Weltraumflug Mondlandung 2025: NASA lässt sich mindestens ein Jahr länger Zeit

Die nächste Mondlandung steht an. Zumindest von Seiten der Vereinigten Staaten, das wissen wir seit einigen Jahren. Jetzt gibt's Verzögerungen im Zeitplan, teilt die NASA mit. Vor 2025 sei mit der ersten bemannten Mondlandung seit über einem halben Jahrhundert Jahren nicht zu rechnen.

Weltraumszenerie nachgestellt mit rundem Schwamm als Mond, Krümeln als Sterne, zwei Raumfahrer*innen-Figuren mit Seilen als Schläuche, alles auf blauem Untergrund liegend.
Erstmal nur umrunden, später dann drauf landen. Und zwar mindestens ein Jahr später, sagt die NASA. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Zwischen der Veröffentlichung im Jahr 1954 des später durch Frank Sinatra interpretierten Gassenhauers "Fly Me To The Moon" und dem Zeitpunkt, dass sich diese Musik 1969 an Board von Apollo 10 befand, vergingen 15 Jahre. "Return To The Moon" vom The National-Sänger El Vy erschien 2015. Wir sind also noch locker im Limit, was die musikalische Untermalung der Artemis-Missionen betrifft.

Aber die Zeit wird knapp. 2024, dann sollten wieder Menschen über die Oberfläche des Erdtrabanten spazieren, so wollte es die ehemalige Regierung um US-Alt-Präsident Donald Trump. Der letzte Besuch ist auch schon bisschen her und fand im Dezember 1972 statt. 2024 sei aber nicht zu halten, das gab die US-Raumfahrtbehörde NASA jetzt bekannt. Frühestens 2025 wird es soweit sein.

Rechtsstreit und Corona sorgen für Verzögerung

Als Grund nannte die Agentur unter anderem einen Rechtsstreit mit Blue Origin. Blue Origin, das ist das Raumfahrtunternehmen des Amazon-Gründers Jeff Bezos. Nicht sein Raumschiff, sondern das von SpaceX des Tech-Tausendsassas Elon Musk zu bauende Flugobjekt hatte den Zuschlag erhalten. Die Klage wurde vergangene Woche zurückgewiesen.

Eine weißer Flugkörper in Form einer klassischen Rakete steht auf der Mondoberfläche aus grauem Staub und Hügeln. Am Fuß der Rakete kleine Menschen in Raumanzügen, ein Fahrzeug und die US-Flagge. Im Hintergrund vor dunklem Himmel die Erde.
Künstlerisches Konzept des Starship HLS von SpaceX, das auf dem Mond landen soll. Bildrechte: Wikimedia Commons/Steve Jurvetson (gemeinfrei)

Sieben Monate Verzug hätte es durch den Rechtsstreit gegeben, so NASA-Chefverwalter Bill Nelson (Demokraten). Aber es gibt noch weitere Gründe, warum ein Hello again mit der Mondoberfläche auf sich warten lässt. Dazu zählen der offiziellen Stellungnahme zu Folge die Covid-19-Pandemie, Herausforderungen bei der Entwicklung und vom US-Kongress nicht ausreichend genehmigte Mittel im Zusammenhang mit dem HLS-Wettbewerb. HLS steht für Human Landing System (dt. Landesystem für Menschen), hier geht es also um Transport zwischen der Mondumlaufbahn und der Mondoberfläche. Das Gewinner-Modell von SpaceX sieht in einem Konzept übrigens genauso aus, wie man sich schon vor 150 Jahren eine Mondrakete vorgestellt hat.

Mondlandung in Vintage-Manier

Aber noch mehr ist an den neuen Mondflugplänen der NASA retro und erinnert an "das Beste aus den Sechzigern" – und damit ist nicht nur das Missionslogo gemeint, das wie eine modernisierte Neuauflage des alten Apollo-Emblems daherkommt. Auch der Ablauf der Artemis-Missionen ähnelt, abgesehen von der zeitgenössischen Technik, dem von Apollo und zeigt sich als ein ganz ähnliches Herantasten an unseren nächsten Nachbarn im Weltall. Bevor Menschen auf der Oberfläche landen, werde die Artemis-I-Mission erstmal unbemannt eine Runde um den Mond drehen. Spätestens bis Mai 2024 sollten dann im Rahmen von Artemis-II auch Raumfahrer*innen mit an Bord sein. Ihr Ziel ist, nicht nur eine Runde um den Mond zu drehen, sondern auch so weit in den Weltraum vorzudringen, wie es bisher kein Mensch getan hat: Für fast 65.000 Kilometer geht der Flug hinter dem Mond noch weiter, bevor es wieder nach Hause geht – das entspricht mehr als dem Fünffachen des Erddurchmessers.

Zehn Mondlandungen seien erstmal geplant, so Nelson. Die NASA beteuert: Die nun angekündigten Verschiebungen im Zeitplan würden sich nicht auf spätere Mondflüge auswirken, auch nicht auf den Bau des Gateways. Science-Fiction-Träume, wie sie sich Zuschauer*innen der Streamingserie For All Mankind als Mondbasis Jamestown vielleicht ausmalen könnten, werden damit allerdings noch nicht wahr.

Künstlerische Darstellung zeigt Gateway-Raumstation über dem Mond schwebend. Verschiedene runde Module unterschiedlicher Form sind läng aneinander gekuppelt. Große Sonnenkollektoren sind ausgeklappt.
Gateway – zum Mond und noch weiter. Bildrechte: ESA/NASA/ATG Medialab

Das Gateway ist eine Raumstation ähnlich der ISS, die allerdings den Mond und nicht die Erde umkreist. Sie soll die Infrastruktur für längere Mondaufenthalte sicherstellen, aber auch als Basis für die Erkundung des nächsten großen Ziels im Weltraumflug dienen: des Mars. Eine SpaceX-Rakete soll die ersten Teile im Jahr 2024 ins All bringen. Gut, dass die Amerikaner*innen mit dem Projekt nicht alleine dastehen. Auch die europäische Weltraumbehörde ESA ist an der Raumstation beteiligt und steuert z.B. einen Wohn- und Lebensbereich sowie ein Modul für Kommunikation und Betankung bei.

Der Trabant soll weiblicher werden

Der Name der neuen Mondmission kommt im Übrigen nicht mal eben von ungefähr: Artemis bezeichnet in der griechischen Mythologie die Mondgöttin und ist Zwillingsschwester von Apollon, Namenspate der Apollo-Flüge. Die neue Mission ist also weiblich. Das sollte sie auch sein: Schließlich wollen die Vereinigten Staaten dafür sorgen, dass beim nächsten Besuch auf dem Trabanten nicht nur Männer im Mondstaub tanzen.

flo

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