Quadratische Schnipsel in einem Netz
Ölbinder im Netz, beim Einholen er Holztäfelchen. Bildrechte: TU Dresden/ Fotos: Sören Tech

Entwicklung aus Dresden Mit Holz gegen Ölkatastrophen

Die EU geht davon aus, dass jährlich 500 Tonnen Öl unbemerkt ins Wasser gelangen: Beim Tank ausspülen, durch Lecks in Schiffen, in Ölleitungen oder direkt beim Tanken. Dresdner Forscher haben eine ökologische Methode entwickelt, Öl zu binden.

von Annegret Faber

Quadratische Schnipsel in einem Netz
Ölbinder im Netz, beim Einholen er Holztäfelchen. Bildrechte: TU Dresden/ Fotos: Sören Tech

Forscher der TU Dresden haben eine neue Methode entwickelt, Öl im Meer einzufangen: Kleine, luftige Holztafeln. Die holzfaserbasierten Ölbinder, wie die neuartigen Ölfänger etwas sperrig heißen, sind fünf mal fünf Zentimeter groß und und vier Millimeter dick. Diplom-Ingenieur Holger Unbehaun von der TU Dresden hat die Holztäfelchen entwickelt:

Die haben eine sehr geringe Dichte, von etwa 200 Kilo pro Kubikmeter. Es ist sehr viel Luft drin, sehr viel Porenvolumen und dort geht das Öl rein.

Holger Unbehaun TU Dresden

Die Täfelchen selbst bestehen hauptsächlich aus Holzmehl. Sie werden erst als große Platten hergestellt, ähnlich wie Dämmplatten, und dann in kleine Täfelchen gestanzt. Vorher muss das Holz so behandelt werden, dass es Öl statt Wasser aufnimmt. Unbehaun zufolge erfolgt das mit Rindenextraktstoffen. Sind die Täfelchen fertig und zurecht gestanzt, werden sie vom Flugzeug aus auf die Ölfläche gestreut. Erst beim Abwurf werden sie mit Bakterien versetzt, die das Öl quasi "auffressen". Unbehaun erklärt, wie das geht:

Wenn die Ölbinder aus dem Flugzeug rausfallen, wird in kurzer Zeit eine große Menge an Mikroorganismen-Suspension versprüht und landet dann auf dem Binder oder auf der Öloberfläche.

Für die Auswahl der Mikroorganismen arbeiteten die Dresdner mit dem Leipziger Institut für Biologie zusammen. Pflanzenphysiologin Swetlana König erklärt, wie das Öl auf natürliche Weise beseitigt wird: "Diese Mikroorganismen sind auf der ganzen Welt verteilt vorhanden, also auch in der Ostsee. Da nimmt man mehrere Milliliter Probe und reichert Bakterien an, indem man sie auf ölhaltigen Medien kultiviert."

Von Ölsaugern und Ölfressern

Die Nahrungsgrundlage dieser Bakterien bilden nämlich vor allem Öl und Sauerstoff. Den Sauerstoff liefern die Forscher in Form von Algen mit, die viel Sauerstoff produzieren. Die Algen und die Bakterien bilden einen Biofilm auf den kleinen Holztäfelchen. So arbeiten zwei Faktoren zusammen: Einerseits die ölsaugenden Holzplättchen und andererseits die Bakterien, die das Öl verstoffwechseln. Ein Kubikmeter Binder soll so 600 Liter Öl aufnehmen können, während die Bakterien daran arbeiten, es komplett zu beseitigen.

Das ist der wohl markanteste Unterschied zu der 2017 in Zeitz entwickelten "Wunderwatte", die das Öl aufnimmt, allerdings nicht vernichtet. Das wiederum machen die Bakterien in den Dresdner Holztäfelchen, wenn auch nicht besonders schnell. Tests zeigten nämlich, dass die Beseitigung Monate dauert. Unbehaun erklärt, wie das getestet wurde:

Da wir kein Öl in der Ostsee ausbringen können, haben wir große Tanks auf einem Schiff installiert, Ostseewasser reingepumpt und dort über eine Woche verschiedene Varianten dieser Ölabnahme und des Ölabbaus getestet.

Holger Unbehaun

Eine Woche in einem Tank? Kann das als Ersatz für eine echte Havarie herhalten? Pflanzenphysiologin Swetlana König räumt ein, dass die Methode noch nie mit einem echten Öl-Havariefall getestet wurde. Zum Glück, könnte man sagen.

Obwohl noch ein echter Praxistest fehlt, gibt es schon jetzt reges Interesse an dem Verfahren: Es gibt bereits Kooperationen mit anderen Ländern, die mit den Holztafeln auf Ölfang gehen wollen.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | 09. Januar 2019 | 05:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 16:47 Uhr