Impfung Forschung: MMR-Impfung stärkt Immunsystem gegen Covid-19

Die Mumps-Masern-Rötel-Impfung trainiert das Immunystem möglicherweise auf mehr als die Viren der gleichnamigen Krankheiten. US-Forscher sagen jetzt: Die MMR-Impfung stellt Immunzellen breiter auf gegen viele Erreger, auch Sars-CoV-2.

Ein kleiner Junge ist beim Arzt und wird geimpft
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Birgt die Mumps-Masern-Röteln-Impfung mehr Potential als wir bisher dachten? Ein US-amerikanisches Forschungsteam ist davon überzeugt, dass die MMR-Impfung gefährlich überschießende Immunreaktionen des Körpers im Zusammenhang mit Covid-19-Entzündungen eindämmen kann. So jedenfalls heißt es in einem Artikel des Fachmagazins mbio der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie.

Das wiederum würde eine Impfung mit dem Mumps-Masern-Rötel-Impfstoff, also die MMR-Impfung, besonders für medizinisches Personal aus Sicht des Forschungsteams nützlich machen, da dieses besonders leicht Covid-19 ausgesetzt ist. Als Hinweis auf diese Nebeneffekte verweisen die Forschenden auf die Erfahrungen mit dem US-Militärschiff "Roosevelt". Von 995 Matrosen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, entwickelte ein Rekrut milde Krankheitssymptome. Das könnte aus Sicht der Forscher eine Folge der routinemäßig verabreichten MMR-Impfung der Rekruten sein.

Impfstoff macht mehr mit dem Immunsystem als gedacht

Aber warum sollte der Impfstoff, der vor Mumps, Masern und Röteln schützt, nebenher auch Überreaktionen des Immunsystems dämpfen? Die Idee der Forscher: Abgeschwächte Lebendimpfstoffe in der MMR-Impfung trainieren als Nebeneffekt Vorläuferzellen von Leukozyten im Knochenmark, also Immunsystemzellen. Die sollen dadurch "breiter aufgestellt" sein, wenn sie auf Infektionserreger treffen. Einen ähnlichen Effekt hatten die Forscher nämlich bei Versuchen mit einem abgeschwächten Pilzstamm beobachtet. Dabei wurde das Immunsystem gegen eine tödliche polymikrobielle Blutvergiftung trainiert - und tatsächlich schien sich der Schutzeffekt durch die an sich schon langlebigen MDCS-Suppressorzellen verstärkt zu haben. Bei diesen Zellen hatte sich zuvor in mehreren Versuchsmodellen gezeigt, dass sie die septische Entzündung und Mortalität hemmen. Und die Mortalität in Covid-19-Fällen ist stark mit fortschreitender Lungenentzündung und eventueller Sepsis verbunden, so die Forscher.

Wie weiter mit diesem Wissen?

Sie schlagen nun eine klinische Studie vor, um zu testen, ob der MMR-Impfstoff vor Covid-19 schützen kann. Mikrobiologe Dr. Paul Fidel hatte den Versuch mit den Pilzstamm-Impfung geleitet. Er sagt: "Wenn Erwachsene den MMR-Impfstoff als Kind erhalten haben, haben sie wahrscheinlich immer noch eine gewisse Menge an Antikörpern gegen Masern, Mumps und Röteln, aber wahrscheinlich nicht die von Myeloiden abgeleiteten Suppressorzellen". Er vermutet, dass die MDSC-Zellen zwar langlebig, aber keine lebenslangen Zellen sind. "Daher würde ein Booster-MMR die Antikörper gegen Masern, Mumps und Röteln verstärken und die MDSCs neu anschubsen."

(lfw)