Mehrer Gruppen knüpfen sich den Lebensraum Meereis bei jeder Eisstation vor: Wasserproben aus den Schmelztümpeln, das Eis selber sowie das Wasser darunter, alles wird nach nach Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen durchsucht.
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez

Umweltforschung Massenweise Mikroplastik im arktischen Eis

Bilder schwimmender Plastikmüll-Inseln schockieren. Besonders, wenn diese "Plastikteppiche" durch karibische Idyllen treiben. Optisch weniger spektakulär, aber nicht weniger schockierend ist das, was Forscher jetzt in der Arktis entdeckt haben: Das arktische Meereis ist durchsetzt von winzigen Plastikpartikeln.

Mehrer Gruppen knüpfen sich den Lebensraum Meereis bei jeder Eisstation vor: Wasserproben aus den Schmelztümpeln, das Eis selber sowie das Wasser darunter, alles wird nach nach Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen durchsucht.
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez

Forscher des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven haben bei Untersuchungen von arktischem Eis mehr als 12.000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis gefunden. Die Spezialisten hatten Proben aus fünf verschiedenen Regionen rund um den Nordpol untersucht, die ein Expeditionsteam 2014/2015 eingesammelt hatte. Nachgewiesen wurden die winzigen Teilchen mit Hilfe eines Infrarotspektrometers, das auch Partikel erkennen kann, deren Durchmesser gerade noch elf Mikrometer groß sind, also etwa ein Sechstel des Durchmessers eines Haares.

Was für Plastik wurde da tiefgefroren?

Die Analyse der winzigen Teilchen ergab, dass es sich um 17 Kunststoffarten handelt, darunter Verpackungsmaterialien wie Polyethylen, aber auch Lacke, Nylon oder Celluloseazetat, aus dem zum Beispiel Zigarettenfilter bestehen. Je nach Fundort variierte die Art der winzigen Plastikpartikel: im Kanadischen Becken wiesen die Partikel eher auf eine Herkunft aus dem atlantischen Müllstrudel hin; vor der nordrussischen Arktisküste fanden sich Lackpartikel aus Schiffsanstrichen oder Nylonresten, die vermutlich aus Fischernetzen stammen.  

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern treibt für Forschungsarbeiten über dem Bereich der 'Aurora' Hydrothermalquellen am Westlichen Gakkel Rücken bei ca. 82¡53'N und 6¡15'W.
Die Polarstern, das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Insitituts, bei Forschungsarbeiten in der Arktis. Bildrechte: Stefanie Arndt/AWI Magazin

Bleibt das Plastik in der Eisscholle?

Die Plastikteilchen bleiben allerdings nicht auf ewig im im Eis eingeschlossen. Die Eisschollen treiben mit der Eisdrift durch die Arktis und wachsen währenddessen - Forschern zufolge für zwei bis elf Jahre. Wenn Eisschollen nämlich die Framstraße bei Grönland erreichen, schmelzen sie und die eingeschlossenen Plastikteilchen kommen zurück ins Meer.

Aus Sicht der Forscher besonders bedenklich: Die winzigen Teilchen können von Ruderfußkrebsen und Wimperntierchen gefressen werden. Ob und wie sich das in den deren Organismen auswirkt, ist noch unerforscht. Möglich ist aber auch, dass die Plastikreste aus den arktischen Eisschollen, wenn sie von Algen und Bakterien besiedelt, werden zum Meeresboden sinken. Das belegen nach Angaben der Forscher Beobachtungen aus dem Arktis-Tiefseeoberservatorium.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | 24. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2018, 17:00 Uhr