Ernährungsforschung Dank Milch: So eroberten Menschen Nord-Europa

Wissenschaftler haben in Kroation über 7.000 Jahre alte Milch- und Käsereste gefunden. Sie nehmen an, dass die Milchprodukte die Überlebenschancen von Säuglingen erhöhten und auch die Ausbreitung des Menschen in den Norden Europas begünstigten.

"Die Milch macht's" - dieses Motto eines Werbespots aus den 1980er-Jahren scheint schon viel älter zu sein als angenommen, um nicht zu sagen vorchristlich.

Sarah McClure und ihre Forscherkollegen von der Pennsylvania State University in den USA haben herausgefunden, dass im Mittelmeerraum schon vor über 7.000 Jahren tierische Milch verarbeitet wurde. Dafür analysierten sie Rückstände auf uralten Tonscherben. Die Forscher nehmen an, dass die Verfügbarkeit verarbeiteter Milchprodukte wie Käse zu einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit geführt haben könnte und somit auch den demografischen Wandel in dieser frühen Zeit beeinflusste.

Tonscherben aus Kroatien

Die Forscher untersuchten verschiedene Tonscherben, die sie an der dalmatischen Küste Kroatiens gefunden hatten. An einigen 7.700 Jahre alten Scherben konnten sie Milchreste und an einigen 7.200 Jahre alten Scherben sogar Käsereste nachweisen.

Sowohl der Wandel der damaligen Technologie als auch eine Fettsäure-Analyse ließen die Forscher daraus schließen, dass die Menschen in diesem Gebiet im Laufe dieser Zeit damit begonnen hatten, feste Milcherzeugnisse wie Käse herzustellen.

Bessere Versorgung der Kinder

Untersuchungen zu Folge waren die frühen Bauern laktoseintolerant und haben die Milch selbst nicht vertragen. Sie waren nicht in der Lage den Milchzucker durch das Enzym Laktase abzubauen. Säuglinge hingegen sind von Geburt an bestens mit Laktase ausgestattet und haben dieses Problem nicht. So sind sie in der Lage sowohl den hohen Laktosegehalt der Muttermilch als auch der tierischen Milch abzubauen. Daher glauben die Forscher, dass die Nutzung von Milch und Milchprodukten zu einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit geführt haben könnte. Denn mit der Milch hätten die Menschen eine stabile, kalorien- und nährstoffreiche Nahrungsquelle fü ihren Nachwuchs gefunden.

Doch nicht nur die verbesserte Versorgung der Kinder sei eine Folge der Milchnutzung gewesen. Die Forscher nehmen weiterhin an, dass es den Frauen somit möglich war, früher abzustillen und auch schneller erneut schwanger zu werden. So könnten die höheren Überlebensraten der Kinder und die höhere Geburtenrate den demografischen Wandel dieser Region und die Ausbreitung der Menschen in den Norden begünstigt haben. Denn verarbeitete Milch z.B. in Form von Käse ist nahrhaft, haltbar und transportabel. Außerdem senkt die Verarbeitung den Laktosegehalt, so dass nach Aussagen der Forscher ein größerer Teil der Bevölkerung die Lebensmittel genutzt haben könnte.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LexiTV | 08. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2018, 20:00 Uhr