Der Mars
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Faszination "Marsmännchen" Mythos Mars

Als 1877 erstmals die sogenannten Marskanäle entdeckt wurden, entstand ein regelrechter Hype um den Planeten. Seitdem fasziniert er uns derart, dass die Menschheit schon 48 Missionen zu ihm vorbereitet hat. Am 19. Oktober tritt mit ExoMars die 49. Mars-Mission in eine entscheidende Phase: Es soll ein weiterer Lander auf dem Planeten abgesetzt werden.

von MDR-Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius

Der Mars
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Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli soll besonders gute Augen gehabt haben. Er entdeckte feine Linien auf dem Mars: die Canali. Heute ist klar, dass die Astronomen sich diese LInien nur eingebildet hatten zwischen bestimmten dunklen Flecken auf dem Mars. Sie waren schlichtweg optische Illusionen, erklärt Ernst Hauber vom Deutschen Institut für Planetenforschung.

Von den Canali zu Kanälen

Aus den Canali wurden in der Übersetzung schnell Kanäle und Interpretationen schossen aus dem Boden. Wahrscheinlich handele es sich dabei um künstliche Bauwerke intelligenter Wesen, so eine Theorie. Michael Kahn, Missionsanalytiker bei der Europäischen Weltraumagentur ESA erinnert sich, dass diese Vorstellungen noch seine Kindheit beeinflussten.

Wenn man da von Außerirdischen geredet hat und an Außerirdische gedacht hat, dann waren es immer die grünen Männchen vom Mars. Wir haben nie an Jupiter-Männchen gedacht. Die kamen immer vom Mars.

Michael Kahn, ESA-Missionsanalytiker

Die Kanäle schätzte man auf mindestens hundert Kilometer Breite, inklusive Vegetationsgürteln. Und da sie schnurgerade verliefen und von dunklen Flecken auf der Marsoberfläche ausgingen, gab es die Theorie des US-amerikanischen Marsforschers Percival Lowell, dass diese Kanäle von einer verzweifelten und in Not geratenen Zivilisation gebaut worden sind, sagt Michael Kahn. Die stünde vielleicht kurz vorm Aussterben und habe deswegen in einer verzweifelten Aktion Kanäle gebaut, um das Wasser von den Polen zum Äquator zu bringen.

Hörspiel sorgt für Panik

Als dann 1938 in dem von Orson Welles unglaublich realistisch inszenierten Hörspiel "Krieg der Welten" zunächst von Wasserstoffexplosionen auf dem Mars berichtet wurde und anschließend von Angriffen aus Raumschiffen und Kampfrobotern setzte in Teilen der USA eine Massenpanik ein. Eigentlich verständlich meint Planetenforscher Ernst Hauber:

Da war diese Marseuphorie noch gar nicht so lange her und das wird sicher dazu beigetragen haben, dass viele Leute gedacht haben: Ja, jetzt ist es soweit!

Ernst Hauber, Planetenforscher

H.G. Wells und  "Krieg der Welten" im Radio
Produktion des Hörspiels "Krieg der Welten" Bildrechte: IMAGO

Pyramiden auf dem Mars?

Selbst als im Juli 1965 die Marssonde Mariner 4 die ersten Fotos aus der Nähe des Mars zur Erde schickte, war das öffentliche Interesse enorm.

Blauer Sonnenaufgang oder Untergang auf dem Mars
Blauer Sonnenaufgang oder -untergang auf dem Mars Bildrechte: Colourbox.de/MDR JUMP

Vielleicht war ja doch etwas von einer Zivilisation zu sehen? Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass NASA und Roskosmos der Öffentlichkeit wichtige Fotos und Informationen vorenthalten. Im Netz sind Bilder von Pyramiden, von Panzern und Spinnen auf der Marsoberfläche zu finden, die eindeutig belegen sollen, dass es intelligentes Leben auf dem Mars geben oder gegeben haben muss.

Michael Kahn von der ESA führt das auf ein grundlegendes Prinzip unserer Wahrnehmung zurück, nämlich in allem bekannte Strukturen zu suchen und meist auch zu finden: "Das können wir sehr gut. Und das können wir leider eben auch dann sehr gut, wenn nix da ist. Der Mensch ist halt so gepolt. Aber die haben halt nicht den nötigen Abstand, die gehen da nicht ran wie ein Wissenschaftler, sondern die gehen da zu emotional ran."

Bis heute gibt es keinen Beweis, dass es jemals irgendeine Form von Leben auf dem Mars gegeben hat oder gibt. Aber noch hat man die Hoffnung nicht aufgegeben. Teil der aktuellen ExoMars-Mission ist deshalb auch ein Rover, der in ein paar Jahren zwei Meter tief in den Marsboden bohren soll. Vielleicht findet man ja dort Mikroorganismen, die geschützt vor der aggressiven Strahlung existieren können.

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 11:15 Uhr