meerwasser biologisch abbaubar.

Stefan Stolte

Welche neuen Textilfasern sind denn so abbaubar, dass sie sich auch im Meerwasser auflösen? Da stehen die Forschungen erst am Anfang.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 04. September 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 13:05 Uhr