Crew-Mitglieder der Apollo-14-Mission betrachten ausgelegtes Mondgestein in einem Labor (Schwarz-weiß-Bild).
Unter dem Gestein, das die Mondmission Apollo 14 mitgebracht hat, befindet sich auch der große Brocken "Big Bertha". Bildrechte: NASA

Exogeologie Mondgestein entpuppt sich als uraltes Erdgestein

In einer Gesteinsprobe vom Mond haben Forscher jetzt einen Span von der Erde entdeckt. Das Teilchen hat auf unserem Nachbarn deutlich besserer Überlebenschancen gehabt als auf dem blauen Planeten selbst.

Crew-Mitglieder der Apollo-14-Mission betrachten ausgelegtes Mondgestein in einem Labor (Schwarz-weiß-Bild).
Unter dem Gestein, das die Mondmission Apollo 14 mitgebracht hat, befindet sich auch der große Brocken "Big Bertha". Bildrechte: NASA

Die Körnchen als Steine zu bezeichnen, ist schon sehr wohlwollend: Mit 750.000 Euro ist auch der Preis wohlwollend hoch, den drei Mondkrümel bei einer Auktion im November 2018 erreichten. Sie sind das einzige Gestein vom Mond, das sich nicht in staatlicher Hand befindet (zumindest bis auf die zahlreich im Internet angebotenen Meteoritenfunde).

Vielleicht könnte die jüngste Erkenntnis in Sachen Mondgestein die Euphorie bei künftigen Auktionen noch in ganz andere - irdische - Regionen steigern: Bei einem – Big Bertha genannten – größeren Gesteinsteil, das Raumfahrer der Apollo 14-Mondmission 1971 mit zur Erde brachten, handelt es sich nicht komplett um Materie vom Mond. Das behaupten zumindest Forscher im Fachblatt Earth and Planetary Science Letters.

Gestein der jungen Erde

Ein zwei Zentimeter großes Teilchen soll ca. vier Milliarden Jahre alt und irdischen Ursprungs sein. Für die These spricht zum einen die chemische Zusammensetzung des Gesteins, die auf Bedingungen auf unserer frühen Erde hinweisen. Ausschlaggebend sei aber der Druck gewesen, unter dem das Gestein entstanden sein muss. Da der Druck auf dem Mond deutlich niedriger ist als auf der Erde, hätte der Splitter erst in 170 Kilometern Tiefe entstehen können. Unwahrscheinlich, dass er von dort an die Oberfläche gelangt ist.

Die Forscher vermuten deshalb, dass das Gesteinsteil durch einen Asteroideneinschlag auf der Erde zum Mond geschleudert wurde – der Weg dorthin war zu dieser Zeit auch dreimal kürzer als heute. Wenn sich der Verdacht bestätigt, ist der Span eines der ältesten Gesteine der Erde. So alte Gesteine sind selten, da sie auf unserem Planeten normalerweise dem Wetter und geologischen Prozessen ausgesetzt sind – nicht so auf dem Mond. Dort nach Resten der jungen Erde zu suchen, scheint also viel versprechender als auf der Erde selbst.

Die Forscher halten es für möglich, dass demnächst noch mehr Mondmaterial auf irdische Herkunft untersucht wird. Gegenüber der Zeitschrift Science sprachen sie sogar von einer Bibliothek mit Fragmenten der jungen Erde. Und wer weiß: Vielleicht sind auf künftigen Auktionen nicht mehr Mondsteinchen, sondern alte Erdteile der Renner.

Entstehung des Mondes Der Mond war früher Teil der Urerde – so besagen es zumindest die gängigen Theorien zur Entstehung des Mondes. Der Einschlag eines mittelgroßen Planeten oder zumindest eine Kollision damit sollen für seine Entstehung gesorgt haben. Deshalb besteht er auch zu weiten Teilen aus dem gleichen Material wie die Erde. Das jetzt untersuchte Mondgestein ist jedoch mit rund vier Milliarden Jahren deutlich jünger als der Mond und muss daher erst später auf unseren Begleiter gekommen sein.

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 15:00 Uhr

Thomas Reiter während eines Interviews. 8 min
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