Fröhlicher Mann mit langem Bart und größerem Bauch steht an Laptop am Küchentisch, daneben Croissant, Orangensaft, Müsli. Sonnige Stimmung.
Home office mit oder ohne Frühstück? Den Kalorien ist's egal. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Ernährung Morgens ordentlich frühstücken – hilft das wirklich beim Abnehmen?

10. September 2022, 05:00 Uhr

Morgens ordentlich frühstücken und abends nur wenig Kalorien zu sich nehmen – das ist für viele Menschen das Geheimrezept, um ungeliebten Pfunden den Kampf anzusagen. Forschende aus Schottland stellten in ihrer Studie aber fest, dass der Zeitpunkt, wann wir die Kalorien zu uns nehmen, keinen Einfluss darauf hat, ob wir abnehmen. Einen positiven Effekt hat diese Art der Ernährung aber trotzdem.

Morgens wie ein Kaiser essen, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann. Na, wer hat jetzt sofort Mamas oder Omas Stimme in den Ohren? Dieses Sprichwort gehörte doch für viele zur Kinderstube dazu. Gemeint ist, dass man morgens die meisten Kalorien zu sich nehmen soll und abends dafür die Kalorienzufuhr klein hält. So sollen wir zumindest die besten Erfolge haben, wenn wir Gewicht reduzieren wollen. Doch stimmt das überhaupt? Hat der Zeitpunkt unserer Mahlzeiten tatsächlich Einfluss auf unser Körpergewicht?

Essen für die Wissenschaft – morgens und abends

Genau dieser Frage widmet sich eine neue Studie, die im Fachmagazin Cell Metabolism veröffentlicht wurde. Forschende um Hauptautorin Alexandra Johnstone von der Universität Aberdeen in Schottland haben dafür übergewichtige und fettleibige Probanden und Probandinnen rekrutiert und deren Ernährung sowie deren Stoffwechsel über eine bestimmte Zeit untersucht. Vier Wochen lang musste eine Gruppe ihre Mahlzeiten vorwiegend morgens und die andere Gruppe vorwiegend abends einnehmen. Die Diäten waren isokalorisch, entsprachen also dem Kalorienbedarf der Probandinnen und Probanden, mit einem Verhältnis von 30 Prozent Eiweiß, 35 Prozent Kohlenhydraten und 35 Prozent Fett. Nach einer Woche Pause wechselte die Probandengruppen zur jeweils anderen Ernährungsweise.

Der Zeitpunkt hat keinen Einfluss aufs Gewicht

Während der Studienphase wurde der Gesamtkalorienverbrauch der Teilnehmenden täglich kontrolliert. Insgesamt stellten die Forschenden fest, dass der Energieaufwand und der Gesamtgewichtsverlust bei der morgendlichen und bei der abendlichen Ernährungsweise gleich hoch waren. Die Probandinnen und Probanden nahmen in beiden vierwöchigen Zeiträumen etwa drei Kilogramm ab.

Die Forschenden fanden aber auch heraus, dass es Unterschiede in Sachen Appetitkontrolle gab. Die Teilnehmenden, die ein größeres Frühstück zu sich nahmen, berichteten, dass sie ihren Appetit besser unter Kontrolle hatten und sich für den Rest des Tages gesättigter fühlten. Das wiederum könnte sich langfristig gesehen und außerhalb des Forschungsumfeldes natürlich positiv auf den Gewichtsverlust der Menschen auswirken.

Die Studie hat allerdings ein paar Einschränkungen und es lässt sich daher nicht abschließend sagen, ob der Zeitpunkt, wann wir unsere Kalorien zu uns nehmen, tatsächlich ohne Bedeutung ist. Zum einen wurde die Studie nicht unter Laborbedingungen durchgeführt, zum anderen könnten bestimmte Stoffwechselmessungen nur nach dem Frühstück und nicht nach dem Abendbrot durchgeführt werden.

Zeitpunkte vielleicht doch an anderer Stelle relevant?

Die Forschenden um Johnstone merken aber an, dass diese Art Experiment auf die Untersuchungen des intermittierenden Fastens angewandt werden könnten, um bei dieser Art der Ernährung womöglich herausfinden zu können, wann der beste Zeitpunkt der Mahlzeit-Einnahme ist. Darüber hinaus planen sie ähnliche Studien mit Personen durchzuführen, die im Schichtdienst arbeiten. Die Forschenden vermuten, dass diese Menschen auf Grund der Störung ihres zirkadianen Rhythmus auch Stoffwechselreaktionen zeigen könnten.

js