Mehrer Gruppen knüpfen sich den Lebensraum Meereis bei jeder Eisstation vor: Wasserproben aus den Schmelztümpeln, das Eis selber sowie das Wasser darunter, alles wird nach nach Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen durchsucht.
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez

Umweltforschung Massenweise Mikroplastik im arktischen Eis

Bilder schwimmender Plastikmüll-Inseln schockieren. Besonders, wenn diese "Plastikteppiche" durch karibische Idyllen treiben. Optisch weniger spektakulär, aber nicht weniger schockierend ist das, was Forscher jetzt in der Arktis entdeckt haben: Das arktische Meereis ist durchsetzt von winzigen Plastikpartikeln.

Mehrer Gruppen knüpfen sich den Lebensraum Meereis bei jeder Eisstation vor: Wasserproben aus den Schmelztümpeln, das Eis selber sowie das Wasser darunter, alles wird nach nach Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen durchsucht.
Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez

Forscher des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven haben bei Untersuchungen von arktischem Eis mehr als 12.000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis gefunden. Die Spezialisten hatten Proben aus fünf verschiedenen Regionen rund um den Nordpol untersucht, die ein Expeditionsteam 2014/2015 eingesammelt hatte. Nachgewiesen wurden die winzigen Teilchen mit Hilfe eines Infrarotspektrometers, das auch Partikel erkennen kann, deren Durchmesser gerade noch elf Mikrometer groß sind, also etwa ein Sechstel des Durchmessers eines Haares.

Schmelztümpel auf einer Eisscholle. Im Bildhintergrund erkennt man den deutschen Forschungseisbrecher Polarstern.
Unterwegs im "ewigen Eis": Vorne im Bild, Schmelztümpel auf einer Eisscholle, weiter weg der Forschungseisbrecher "Polarstern". Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Stefanie Arndt
Schmelztümpel auf einer Eisscholle. Im Bildhintergrund erkennt man den deutschen Forschungseisbrecher Polarstern.
Unterwegs im "ewigen Eis": Vorne im Bild, Schmelztümpel auf einer Eisscholle, weiter weg der Forschungseisbrecher "Polarstern". Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Stefanie Arndt
Vogelperspektive: Blick auf Eislandschaft, durchschnitten von einem Wasserlauf, durch den ein Schiff fährt.
Der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" treibt für Forschungsarbeiten über dem Bereich der 'Aurora' Hydrothermalquellen am Westlichen Gakkel Rücken. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Stefanie Arndt
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern bei seiner Fahrt über den Lomonossow-Rücken im zentralen Arktischen Ozean.
Oberflächlich gesehen präsentiert sich der Arktische Ozean hier am Lomonossow-Rücken als scheinbar von menschlichen Einflüssen unberührte, saubere Idylle. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Rüdiger Stein
Schmelztümpel auf arktischem Meereis
Die schneeweiße Idylle trügt. So sauber die vereiste Landschaft auf den ersten Blick wirkt, sie enthält mehr als nur Wasser. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Stefan Hendricks
Menschen in orangefarbenen Schutzanzügen in einer Eis- und Schneelandschaft vor einem Wasserloch.
Um mögliche Verschmutzunge nachzuweisen, nehmen Forschungsteams an Eisstationen Proben aus Schmelztümpeln sowie von Eis. Die Proben werden später akribisch nach Hinweisen auf Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen durchsucht. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez
Auf einer Eisscholle in der Arktis nehmen Wissenschaftler Meereisproben, um sie anschlieߟend im Heimatlabor auf Mikroplastik-Partikel zu untersuchen.
Behälter und Forschungsausrüstung für das Material, das nach der Expedition in Laboren unter die Lupe genommen wird. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Ilka Peeken
Eine Eisprobe
Wirklich so durchsichtig sauber? Ein Stück Eisscholle aus der Arktis wird für die Untersuchungen im Labor präpariert. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Tristan Vankann
Grundlagenforschung zu Plastikmüll im Meer, Untersuchung einer eingefrorenen Bohrkernprobe durch Julia Gütermann.
Eine eingefrorene Bohrkernprobe wird für die Untersuchung präpariert. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Tristan Vankann
Untersuchung einer eingefrorenen Bohrkernprobe durch Julia Gütermann.
Was enthält dieses Eisblock-Stück außer Wasser? Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Tristan Vankann
Claudia Lorenz und Dr. Sebastian Primpke mikroskopieren im Labor am Alfred-Wegner-Institut (AWI) auf der Insel Helgoland eine Meerwasserprobe und untersuchen sie nach Mikroplastikpartikeln.
Erst Untersuchungen unter dem Labormikroskop offenbaren auf den Bildschirmen im Alfred-Wegener-Institut auf Helgoland, welche "Zusatzstoffe" sich in Eisschollen befinden. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Tristan Vankann
Julia Gütermann untersucht im Labor am AWI Helgoland eine Meerwasserprobe nach Mikroplastikpartikel.
Wissenschaftlerin Julia Gütermann untersucht eine Meerwasserprobe nach Mikroplastikpartikeln. Bildrechte: Alfred Wegener Institut/Tristan Vankann
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Menschen in orangefarbenen Schutzanzügen in einer Eis- und Schneelandschaft vor einem Wasserloch.
Um mögliche Verschmutzunge nachzuweisen, nehmen Forschungsteams an Eisstationen Proben aus Schmelztümpeln sowie von Eis. Die Proben werden später akribisch nach Hinweisen auf Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen durchsucht. Bildrechte: Alfred-Wegener-Institut/Mar Fernandez

Was für Plastik wurde da tiefgefroren?

Die Analyse der winzigen Teilchen ergab, dass es sich um 17 Kunststoffarten handelt, darunter Verpackungsmaterialien wie Polyethylen, aber auch Lacke, Nylon oder Celluloseazetat, aus dem zum Beispiel Zigarettenfilter bestehen. Je nach Fundort variierte die Art der winzigen Plastikpartikel: im Kanadischen Becken wiesen die Partikel eher auf eine Herkunft aus dem atlantischen Müllstrudel hin; vor der nordrussischen Arktisküste fanden sich Lackpartikel aus Schiffsanstrichen oder Nylonresten, die vermutlich aus Fischernetzen stammen.  

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern treibt für Forschungsarbeiten über dem Bereich der 'Aurora' Hydrothermalquellen am Westlichen Gakkel Rücken bei ca. 82¡53'N und 6¡15'W.
Die Polarstern, das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Insitituts, bei Forschungsarbeiten in der Arktis. Bildrechte: Stefanie Arndt/AWI Magazin

Bleibt das Plastik in der Eisscholle?

Die Plastikteilchen bleiben allerdings nicht auf ewig im im Eis eingeschlossen. Die Eisschollen treiben mit der Eisdrift durch die Arktis und wachsen währenddessen - Forschern zufolge für zwei bis elf Jahre. Wenn Eisschollen nämlich die Framstraße bei Grönland erreichen, schmelzen sie und die eingeschlossenen Plastikteilchen kommen zurück ins Meer.

Aus Sicht der Forscher besonders bedenklich: Die winzigen Teilchen können von Ruderfußkrebsen und Wimperntierchen gefressen werden. Ob und wie sich das in den deren Organismen auswirkt, ist noch unerforscht. Möglich ist aber auch, dass die Plastikreste aus den arktischen Eisschollen, wenn sie von Algen und Bakterien besiedelt, werden zum Meeresboden sinken. Das belegen nach Angaben der Forscher Beobachtungen aus dem Arktis-Tiefseeoberservatorium.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | 24. April 2018 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2018, 17:00 Uhr