Ein Smartphone mit gesprungenem Display liegt auf Kieselsteinen.
Bildrechte: IMAGO

Murphys Geburtstag Warum fällt das Handy (fast) immer aufs Display?

Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief! Wer kennt es nicht, dieses Zitat. Es wird gern bemüht, wenn man im Supermarkt wieder mal die längste Schlange erwischt hat oder ausgerechnet dann der Regenschirm zu Hause liegt, wenn der Platzregen einsetzt. Dann hat wieder "Murphys Gesetz" zugeschlagen. Doch im Grunde hatte Murphy - der dieses Jahr 100. Geburtstag gefeiert hätte - sein Gesetz etwas anders gemeint.

von Claudia Pupo Almaguer

Ein Smartphone mit gesprungenem Display liegt auf Kieselsteinen.
Bildrechte: IMAGO

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Edward Aloysius Murphy Jr. - vor 100 Jahren, am 11. Januar 1918, wurde der US-amerikanische Ingenieur geboren. Nach einer Pilotenausbildung in der US Army war er während des Zweiten Weltkriegs im Pazifikkrieg im Einsatz - in Indien, China und Myanmar. Berühmt und auch berüchtigt wurde er aber durch sein Gesetz, das er vollständig so formuliert hat:

Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.

Edward Aloysius Murphy Jr.

Schuld war ein schiefgelaufenes Experiment im Rahmen des Raketenschlittenprogramms der US Air Force im Jahr 1949. Dabei wollte Murphy testen, welche Beschleunigungen der menschliche Körper aushalten kann. Dazu wurden an einer Testperson 16 Sensoren befestigt. Und weil Murphys Assistent alle Sensoren falsch angebracht hatte, schlug das kostspielige Experiment fehl. Bei einer darauffolgenden Pressekonferenz wurde das Zitat verkündet - und "Murphys Law" war geboren.

Wissenschaftler benutzen es

Toast
Bildrechte: Colourbox.de

Das Gesetz zitiert haben wir wohl alle schon einmal. Aber Murphys Gesetz steht auch auf einer wissenschaftlichen Grundlage. So hat der britische Physiker Robert Matthews in einer Studie untersucht, ob gebutterter Toast, der von einem Tisch auf den Boden fällt, wirklich häufiger auf der Butterseite landet. Dabei ist der Forscher zuerst einmal davon ausgegangen, dass das Phänomen zufällig ist und eine Wahrscheinlichkeit von 50/50 aufweist. Er musste aber feststellen, dass Toastscheiben wirklich eine Tendenz haben, eher auf die Butterseite zu fallen - und zwar in etwa 80 Prozent der Fälle. Das hat offenbar mit dem Abstand Tisch-Boden bzw. der Fallhöhe zu tun.

Aber auch das Drehmoment spielt eine Rolle. In dem Moment, in dem der Toast herunterfällt, wird laut Matthews eine Drehung ausgelöst, die aufgrund des Abstands nur für eine 180-Grad-Drehung ausreicht. Das Fazit des Physikers: Diese Manifestation von Murphys Gesetz - das Malheur am Frühstückstisch - scheint ein unausweichlicher Teil unseres Universums zu sein. Im Fall des Toasts ließe es sich nur vermeiden, wenn wir leichteren Zwieback benutzen oder einen doppelt so hohen Tisch.

Eine Hand hält ein Smartphone.
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Aber nicht nur zu Toast, sondern auch zu Smartphones hat Matthews Untersuchungen angestellt. Im Auftrag des Elektronik-Konzerns Motorola prüfte er, ob Handys öfter auf das Display fallen. Das Ergebnis: In 60 Prozent der Fälle landet das wertvolle Stück Technik auf dem Display. Der zahlenmäßige Unterschied zum Buttertoast ist dabei offenbar durch die etwas größere Fallhöhe zu erklären. Es spielen aber noch mehr Faktoren eine Rolle: der Schwerpunkt des Handys zum Zeitpunkt des Absturzes - also, wie man es gerade hält -, wie groß das Smartphone ist und aus welchem Material es hergestellt wurde.

Dabei ist es vor allem die glatte, glänzende Oberfläche, die die Handys zwar beliebt und optisch attraktiv, aber eben auch anfällig für Abstürze macht. Und weil sie es lockerer in der Hand halten, haben laut Matthews vor allem Menschen, die gerne einhändig tippen, ein höheres Risiko, das Gerät fallen zu lassen.

Was das Gesetz eigentlich besagt

Ob Handy oder Frühstück - seit Jahrzehnten muss Murphy nun dafür herhalten, wenn etwas schiefgeht. Das hat aber viel mit unserer Wahrnehmung zu tun, die oft selektiv ist. Wenn ein unangenehmes oder schlimmes Ereignis eintritt, fällt uns das auf, wir zitieren Murphy und wir erinnern uns daran. Wenn aber irgendetwas nur geringfügig schiefgeht oder gut läuft, dann fällt das nicht so auf bzw. ist nicht so im Gedächtnis verankert.

Abgesehen von unserer Wahrnehmung ist Murphys Gesetz sehr sinnvoll und wird in der Wissenschaft, vor allem in technischen Bereichen wie der Informatik, regelmäßig angewandt. Dort wird es ganz einfach zur Fehlervermeidung genutzt. Ein Techniker, der zum Beispiel für Backups, also Datensicherung zuständig ist, wird also von Murphys Gesetz ausgehen und zusätzliche Systeme einbauen, die im Fall eines Fehlers oder eines Stromausfalls den Betrieb gewährleisten. Murphy wollte mit seinem Gesetz also eigentlich nur dafür sorgen, dass solche Fehler wie in seinem Raketenschlitten-Experiment so wenig wie möglich auftreten. Das heißt, wer etwas baut, erfindet, koordiniert oder sonstwie plant, sollte alle Eventualitäten genau durchdenken - vor allem jene, die zu großen Problemen oder einer Katastrophe führen könnten - und dann alles dafür tun, dass diese Probleme nicht auftreten können oder die geringstmöglichen Auswirkungen haben.

Mehr zum Thema

Logo der Hörfunkwelle MDR AKTUELL
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er fand heraus, warum wir uns in einfachen Situationen falsch entscheiden

MDR AKTUELL Do 11.01.2018 12:55Uhr 02:34 min

https://www.mdr.de/mediathek/infothek/audio-596480.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 11. Januar 2018 | 10:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 16:07 Uhr