Trauriger Rekord Mittelmeer: massenhaft Mikroplastik am Meeresboden

Es ist (fast) überall und trotzdem schwer zu sehen: Mikroplastik. Britische Forscher haben geprüft, wieviel Mikroplastik an bestimmten Stellen auf dem Meeresgrund zwischen Korsika und Italien liegt. Sie waren geschockt.

Mit den Füßen im Wasser steht ein Mann am Strand.
Bildrechte: imago images/Westend61

Die Wellen schwappen sanft über die Füße, die Zehen graben sich wohlig ein in den Sand und irgendwo am Strand ruft ein fliegender Händler sowas wie "Bomboles" oder "Gelato!". So fühlt sich Urlaub an - auch wenn der idyllische Schein zu unseren Füßen trügt. Was wir da mit den Zehen durchwühlen, ist zwar Sand - aber oft auch durchsetzt von Mikroplastik. Und nicht nur der - auch die Sedimente am Meeresboden. Das zeigt eine Studie der Universiät Manchester, für die Wissenschaftler den Meeresboden zwischen Korsika und Italien erforscht haben.

Blick auf den Strand nahe Porto Vecchio, Corsika.
Die Idylle des glasklaren Wasser trügt - hier in der Nähe von Porto Vecchio im Osten von Korsika Bildrechte: imago images / Danita Delimont

Dabei zeigte sich, so glasklar das Wasser hier auch scheinen mag: Die Sedimente haben es in sich. So viel Mikroplastik, wie man an noch keiner anderen Stelle eines Meeresbodens gefunden hat: 1,9 Millionen Plastikpartikel pro Quadratmeter. Das schreiben die Forscher im Fachmagazin "Science". Ian Kane von der Universität Manchester hat zusammen mit einem Team einen Meeresboden näher angeschaut, dessen Topographie und Meeresströmungen am Boden schon gut erforscht sind: den Grund des Tyrrhenischen Meers, gelegen zwischen Korsika und Italien. Die Strömungsmuster und -geschwindigkeiten ähneln hier denen in anderen Ozeanen.

190 Partikel pro 50 Gramm Sediment

Die Ergebnisse schockierten die Forscher: 190 Partikel pro 50 Gramm Sediment - hochgerechnet 1,9 Millionen Plastikpartikeln pro Quadratmeter Meeresgrund. Biologe Ian Kane sagt:

Diese Konzentrationen übertreffen die höchsten jemals gefundenen Werte, selbst diejenigen aus Tiefseegräben. Sie sind doppelt so hoch wie bisher in Untersee-Canyons gemessen.

Ian Kane, Universität Manchester

Wie kommen die winzigen Plastikpartikel hier hin?

Aber woher kommen die Massen an winzigen Plastikpartikeln? Vom Ufer her nicht - das zeigten Untersuchungen der Proben, die nahe der Küste gemacht wurden. Das Mikroplastik scheint unter Wasser zu "reisen", Tiefenströmungen verteilen die millimetergroßen Partikel über große Entfernungen und konzentrieren es so an bestimmten Stellen.

Bisher war man in der Forschung davon ausgegangen, dass Mikroplastik von oben nach unten sinkt: aus Plastikansammlungen zum Beispiel, die auf der Meeresoberfläche treiben. Diese Studie widerlegt das, sie zeigt, dass sich das Mikroplastik über Strömungen am Meeresboden ausbreitet. Diese Strömungen transportieren und versorgen eigentlich sämtliche Organismen und Lebewesen am Meeresgrund mit Sauerstoff und Nährstoffen. Aber sie transportieren und verlagern eben auch Mikroplastik.

(lfw)

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