Finger mit Mikroplastikpartikeln
Bildrechte: Stephan Glinka / BUND

Auf einen Blick: Was wir alles n i c h t über Mikroplastik wissen

Finger mit Mikroplastikpartikeln
Bildrechte: Stephan Glinka / BUND

Jeden Tag lesen wir Neues über Plastikmüll, Mikroplastik und neue Recyclingverfahren und glauben, Bescheid zu wissen. Wenn man einmal genau hinschaut, merkt man schnell, wie wenig wir tatsächlich wissen, angefangen bei der Frage, wie viel Mikroplastik wir mit der Kleidung in die Umwelt bringen. Vier Fragen, auf die die Wissenschaft noch keine exakten Antworten hat.

Wie viel Mikroplastik gibt es überhaupt auf der Welt?

Alle Zahlen rund um die Menge von Mikroplastik auf unserem Planeten beruhen auf Schätzungen oder Hochrechnungen. Genau quantifizieren lässt sich weder die Menge der Plastik-Teilchen noch deren Gewicht. In einer Studie, die Anfang 2018 von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde, haben Forscher errechnet, dass allein in der EU jedes Jahr knapp 26 Millionen Tonnen Plastikmüll entstehen. Wieviel davon als Mikroplastik irgendwann in unserer Umwelt landet, lässt sich jedoch nicht seriös beantworten.

Wie verbreitet sich Mikroplastik?

Auch dazu gibt es bislang nur sehr wenige wissenschaftlich präzise Erkenntnisse. Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung räumt in einer Pressemeldung ein: "Trotz weltweiter Studien und Aktivitäten ist das Wissen über Herkunft, Verbreitung und die Auswirkungen von Plastik in der Umwelt an vielen Stellen noch sehr lückenhaft." Zwar gibt es inzwischen weltweit zahlreiche Forschungsprojekte, die sich mit den Ursprüngen und der Verbreitung von Mikroplastik beschäftigen. Wirklich bahnbrechende Ergebnisse all dieser Arbeiten stehen aber noch aus.

Was macht Mikroplastik im menschlichen Körper?

Spekulationen über mögliche Auswirkungen der winzigen Plastikteilchen auf unseren Organismus gibt es viele - wissenschaftliche Belege hingegen bisher noch nicht. Weder konnte bis heute ein konkretes Gesundheitsrisiko nachgewiesen werden, noch lässt sich präzise beantworten, was Mikroplastik im menschlichen Körper oder in dessen Zellen überhaupt bewirkt. Forschungen an Tieren und Pflanzen sind indes weiter vorangeschritten und haben unter anderem gezeigt, dass Plastikpartikel in Muscheln zu Entzündungsreaktionen, bei Fischen zu Verhaltensänderungen und bei Salatpflanzen gar zum Tod führen können. Durch die winzigen Abmessungen und die damit einhergehenden chemischen und physikalischen Eigenschaften befürchten die Forscher, dass die Plastikteilchen direkt mit Zellbestandteilen oder biologischen Molekülen und dem Erbgut reagieren könnten. Beweise dafür gibt es allerding noch nicht.

Wie kann man die Entstehung von Mikroplastik verhindern?

Die wohl wichtigste Frage, auf die es ebenfalls noch keine wirklich praxistaugliche Antwort gibt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass man mit Blick auf die Entstehung zwischen zwei verschiedenen Arten von Mikroplastik unterscheiden muss. Primäres Mikroplastik wird bereits in dieser Form hergestellt und kommt zum Beispiel als feines Plastikgranulat in Kosmetikprodukten zum Einsatz. Das könnte man vom Prinzip her einfach verbieten und damit aus der Welt schaffen. Sekundäres Mikroplastik dagegen entsteht überall in unserer Umwelt. Größere Kunststoffteile, ganz egal ob im Abfall oder bei Gebrauchsgegenständen, zerfallen durch mechanischen Abrieb, die Einwirkung von Sonne, Wind oder Wellen in kleinere Teilchen. Am Ende entsteht so ebenfalls Mikroplastik - und das ist nicht zu verhindern.

Die Links zum Nachschauen:

Alfred-Wegener-Institut: Mikroplastik in Meer

Umweltbundesamt: Dossier Mikroplastik

Bundesregierung: Dem Plastik auf der Spur

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR aktuell | 04. August 2018 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 09:36 Uhr

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