Raumfahrt Mondfieber "Made in Germany"

Eine Reihe von Mondmissionen befindet sich in der Vorbereitung und auch hier in Deutschland arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler an Technologien, die Technik und auch Menschen zum Erdtrabanten bringen sollen. Ein Berliner Start-up will ganz vorne dabei mitmischen und bietet zukünftig regelmäßige Mondflüge kommerziell an.

50 Jahre ist es her, dass Neil Armstrong einen großen Schritt für die Menschheit machte. Die ganze Welt hielt damals den Atem an. Manchen fällt auch heute noch schwer, zu glauben, dass dies überhaupt möglich war. Aber es WAR - immer wieder - und IST möglich. Trotzdem: Die letzte bemannte Mondlandung ist inzwischen ganz schön lange her. Apollo 17 startete im Dezember 1972.

Man konnte, wenn man nicht regelmäßig auf den Webseiten von NASA und ESA gestöbert hat, in den letzten Jahren den Eindruck bekommen, dass Mondmissionen nicht mehr so ganz im Zentrum der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit standen. Der Fokus richtete sich eher auf zukünftige Mars-Missionen. Auch Hollywood brachte uns durch Matt Damon eindrucksvoll nahe, wie eine bemannte Mission zum Mars ablaufen könnte.

Mondfieber ausgebrochen

Doch das Mond-Interesse ist trotz der Mars-Erkundungspläne nicht etwa abgeflacht. Man könnte sogar von einem neu entfachten Mondfieber sprechen.

Visualisierung eines Raumschiffs.
Bildrechte: NASA

Eine ganze Reihe von Missionen ist momentan in Planung. So sollen schon bald Astronauten in den Mond-Orbit reisen. Der Erdtrabant, so das Ziel, könnte eine wichtige Zwischenstation für die deutlich weiteren Reisen zum Mars werden. Deutsche Wissenschaftler und Wirtschaftsunternehmen sind intensiv an diesen Vorbereitungen beteiligt.

Orion - Lift off Richtung Mond

Schon nächstes Jahr soll das zunächst noch unbemannte Raumschiff Orion Richtung Mond starten. Für diese Mission wurde auch in Deutschland fleißig getüftelt und geschraubt. Im Auftrag der ESA lieferte Airbus das „European Service Module“ (ESM), einen nicht gerade unwichtigen Teil der Mission. In seinen großen Tanks werden sich Treibstoff und - später wichtig für die Astronauten - Sauerstoff, Stickstoff und Wasser befinden.

Wenn alles nach Plan läuft, wird es 2022 dann spannend für eine vierköpfige Crew, die an Bord des Orion-Raumschiffes ihren Weg zum Erdtrabanten antreten soll. Die Astronauten werden voraussichtlich von der NASA-Station Plum Brook in Ohio aus starten. Die ganze Mission ist eine Kooperation von NASA und ESA.

Eine silberne Raumsonde in Form eines Kreuzes.
Das ESM-Modul aus Deutschland Bildrechte: NASA

Ein Berliner Start-up will regelmäßig auf dem Mond landen

Was mit einer Idee einer Handvoll Raumfahrt-begeisterter junger Ingenieure in ihren Bastelkellern begann, hat sich nun zu einem Start-up mit rund 70 Mitarbeitern gemausert, das sich vor allem mithilfe von Industriepartnern finanziert. Ihr Ziel: Mondmissionen als Geschäftsmodell. Dafür versprechen sie, die Kosten bisheriger Missionen drastisch zu senken, um das Angebot attraktiv zu machen.

Die Missionen sind vor allem spannend für Unternehmen, die bestimmte Materialien testen oder für Wissenschaftler, die unter Mondbedingungen forschen möchten. Die Planungen sind bereits sehr weit fortgeschritten: 2021 soll ein erster Testflug mit dem eigens entwickelten Raumschiff ALINA stattfinden. An Bord befinden sich zwei Rover, die auf Forschungstouren gehen werden. Damit ein solcher Start überhaupt möglich ist, kooperieren die Berliner mit großen Raumfahrtunternehmen wie der ArianeGroup und der ESA.  

Start- und Landebahnen aus Mondstaub

Was schon ein wenig nervt, wenn man eine Mondmission plant, sind die unwirtlichen Umstände, in denen sich das liebevoll konstruierte Raumschiff am Ziel wiederfindet. Besonders lästig ist der Mondstaub, der beim Landen aufgewirbelt wird und sich im schlechtesten Fall auf den sensiblen Instrumenten ablagert. Ein Verfahren, das unter anderem diese Unannehmlichkeit verhindern könnte, hat das Laser Zentrum Hannover entwickelt.

Visualisierung: Zweu technische Geräte auf dem Mond bauen mithilfe eines Laserstrahls eine Raumschiff-Start- und Landebahn.
Wird künftig mit 3D-Druck auf dem Mond gebaut? Bildrechte: Laser Zentrum Hannover e.V.

Die MOONRISE-Technologie soll zunächst mithilfe eines Lasers Mondstaub aufschmelzen und dann in einem 3D-Druckverfahren weiterverarbeiten. So könnten zukünftig zum Beispiel Start- und Landebahnen entstehen. Das aufgeschmolzene Material könnte weiterhin als Baumaterial genutzt werden und dabei helfen, eine komplette Infrastruktur auf dem Mond zu errichten.

Das wiederum ist spannend für die Vision eines globalen Dorfes auf dem Mond, das "Moon Village". Die Lasertechnologie soll in zwei Jahren an Bord einer der Rover der PTScientists mitreisen und getestet werden.

Mond vernetzt

Damit noch nicht genug: Die Berliner wollen außerdem zusammen mit einem großen deutschen Unternehmen ein LTE-Netz auf dem Mond errichten. So könnten zunächst alle Rover im ständigen Kontakt untereinander stehen und später alle vorhandenen Mondstationen miteinander kommunizieren.

Der Mond ist also längst nicht out, sondern wieder mitten in den Fokus von Wissenschaft und Wirtschaft gerückt. Und überhaupt: Was machen Sie eigentlich in 10 Jahren im Sommer? Vielleicht mal nicht an die Ostsee oder nach Italien - der Mond soll auch ein schönes Reiseziel sein. Minus 230 Grad im Schatten und bis zu 120 Grad in der Sonne kurbeln den Kreislauf so richtig an!

Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 14:21 Uhr