Waldgebiet bei Shanghai
Bildrechte: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Erderwärmung Artenreiche Wälder als C02-Killer

Waldgebiet bei Shanghai
Bildrechte: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Viele Baumarten, viel Klimaschutz: Eine einfache Formel, die das beschreibt, was ein internationales Team mit 60 Wissenschaftlern bei einem Aufforstungsprojekt in China herausgefunden hat. Nämlich, dass artenreiche Regenwälder nicht nur der Artenvielfalt dienen, sondern auch zum Klimaschutz beitragen. In dem 2009 gestarteten Waldversuch wurden verschiedene Baummischungen angepflanzt – von Monokulturen bis zum Wäldern mit 16 verschiedenen Baumarten. Versuchsgebiet waren ein mehr als 30 Hektar großes Gelände, ein Berggebiet 400 Kilometer westlich von Shanghai, das in mehr als 500 Parzellen von jeweils 670 Quadratmetern aufgeteitl und mit verschiedenen Mischungen an Baumarten bestückt wurde, um diese später miteinander vergleichen zu können.

Monokulturen wenig hilfreich

Die Forscher stellten seither fest: Nach acht Jahren speichert demnach ein artenreicher Wald fast dreimal mehr Kohlenstoff pro Hektar als ein Wald mit einer einzelnen Baumart. Eine wichtige Erkenntnis für künftige weltweite Wiederaufforstungsprogramme -  für China mit seiner bisherigen Aufforstungspolitik, die zwischen 2010 und 2015 auf schnellwachsende Monokulturen setzte, allerdings zu spät.

Was Bäume fürs Klima tun Bei der Fotosynthese nehmen die Pflanzen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und setzen den Kohlestoff zu Biomasse um. Speichert ein Wald mehr Kohlenstoff, reduziert das auch die Treibhausgase.

Viele Baum-Arten - viele Nebeneffekte

Die Baumartenvielfalt im Wald hat generell viele wichtige Nebeneffekte, wie Helge Bruelheide, Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Ko-Direktor des Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) erklärt: Artenreiche Wälder sind robuster und weniger empfindlich bei extremen Wettereignissen. Auch aus wirtschaftlicher Sicht macht die Baumvielfalt den Studienautoren zufolge Sinn, denn ein Rückgang von Baumarten um zehn Prozent hätte Produktionsverluste von 20 Millionen US-Dollar weltweit pro Jahr zufolge.

Was tun mit dem C02?

Kraftwerksblock im Braunkohlenkraftwerk Boxberg, 2013
Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Gefährlicher als die wirtschaftlichen Verluste sind aber die CO2-Emissionen an sich - darauf weist ein Sonderbericht des Weltklimarates jetzt hin: Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad und und damit das Ausmaß des C02-Ausstoßes zu begrenzen, müssten die Menschen radikal umdenken. Auch wenn es nicht den einzigen Stein der Weisen für die C02-Problematik gibt, sondern viele verschiedene Ansätze zum Umgang mit dem C02: Teil der Lösungen sind nach Weltklimarat neben Aufforstungsprogrammen auch ein gesenkter Energieverbrauch und weniger Fleischkonsum.

Neben Bäumen, die das CO2 aus der Luft aufnehmen, könnten aber auch Technologien zur Speicherung und Umwandlung von C02 helfen. Dafür wird das in der Luft enthaltene CO2 mit chemischen Reaktionen herausgelöst, schließlich aufgespalten, um aus dem Kohlenstoff zum Beispiel neuen Treibstoff zu gewinnen. Oder die Methode, Mineralien einzusetzen, die, in kleine Teilchen zermahlen, auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt, CO2 absorbieren. Am stärksten umstritten ist die Technik der CO2-Abscheidung und -Speicherung, bei der Biomasse in Kraftwerken verbrannt, das frei werdende CO2 abgeschieden und in Tiefenlagern gespeichert wird.

Wie auch immer die Lösungen aussehen, sie sollten bald umgesetzt werden. Denn uns läuft die zeit davon, so der aktuelle Bericht des Weltklimarates. Im Klimavertrag von Paris hatte die internationale Staatengemeinschaft 2015 vereinbart, die Erd-Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzen zu wollen. Und das geht nur, wenn wir die CO2-Emmissionen drastisch beschränken.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 08. Oktober 2018 | 09:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 15:30 Uhr